Rapex-Report am Donnerstag: Mehr als 100 Produktrückrufe im Satefty Gate der EU

Im Oktober wurden insgesamt wieder fast 300 gefährliche Produkte in das Safety Gate der europäischen Union eingestellt. Hiervon entfielen 36,8 % auf Kosmetika und je 14,6 % auf Spielzeuge und Elektroprodukte. Betroffen waren im Monat Oktober aber auch Maschinen mit 13 Produkten   und chemische Produkte mit 11 Produkten.

Mehr als jedes dritte Produkt (35,4 %) muss von den verantwortlichen Herstellern, Importeuren oder Distributoren von den Endverbrauchern zurückgerufen werden und mehr als ein Drittel aller gefährlichen Produkte (34,0 %) stammte aus der Volksrepublik China.

Im auch als RAPEX-System bekannten Safety Gate informieren sich die Marktaufsichtsbehörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Die anderen Mitgliedsstaaten können so länderspezifisch erforderlichen Maßnahmen ergreifen und gegebenenfalls zusätzliche Überprüfungen oder Ermittlungen veranlassen.

Konsequenzen nicht konformer Produkte#

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten.

Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management, stichprobenartigen Tests und vor allem einer vollständigen und zuverlässigen Dokumentation einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

Wieder über 100 gefährliche Kosmetika

Ähnlich wie in den vergangenen beiden Monaten wurden auch im Oktober über 100 gefährliche Kosmetika in das Safety Gate eingestellt.

101 dieser Produkte enthielten gemäß der Zutatenliste das Produkt 2-(4-tert-butylbenzyl) Propionaldehyd (BMHCA), was in kosmetischen Mitteln verboten ist. BMHCA kann das Fortpflanzungssystem schädigen, die Gesundheit des ungeborenen Kindes schädigen und die Haut sensibilisieren.

Behörden aus Italien und Ungarn besonders aktiv

Wie auch in den Vormonaten wurden die gefährlichen Kosmetika vor allem von den Marktaufsichtsbehörden in Italien (52 Meldungen) und Ungarn (35 Meldungen) entdeckt. Jedes fünfte der beanstandeten Produkte würde von den Behörden mit einem Produktrückruf belegt.

48 % der Spielzeuge mit Erstickungs- oder Strangulationsgefahr

Bei den 42 gemeldeten Spielzeugen bargen 20 die Gefahr des Erstickens oder der Strangulation. Weitere 31 % wiesen chemische Risiken auf. 81% der gefährlichen Spielzeuge stammten aus China, gemeldet wurden Sie vor allem von den Französischen und Litauischen Marktaufsichtsbehörden

Bei einem Plüsch-Teddybär entdeckten die slowenischen Behörden, dass sich kleine Teile (Nase und Saugnapf) leicht lösen konnten. Ein kleines Kind könnte sie in den Mund stecken und ersticken.

Das Produkt barg aber aufgrund des Vorhandenseins eines Bandes, das im Nackenbereich gebunden werden soll, zudem ein Strangulationsrisiko. Darüber hinaus hatte das Produkt eine übermäßige Konzentration an Di-2-ethylhexylphthalat (DEHP) (gemessener Wert: bis zu 26,6 Gew.-%). Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise das Fortpflanzungssystem schädigen.

Das Produkt entsprach weder der REACH-Verordnung noch den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der europäischen Norm EN 71-1.

Abb. 1: Gefährlicher Plüsch-Teddybär mit Dreifach-Risiko

Quelle: Europäische Kommission, https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10010541?lang=de, Datum: 03.11.2023, Sprache: Deutsch

RoHS-Verstösse bei fast 60 % der Elektroprodukte

Von den 42 gemeldeten Elektroprodukten verstießen 24 gegen die RoHS-Richtlinie, 16 bargen das Risiko eines elektrischen Schlages und/oder des Feuers. Gemeldet wurden diese gefährlichen Elektroprodukte vor allem von den schwedischen und finnischen Behörden.

Zu den Produkten, die nicht im Einklang mit der RoHS-Richtlinie waren, zählten HDMI-Kabel, LED-Lichterketten, Kopfhörer, MP3-Player, Batterieladegeräte, Leuchten, aber auch ein Kindersportschuh mit Beleuchtung.

Bei den Schuhen wiesen die Lötmittel im Produkt eine übermäßige Bleikonzentration auf (gemessener Wert bis zu 20 Gew.-%). Blei stellt ein Risiko für die Umwelt dar. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der Richtlinie über die Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS-2-Richtlinie). Die Schuhe wurden an der schwedischen Grenze abgelehnt.

Abb. 2: Kindersportschuh mit Beleuchtung und zu hohen Bleigehalt

Quelle: Europäische Kommission, https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10010493?lang=de, Datum: 3.11.2023, Sprache: Deutsch

Elektrische Schläge aus China 

Insgesamt stammten 79 % der gefährlichen Elektroprodukte aus China, bei weiteren 17 % war die Herkunft unbekannt. Unter den Produkten, die das Risiko eines elektrischen Schlages oder des Feuers aufwiesen, waren verschiedene Deckenleuchten, LED-Lampen, Ladegeräte und eine Haarfönbürste. 

