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Rapex-Report 2025

Inhaltsverzeichnis

Über 1.400 Produktrückrufe in 2025 – Meldungen zu gefährlichen Nonfood-Konsumgütern steigen weiter

Das Safety Gate der Europäischen Union – früher unter dem Namen Rapex-System bekannt – fungiert als zentrale Plattform zum Austausch von Informationen über gefährliche Produkte. Über dieses System halten sich die Marktüberwachungsbehörden der EU-Mitgliedsstaaten gegenseitig über Waren auf dem Laufenden, die potenzielle Risiken bergen.

Wird ein Produkt in einem Mitgliedsstaat als gefährlich eingestuft, erfolgt in vielen Fällen auch in anderen Ländern eine Entfernung vom Markt. Die europäischen Behörden haben die Möglichkeit, Artikel, die nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und als riskant bewertet werden, bereits an der Grenze zurückzuhalten, aus dem Verkauf zu nehmen oder – falls nötig – sogar von Endverbrauchern zurückrufen zu lassen.

Wie viele Rapex-Meldungen gab es in den letzten vier Jahren?

Wir haben die Daten der letzten vier Jahre ausgewertet und kommen zu sehr interessanten Ergebnissen:

Im Jahr 2025 erfolgten insgesamt 4.702 Warnmeldungen im Safety Gate. Dies sind noch einmal 13 % mehr Meldungen als im Vorjahr, das mit 4.152 Meldungen schon ein all-time high war.

Abbildung 1: Meldungen gefährlicher Produkte im Safety Gate 2022 – 2025

Quelle: eigene Darstellung, Graphik auf Basis: https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/search

Pro Woche wurden demnach im Jahr 2025 im Durchschnitt 90 Meldungen im Safety Gate eingestellt. In 2024 waren diese erst 80 Meldungen pro Woche.

Wie viele Rückrufe wurden von den Behörden ausgesprochen?

Von den 4.702 beanstandeten Produkten wurden 1.432 mit einem Produktrückruf belegt. Die Steigerung der zurückgerufenen Produkte gegenüber dem Vorjahr betrug noch einmal 14%.

Fast jedes dritte betroffene Produkt musste also zurückgerufen werden – und das bedeutet weit mehr als ein bloßes Verkaufsverbot. Hersteller, Importeure und Händler stehen vor der enormen Aufgabe, die Verbraucher umfassend zu informieren, die Produkte aufwendig zurückzuholen und sie entweder zu ersetzen oder zu reparieren. Zum Teil dürfen diese Produkte auch gar nicht repariert, sondern müssen auf eigene Kosten vernichtet werden.

Derartige Rückrufe bringen nicht nur einen hohen organisatorischen Aufwand mit sich, sondern verursachen oft auch erhebliche finanzielle Belastungen.

Wie viele gefährliche Produkte wurden online verkauft?

Dass die Marktüberwachungsbehörden immer stärker auch den Online-Handel überwachen, zeigt sich in der Tatsache, dass 25% der beanstandeten Produkte online verkauft wurden. Im Jahre 2024 waren dies erst 20 %

Welche Produktgruppen waren besonders betroffen?

Schaut man sich die betroffenen Produktgruppen an, so stammten im Jahr 2025 die meisten gemeldeten Produkte aus dem Bereich Kosmetika. Mit fast 1.700 gemeldeten Produkten wurden demnach fast jeden Monat 142 verschiedene Kosmetika mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen belegt. 

Mehr als 700 Meldungen betrafen die Produktkategorie Spielzeuge. Elektrische Produkte incl. Beleuchtung und Lichterketten wurden 685 mal als gefährlich eingestuft. Das Wachstum gegenüber dem Vorjahr lag damit bei Kosmetika bei 13 %, bei Spielzeugen sogar bei 19 % und bei elektrischen Produkten bei 17 %.

Abbildung 2: Gefährliche Produkte nach Produktgruppen im Jahr 2025

Quelle: eigene Darstellung, Graphik auf Basis: https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/search

Die Anzahl der bemängelten Kleidungsstücke und Babyartikel nahm gegenüber dem Vorjahr leicht ab, steigende Zahlen sind bei Maschinen und vor allem bei Sport- und Freizeitartikeln festzustellen. 

Welche Gefahren bergen die gefährlichen Produkte?

An erster Stelle der Gefahren standen auch im Jahr 2025 Chemikalien. Mit fast 2.500 Meldungen sind chemische Risiken für 52% der beanstandeten und verbotenen Produkte verantwortlich. Neben den fast 1.700 Kosmetika, deren Hauptrisiken chemischen Ursprungs waren (über 86% der Kosmetika enthielten das in kosmetischen Produkten verbotene BMHCA) waren hiervon auch Babyartikel, Bekleidung, Schmuck, Spielzeuge und Sport- und Freizeitartikel betroffen.

Insgesamt verstießen 442 Produkte, also 9,4 % gegen die REACH-Verordnung.

