Rapex-Report am Donnerstag: Chemikalien, die ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben können, fanden sich in der KW 26 in auffallend vielen Kosmetika

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Rapex-Report am Donnerstag: Chemikalien, die ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben können, fanden sich in der KW 26 in auffallend vielen Kosmetika


n der vergangenen Woche erschienen insgesamt 34 Warnmeldungen auf dem Safety Gate der EU. Unter den beanstandeten Produkten fanden sich vor allem Kosmetika und andere Artikel, die aufgrund eines chemischen Risikos zurückgerufen oder vom Markt genommen wurden.

In Deutschland wurde ein in Indien hergestelltes Haarfärbemittel auf behördliche Anordnung hin zerstört. Laut Liste der Inhaltsstoffe enthielt das Produkt Bariumperoxid, das in Kosmetika verboten ist und Barium freisetzt. Letzteres wurde im Produkt gefunden (Messwert: 13,6%). Barium kann leicht aufgenommen werden und hat toxische Auswirkungen auf den Körper, indem es die Muskel-, Herz- und Nierentätigkeit beeinträchtigt und zu Herzrhythmusstörungen, Lähmungen oder Magen-Darm-Veränderungen führt. Darüber hinaus enthält das Produkt p-Aminophenol und p-Phenylendiamin (PPD) (Messwerte: 2,9% bzw. 0,1%) mit einem unzureichenden Kopplungsmittel. Ungekoppeltes p-Aminopohenol und PPD sind extrem hautsensibilisierend und können allergische Kontaktdermatitis auslösen. Das Produkt entsprach nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.

Die litauischen Marktaufsichtsbehörden ordneten die Rücknahme vom Markt für eine kosmetische Gesichtsmaske aus Korea an, da auch dieses nicht der Verordnung über kosmetische Mittel entsprach. Laut der Liste der Inhaltsstoffe enthält das Produkt Butylphenylmethylpropional (BMHCA), das in kosmetischen Mitteln verboten ist. BHMCA kann das Fortpflanzungssystem schädigen, die Gesundheit des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und eine Sensibilisierung der Haut verursachen.

Auch eine in Spanien hergestellte Körpercreme barg ein chemisches Risiko. Laut Liste der Inhaltsstoffe enthielt das Produkt eine Mischung aus den Konservierungsstoffen Methylchlorisothiazolinon und Methylisothiazolinon (MCI und MI), die in Kosmetika zum Auftragen verboten sind. Der Hautkontakt mit MCI und MI kann bei empfindlichen Personen eine allergische Kontaktdermatitis hervorrufen. Auch dieses Produkt entsprach nicht der Verordnung über kosmetische Mittel. Infolgedessen nahmen die Marktaufsichtsbehörden in Tschechien das Produkt vom Markt.

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Abb. 1: Körpercreme mit gefährlichen Chemikalien
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006366, Datum: 06.07.2022, Sprache: Englisch
Für ein Handdesinfektionsmittel ordneten die französischen Marktüberwachungsbehörden die Rücknahme vom Markt, den Rückruf vom Endkonsumenten sowie die Zerstörung des Produkts an. Das aus Frankreich stammende Produkt enthielt Ethanol, aber es fehlten die entsprechenden Warn- und Vorsichtshinweise. Die Benutzer hätten daher keine Informationen über den sicheren Gebrauch und die Gefahren des Produkts. Außerdem fehlten kindersichere Verschlüsse oder ein taktiler Gefahrenhinweis auf dem Produkt. Im Falle einer Exposition könnte der Benutzer schwere Verätzungen der Haut oder ernsthafte Schäden an den Augen erleiden. Das Produkt entsprach weder der Biozidprodukte-Verordnung noch der Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen (CLP).

Auch zwei aus China stammende rutschfeste Badematten wurden auf Anordnung der luxemburgischen Behörden hin vom Markt zurückgenommen. Beide Produkte enthielten eine übermäßige Konzentration von Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) (Messwerte bis zu 34 %). Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise zu einer Schädigung ihres Fortpflanzungssystems führen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung.

Außerdem sprachen die luxemburgischen Marktaufsichtsbehörden ein Verbot der Bereitstellung auf dem Markt für eine in Japan hergestellte elektrische Zahnbürste aus. Grund hierfür war ein Umweltrisiko. Das im Produkt enthaltene Lot wies eine zu hohe Bleikonzentration auf (Messwert bis zu 55 Gewichtsprozent). Blei stellt eine Gefahr für die Umwelt dar. Der Artikel entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS 2-Richtlinie).

Neben all diesen Produkten, die Risiken aufgrund von Chemikalien aufwiesen, gab es vereinzelt auch gefährliche Produkte mit Risiken andere Art.

So riefen die Marktaufsichtsbehörden in Norwegen einen Kinder-Schlafsack aus China zurück, weil er weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 16781 entsprach. Die Halsöffnung des Fußsacks war im Verhältnis zur Größe/zum Alter des Kindes zu groß. Dies kann das Risiko erhöhen, dass das Baby in den Schlafsack hineinrutscht, wodurch Mund und Nase bedeckt werden und es zum Ersticken kommen kann.
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Abb. 2: Erstickungsgefahr bergender Schlafsack
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006283, Datum: 06.07.2022, Sprache: Englisch
Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht.

Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.