Bei diese Fönbürste war das Kabel ist zu dünn für ein 1000W (4A) Gerät. Das Produkte könnte möglicherweise überhitzen könnte, wodurch die Gefahr von Feuer und Verbrennungen entsteht. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 60335.

Abb. 3: Haarfönbürste mit Brandgefahr

Quelle: Europäische Kommission,  https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10010535?lang=de, Datum: 3.11.2023, Sprache: Deutsch

12 äußerst gefährliche Aufsätze für Bürstenschneider

Im Bereich der Maschinen entdeckten die ungarischen und slowakischen Marktaufsichtsbehörden 12 Aufsätze für Bürstenschneider, die zwei verschiedene Risiken bargen. Bei 7 Produkten konnten die Nieten, die die Schneidmesser an der Klinge befestigen, brechen. Die Messer können sich während des Gebrauchs lösen und schwere Verletzungen verursachen. Bei weiteren 5 Produkten waren die Ketten ungeschützt und konnten zudem während des Gebrauchs brechen. Auch dies könnte zu schweren Verletzungen führen.

Mindestens 7 der beanstandeten Produkte wurden online verkauft, bei den übrigen war dies aus den Behördenmeldungen nicht zu entnehmen. Warum nur 7 der Produkte mit einem Produktrückruf belegt wurden, die anderen aber nicht, erschließt sich trotz der identischen Beschreibungen der Gefahren nicht so ganz

Abb. 4: Gefährliche Aufsätze für Bürstenschneider

Quelle: Europäische Kommission, https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10010440?lang=de, Datum: 3.11.2023, Sprache: Deutsch

Gefährliche Tattoo-Tinte aus Spanien

Im Bereich der chemischen Produkte wurden neben elektronischen Zigaretten, Klebern und Autoscheibenwischwasser 4 Tattoo-Tinten aus Spanien beanstandet. Die Produkte wiesen übermäßige Konzentrationen von Benzo[a]pyren (gemessene Werte: 57 ppb bzw 80 ppb), Blei (gemessener Wert bis zu: 0.00015 Gew.-%), Iodopropynylbutylcarbamat (IPBC) (gemessener Wert bis: 600 mg/kg) und Benzisothiazolinon (BIT) (gemessener Wert bis zu 21,50 mg/kg) auf.

Benzo[a]pyren ist ein polyzyklisch-aromatischer Kohlenwasserstoff (PAK), der Krebs verursachen kann und auch mutagen und reproduktionstoxisch ist. Blei ist schädlich für die menschliche Gesundheit, sammelt sich im Körper an, kann eine neurotoxische Entwicklung verursachen (nur wenn die Exposition gegenüber Kindern erwartet wird) und kann sich auf gestillte oder ungeborene Kinder auswirken. IPBC kann eine allergische Hautreaktion verursachen. Bit verursacht Hautreizungen und kann eine allergische Hautreaktion verursachen.

Die 4 Tattoo-Tinten verstießen gegen die REACH-Verordnung und müssen von den verantwortlichen Importeuren und Distributoren vom Markt zurückgenommen werden.

Abb. 5: Beanstandete Tattoo-Tinte aus Spanien

Quelle: Europäische Kommission, https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10010505?lang=de, Datum: 3.11.2023, Sprache: Deutsch

Was tun Sie, um die Gefahren Ihrer Produkte zu vermeiden und die rechtlichen Vorschriften einzuhalten?

Führen Sie in Ihrem Sortiment auch Kosmetika, Spielzeuge, Elektroprodukte, chemische Produkte oder Maschinenbauteile?

Wie sicher sind Sie, alle chemischen Gefahren Ihrer Produkte abgedeckt zu haben?

Haben Sie von Ihren Lieferanten aussagefähige Tests und Dokumente bzgl. der chemischen und elektrischen Bestandteile Ihrer Produkte?

Führen Sie in den Fabriken Ihrer Lieferanten Inspektionen oder Audits durch, um sicherzustellen, dass die Produkte den vereinbarten Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen entsprechen?

Sollten Sie hier Handlungsbedarf erkennen, so helfen wir Ihnen gerne, mögliche Risiken zu erkennen und unangenehme Extrakosten durch gefährliche Produkte zu vermeiden.
Wir helfen Ihnen beim Aufbau eines geeigneten Risikomanagements und unterstützen Sie im Verlauf der Konformitätsbewertung. Dies umfasst unter anderem die technische Dokumentation, die Risikoanalyse und die EU-Konformitätserklärung.

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Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Er hat bei führenden internationalen Unternehmen wie Pepsi-Cola, Sony und Nokia gearbeitet und erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen übernommen. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die Produkte mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete.

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