Abbildung 3: Gefahren durch kritische Produkte im Jahr 2025

Quelle: eigene Darstellung, Graphik auf Basis: https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/search

737 oder 15,6% der beanstandeten Produkte bargen das Risiko von Verbrennungen, Schnittwunden, Seh- oder Gehörschäden sowie verschiedensten weiteren Verletzungen. 473 Produkte konnten zu Erstickungen oder Strangulation führen, 679 Produkte elektrische Schläge und/oder Feuer auslösen.

Von den 249 Produkten, die eine Gefahr für die Umwelt darstellten, verstießen 213 gegen die RoHS-Richtlinie. 85,5 % der Produkte wurden aus diesem Grund mit Rücknahmen aus dem Handel und Verkaufsverboten belegt. 13 Produkte mussten sogar von den Endverbrauchern zurückgerufen werden. Dies ist ein erneutes Zeichen dafür, dass die Behörden bei Elektroprodukten immer stärker auf die Einhaltung der definierten Grenzwerte achten und diese überprüfen.

Wo kommen die gefährlichen Produkte her?

Wie auch in den vergangenen Jahren stammten die mit Abstand meisten beanstandeten Produkte aus der Volksrepublik China. 2.021 Produkte oder 43% wurden aus diesem Land importiert. Bei weiteren 529 gefährlichen Produkten war das Ursprungsland nicht bekannt.

Abbildung 4: Herkunftsländer der gefährlichen Produkte im Jahr 2025

Quelle: eigene Darstellung, Graphik auf Basis: https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/search

Betrachtet man nur die 1.500 beanstandeten Spielzeuge, Elektro- und Babyartikel so stammten sogar 83 % aus der Volksrepublik China. Bei weiteren 8 % konnte das Herkunftsland nicht ermittelt werden. 

Italien lag auch in 2025 an zweiter Stelle der beanstandeten Produkte, da eine Vielzahl der gefährlichen Kosmetika aus Italien stammte. Diese Produktkategorie wurde auch in 2025 vor allem von den italienischen und den ungarischen Marktaufsichtsbehörden intensiv überprüft.

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Welche Länder melden die meisten gefährlichen Produkte?

Wie schon im Vorjahr kamen die meisten Meldungen in 2025 aus Italien, wo extrem viele Kosmetika geprüft und beanstandet wurden. Während Italien in 2022 noch relativ wenige Meldungen abgegeben hat, erhöhen sich seit drei Jahren die Meldungen über gefährliche Kosmetika kontinuierlich und erreichten in 2025 fast 1.200.

Abbildung 5: Rapex-Meldung der einzelnen Mitgliedsländer 2022 – 2025

Quelle: eigene Darstellung, Graphik auf Basis: https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/search

Viele Meldungen kamen zudem aus Deutschland (478), Frankreich (461), Schweden (386), Tschechien (360) und Ungarn (321). Diese Länder bewegen sich seit mehreren Jahren auf einem ähnlichen Niveau, was darauf schließen lässt, dass hier klare Strukturen und Prozesse etabliert sind. 

Warum kommen Meldungen aus dem Vereinigten Königreich in das Safety Gate der EU?

Interessant ist, dass in 2025 jetzt auch wieder das Vereinigte Königreich als meldendes Land auftaucht und zwar mit dem Hinweis „bezogen auf Nordirland“. Der Grund ist folgender: 

Nordirland hat durch das Nordirland-Protokoll eine Sonderstellung nach dem Brexit. Dort gelten weiterhin viele EU-Produkt- und Sicherheitsstandards, obwohl es Teil des Vereinigten Königreichs ist. Deshalb tauchen im EU-Safety Gate Meldungen aus dem UK mit dem Hinweis „in Bezug auf Nordirland“ auf, um Produkte zu kennzeichnen, die nach EU-Recht nur in Nordirland relevant sind. 

Produkte können also in Nordirland zurückgerufen oder vom Markt genommen werden, selbst wenn sie im übrigen Großbritannien unproblematisch sind. Nach 0 Meldungen in 2024 wurden in 2025 insgesamt 418 gefährliche Produkte aus Nordirland gemeldet – eine Zahl, die für das kleine Land beträchtlich ist. 

Wie aktiv sind die Mitgliedsländer bei der Marktüberwachung?

Auf den ersten Blick ist es naheliegend, dass bevölkerungsreiche Länder wie Deutschland, Frankreich oder Polen in absoluten Zahlen mehr gefährliche Produkte melden als kleinere Länder wie Lettland, Luxemburg oder Zypern. Doch wie sieht das Bild aus, wenn man die Bevölkerungsgröße berücksichtigt und die Anzahl der Meldungen auf 1 Million Einwohner umrechnet? Diese Perspektive offenbart äußerst interessante Erkenntnisse:

Abbildung 6: Meldung gefährlicher Produkte pro 1 Mio. Einwohner 2024 und 2025 (Mittelwerte gestrichelt)

Quelle: eigene Darstellung, Graphik auf Basis: https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/search

Im Durchschnitt haben die europäischen Mitgliedsländer im Jahr 2025 insgesamt ca. 10,3 Produkte pro 1 Mio. Einwohner als gefährlich gemeldet (Basis: Bevölkerungszahl pro Mitgliedland am 1.1.2020 lt. Eurostat – in der Abb. 6 gekennzeichnet durch die blaue gestrichelte Linie). Dies sind ca. 1,2 Produkte mehr als im Jahre 2024, als der Durchschnittswert 9,1 betrug (rote gestrichelte Linie). 

