Spielzeug mit gefährlichen Folgen für Kinder. Leitern, die keinen sicheren Halt bieten. – Was die KW 23 an gefährlichen Bedarfsgegenständen mit sich brachte

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Spielzeug mit gefährlichen Folgen für Kinder. Leitern, die keinen sicheren Halt bieten. – Was die KW 23 an gefährlichen Bedarfsgegenständen mit sich brachte


Vergangene Woche erschienen insgesamt 34 Warnmeldungen auf dem Safety Gate, dem Schnellwarnsystem der Europäischen Union bezüglich gefährlicher Non-Food-Konsumgüter.
Unter den als gefährlich eingestuften Produkten fanden sich wieder einmal vornehmlich Spielzeuge, aber auch für zahlreiche andere Bedarfsgegenstände wurden Verkaufsverbote, Produktrückrufe und Importverbote erteilt.

Für gleich drei verschiedene Spielzeugschleim-Artikel aus China wurden in Polen Maßnahmen aufgrund eines chemischen Risikos ergriffen. Die Migration von Bor aus dem Spielzeug war zu hoch (Messwert bis zu 2499,15 mg/kg). Das Verschlucken oder der Kontakt mit einer zu großen Menge Bor kann die Gesundheit von Kindern durch Schädigung ihres Fortpflanzungssystems beeinträchtigen. Die Produkte entsprachen somit weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-3. Infolgedessen ordneten die polnischen Marktaufsichtsbehörden ein Verkaufsverbot, einen Produktrückruf, die Zerstörung des Produkts und die Warnung der Verbraucher vor den Risiken an.

 
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Abb. 1: Vermeintlich unbedenklicher Spielzeugschleim
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006245, Datum: 16.06.2022, Sprache: Englisch

Auch eine in China hergestellte Spielzeugpuppe wurde in Polen aufgrund darin enthaltener gefährlicher Chemikalien vom Markt genommen und musste zerstört werden. Das Spielzeug enthielt Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) (Messwert bis zu 19,6 Gew.-%). Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise zu einer Schädigung des Fortpflanzungssystems führen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung.

Ein dehnbarer Spielzeug-Hundertfüßler der Marke TEDi, in den Niederlanden hergestellt, wurde von den österreichischen Marktaufsichtsbehörden wegen eines Erstickungsrisikos vom Markt genommen. Auch wurde das Anbringen geeigneter Warnhinweise über Risiken am Produkt durch die Behörden angeordnet. Kleinteile (die Augen) konnten sich leicht vom Spielzeug lösen. Ein kleines Kind könnte sie in den Mund nehmen und daran ersticken. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1.

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Abb. 2: Dehnbares Spielzeug mit verschluckbaren Kleinteilen
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006203, Datum: 16.06.2022, Sprache: Englisch
In Tschechien wurde für ein Spielzeugbügeleisen aufgrund eines Umweltrisikos ein Verkaufsverbot erteilt. Das in China hergestellte Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS 2-Richtlinie), denn das Lot enthielt eine übermäßige Menge an Blei (gemessener Wert bis zu 65,5 Gewichtsprozent). Blei stellt eine Gefahr für die Umwelt dar.

Eine Winterjacke für Kinder barg ein Verletzungsrisiko, wie die rumänischen Marktüberwachungsbehörden feststellten. Das aus China stammende Produkt verfügte über Kordelzüge in der Taille und auf dem Rücken. Diese könnten sich bei verschiedenen Aktivitäten des Kindes verfangen, was zu Strangulationen oder anderen Verletzungen des Kindes führen könnte. Das Produkt entsprach somit weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 14682 und wurde infolgedessen vom Markt genommen.

In Deutschland wurden zwei verschiedene Ohrring-Artikel aus der Türkei vom Markt zurückgenommen. Die Ohrringe gaben eine übermäßige Menge Nickel ab (Messwerte: bis zu 14,61 µg/cm²/Woche) und enthielten eine übermäßige Menge Blei (Messwerte: bis zu 64,6 %). Nickel ist stark sensibilisierend und kann bei Hautkontakt zu allergischen Reaktionen führen. Blei ist schädlich für die menschliche Gesundheit, reichert sich im Körper an, kann Entwicklungsneurotoxizität verursachen und auch gestillte oder ungeborene Kinder beeinträchtigen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung.

Die belgischen Marktaufsichtsbehörden verhängten einen Produktrückruf für eine Teleskopleiter, mit der ein Verletzungsrisiko einherging. Der horizontale Abstand zwischen der obersten Sprosse der Leiter und einer Wand war geringer als der vorgeschriebene Mindestabstand. Beim Besteigen der obersten Sprosse der Leiter könnte der Benutzer das Gleichgewicht verlieren und aus großer Höhe stürzen, was zu Verletzungen führen kann. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN131-6.
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Abb. 3: zu Verletzungen führende Teleskopleiter
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006248, Datum: 16.06.2022, Sprache: Englisch
Darüber hinaus wurde auch für eine Schienenlampe in Schweden aufgrund eines Stromschlag-Risikos ein Verkaufsverbot erteilt. Das Endstück der Stromschiene war nicht ordnungsgemäß verankert, so dass stromführende Teile leicht zugänglich waren. Außerdem wurde der Kontaktdruck durch Isoliermaterial in den internen Verbindungen (Phase und Schutzleiter) der Leuchte übertragen. Das Produkt war also unsachgemäß konstruiert und bot keinen ausreichenden Schutz gegen einen Stromschlag. Schließlich war die Schraubverbindung der Schutzerde nicht ausreichend gegen Lösen gesichert, so dass das Produkt unter Spannung stehen könnte. Der Benutzer könnte infolgedessen stromführende Teile berühren und einen elektrischen Schlag erleiden. Das in den Niederlanden hergestellte Produkt erfüllte aus all diesen Gründen weder die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch die der europäischen Normen EN 60598-1 und EN 60570.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht.

Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.