Rapex Report am Donnerstag: Erstaunlich wenig Warnmeldungen, Osteuropa und Skandinavien am aktivsten

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Rapex Report am Donnerstag: Erstaunlich wenig Warnmeldungen, Osteuropa und Skandinavien am aktivsten


In der KW 44 erschienen lediglich 16 Warnmeldungen auf dem Safety Gate der Europäischen Union (ehemals Rapex).

 

„Frozen“-Reflektoren bieten nicht ausreichend Schutz

In Finnland wurden aus Estland stammende Reflektor-Aufkleber im „Frozen“-Design vom Markt zurückgenommen. Grund hierfür war ein Verletzungsrisiko. Einige der Aufkleber in der Packung waren zu klein und hatten keine ausreichend reflektierende Oberfläche. Ein Benutzer dieser Aufkleber wäre in Situationen, in denen eine hohe Sichtbarkeit erforderlich ist, nicht ausreichend sichtbar und könnte dadurch Verletzungen erleiden. Das Produkt entsprach weder der Verordnung über persönliche Schutzausrüstungen noch der europäischen Norm EN 13356.
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Abb. 1: „Frozen“-Reflektoren schützen nicht vor Dunkelheit
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006954?lang=en, Datum: 09.11.2022, Sprache: Englisch

Freizeitboot mit erhöhtem Risiko des Ertrinkens

Ebenfalls durch die finnischen Marktaufsichtsbehörden beanstandet wurde ein Freizeitboot aus nationaler Herstellung. Der Verkauf des Produkts wurde aufgrund des Risikos des Ertrinkens eingestellt. Das Boot hatte nicht genügend Auftrieb, um bei Überflutung mit Wasser zu schwimmen. Das Boot könnte sinken, wodurch sich das Risiko des Ertrinkens für die Benutzer erhöht. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie für Sportboote und Wassermotorräder.

Parfüms aus Arabien weisen gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe auf

In Schweden wurde die Einfuhr fünf verschiedener Parfüms an der Grenze abgelehnt. Eines der Produkte stammte aus Saudi-Arabien, die anderen Parfüms kamen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Alle fünf Produkte wiesen ein chemisches Risiko auf. Eines der Produkte enthielt laut der Liste der Inhaltsstoffe Hydroxyisohexyl-3-cyclohexencarboxaldehyd (HICC oder Lyral), dessen Verwendung in kosmetischen Mitteln verboten ist. HICC ist ein Hautsensibilisator und kann allergische Reaktionen oder Kontaktdermatitis auslösen. Die anderen vier Produkte enthielten hingegen Butylphenylmethylpropional (BMHCA), welches in kosmetischen Mitteln verboten ist. BMHCA kann das Fortpflanzungssystem schädigen, die Gesundheit des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und eine Sensibilisierung der Haut verursachen. Alle fünf Parfüms entsprachen nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.

Steckdosenleiste kann Feuer fangen

Polnische Marktaufsichtsbehörden ordneten für eine Steckdosenleiste aus China die Rücknahme vom Markt, die Zerstörung des Produkts und die Warnung der Verbraucher vor den Risiken an. Grund hierfür war das Risiko eines elektrischen Schlags sowie Feuers. Die Erdungsstifte waren lose und nicht mit dem Schutzdraht verbunden, so dass das Produkt keinen Schutz vor Stromschlägen bot. Außerdem überhitzte das Produkt, wodurch sich die Brandgefahr erhöhte. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie.

Rasselspielzeug mit Erstickungsrisiko

Außerdem ordneten die polnischen Marktaufsichtsbehörden für ein Rasselspielzeug die Rücknahme des Produkts vom Markt und die Warnung der Verbraucher vor den Risiken an. Denn das Produkt barg für kleine Kinder ein Erstickungsrisiko. Das in China hergestellte Spielzeug hatte abstehende Teile (Beine des Elefanten). Ein Kind könnte diese in den Mund nehmen, was die Atemwege blockieren und zum Ersticken führen könnte. Das Produkt entsprach somit weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1.
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Abb. 2: Rassel-Elefant mit Erstickungsrisiko
Quelle: Europäische Kommission,
Datum: 09.11.2022, Sprache: Englisch

Spielzeugpistole birgt zahlreiche Risiken für Nutzer

Ungarn lehnte die Einfuhr einer Spielzeugpistole an der Grenze ab. Das aus China stammende Produkt barg ein Erstickungs- und Verletzungsrisiko und entsprach weder den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie, noch der REACH-Verordnung oder der europäischen Norm EN 71-1. Die Saugnäpfe der Geschosse ließen sich leicht abnehmen. Ein Kind könnte sie in den Mund nehmen und daran ersticken. Zudem war die kinetische Energie der Projektile zu hoch, was zu Verletzungen führen kann, insbesondere an den Augen. Außerdem enthielten die Saugnäpfe eine überhöhte Konzentration von Dibutylphthalat (DBP) (gemessen bis zu 6,2 Gewichtsprozent). Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise zu einer Schädigung des Fortpflanzungssystems führen.
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Abb. 3: Spielzeugpistole verstößt gegen zahlreiche Regeln der Product Compliance
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10007052?lang=en, Datum: 09.11.2022, Sprache: Englisch

Ohrringe mit zu viel Cadmium und Nickel

Schließlich wurden zwei verschiedene Paar Ohrringe aus China in der Slowakei vom Markt zurückgenommen, von den Endverbrauchern zurückgerufen und die Verbraucher mussten vor den Risiken gewarnt werden. Beide Produkte enthielten eine überhöhte Konzentration von Cadmium. Dieses ist schädlich für die menschliche Gesundheit, da es sich im Körper anreichert, die Nieren und Knochen schädigen und Krebs verursachen kann. Zudem war die Freisetzungsrate von Nickel zu hoch. Nickel ist ein starker Sensibilisator und verursacht allergische Reaktionen, wenn es in Artikeln enthalten ist, die direkt und über längere Zeit mit der Haut in Kontakt kommen. Das Produkt entsprach insofern nicht den Anforderungen der REACH-Verordnung.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht.

Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.