Deutschland liegt mit einem Faktor von 5,7 etwas unter diesem Durchschnittswert. Spitzenreiter in dieser Betrachtung ist nun Nordirland mit einem Wert von 220. Überaus aktiv sind – gemessen an Ihrer Einwohnerzahl – auch Malta mit 71,9 Meldungen pro 1 Mio. Einwohnern, Luxemburg (49,5), Zypern (43,9), Schweden (37,4), Tschechien (33,2) und Ungarn (32,9). 

Zwar hat Spanien mit 66 Meldungen den Wert des Vorjahres verdreifacht, meldet aber im Vergleich zu seiner Einwohnerzahl sehr wenige gefährliche Produkte (Wert: 1,4). Ebenfalls extrem niedrige Werte weisen Bulgarien (1,7), die Niederlande (1,9) und Portugal (2,4) auf. Schlusslicht in dieser Kategorie ist aber Griechenland, das in 2025 nicht ein einziges gefährliches Produkt gemeldet hat. 

Diese Analyse macht deutlich, dass vor allem viele kleinere Länder, bezogen auf ihre Einwohnerzahl, eine bemerkenswerte Aktivität im Bereich der Marktüberwachung zeigen. Gleichzeitig wirft es Fragen auf, warum in einigen größeren Ländern offenbar kaum Prüfungen stattfinden. 

Geht man davon aus, dass auf den Märkten in Spanien, Griechenland, Bulgarien oder Portugal ähnlich unsichere Produkte wie in anderen EU-Ländern angeboten werden, erscheint es schwer nachvollziehbar, dass in diesen Ländern kaum gefährliche Produkte identifiziert und im Safety Gate gemeldet werden.

Welche Bedeutung haben diese Ergebnisse für Unternehmen?

Der deutliche Anstieg an gefährlichen Produkten, die über das Safety Gate an alle Mitgliedstaaten gemeldet werden, zeigt eindrücklich, dass die Marktüberwachungsbehörden ihre Kontrollen offenbar weiter verschärft haben.

Gleichzeitig macht die gezielte Überwachung bestimmter Produktkategorien in einzelnen Ländern deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten immer enger wird – ein Schritt, der für Unternehmen ernstzunehmende Konsequenzen hat.

Die Wahrscheinlichkeit, dass nicht-konforme Produkte entdeckt und mit Verkaufsverboten oder Rückrufen belegt werden, ist im Vergleich zum Vorjahr spürbar gestiegen. Für Unternehmen bedeutet das ein erheblich erhöhtes Risiko finanzieller Schäden. 

Untersuchungen der Allianz zeigen: Rückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen können schnell 650.000 bis 1.000.000 € kosten. Selbst Importverbote mittelgroßer Lieferungen schlagen schnell mit 50.000 bis 100.000 € zu Buche – und das noch ohne die zusätzlichen Kosten durch Vertragsstrafen oder den kaum wieder gut zu machenden Imageverlust.

Welche Konsequenzen sollten Unternehmen aus den Ergebnissen ziehen?

Die aktuellen Entwicklungen im Safety Gate zeigen deutlich: Unternehmen müssen Produkt-Compliance, stichprobenartige Tests und eine lückenlose Dokumentation noch stärker priorisieren, um hohe finanzielle Schäden zu vermeiden. 

Seit Dezember 2024 verlangt die neue Produktsicherheitsverordnung interne Risikoanalysen und vollständige technische Dokumentationen auch für bisher nicht explizit regulierte Produktbereiche.

Ab August: Neue Anforderungen für Verpackungen

Ab August 2026 tritt zudem die neue EU-Verpackungsverordnung in Kraft. Ab diesem Datum müssen für Verpackungen eigenständige Konformitätserklärungen erstellt werden. Für die Marktüberwachungsbehörden bietet dies ein relativ einfaches Einfallstor, um die Einhaltung der Vorschriften zu prüfen – Unternehmen sollten sich frühzeitig damit beschäftigen. 

Entscheidend ist dabei die enge Zusammenarbeit mit Verpackungs- und Produktlieferanten. Nach unserer Erfahrung sind jedoch nur wenige Unternehmen derzeit ausreichend vorbereitet, sodass hier erheblicher Handlungsbedarf besteht.

Unsere Empfehlung:

Wir unterstützen unsere Kunden beim Aufbau eines effektiven Risikomanagements und begleiten sie während der gesamten Konformitätsbewertung. Dazu gehören:

  • Ermittlung produktspezifischer Anforderungen
  • Erstellung und Pflege der technischen Dokumentation
  • Durchführung von Risikoanalysen
  • Konzeption vollständiger und aktueller EU-Konformitätserklärungen

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Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management.

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