Rapex-Report am Donnerstag: Spielzeug, Elektrowaren und Kosmetik mit ernsthaften Gesundheitsrisiken: Zahlreiche Rückrufe und Verkaufsverbote für Non-Food-Konsumgüter zum Ende des Sommers 2022

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Rapex-Report am Donnerstag: Spielzeug, Elektrowaren und Kosmetik mit ernsthaften Gesundheitsrisiken: Zahlreiche Rückrufe und Verkaufsverbote für Non-Food-Konsumgüter zum Ende des Sommers 2022


Produktrückrufe und Verkaufsverbote in Woche 34

In der KW 34 gab es insgesamt 43 Warnmeldungen auf dem Safety Gate der EU. Es handelte sich dabei vor allem um Produkte, die ein chemisches Risiko bargen.

Chrom VI in Lederwaren

Zum einen wurden für Ledergürtel aus China durch die deutschen Marktaufsichtsbehörden die Zerstörung des Produkts, die Warnung der Verbraucher vor den Risiken, der Rückruf des Produkts von den Endverbrauchern und die Einstellung des Verkaufs angeordnet. Die innere Schicht des Gürtels enthielt Chrom (VI) (Messwerte: bis zu 8 mg/kg). Chrom (VI) ist bei Kontakt mit der Haut sensibilisierend und kann allergische Reaktionen hervorrufen und Krebs erzeugen. Das Produkt entsprach nicht der REACH-Verordnung.
Auch für Arbeitshandschuhe aus Österreich wurde aufgrund eines chemischen Risikos der Verkauf eingestellt. Dies initiierten die deutschen Marktaufsichtsbehörden. Denn auch dieses Produkt enthielt Chrom (VI) (Messwert: 6,2 mg/kg) und entsprach nicht der REACH-Verordnung.
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Abb. 1: Arbeitshandschuhe mit Chrom VI
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006644?lang=en,Datum: 12.09.2022, Sprache: Deutsch

Woolworth-Produkt mit gefährlichen Chemikalien

Ein Textilerfrischer der Marke Woolworth, in Deutschland hergestellt, entsprach weder der REACH-Verordnung noch der Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung (CLP). Laut Liste der Inhaltsstoffe enthielt das Produkt 2-(4-tert-Butylbenzyl)propionaldehyd (BMHCA), das als fortpflanzungsgefährdend eingestuft ist, aber nicht mit den entsprechenden Kennzeichnungen und Warnhinweisen versehen ist. BMHCA kann das Fortpflanzungssystem schädigen, die Gesundheit des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und eine Sensibilisierung der Haut verursachen. Die deutschen Marktaufsichtsbehörden nahmen das Produkt deshalb vom Markt zurück, stellten den Verkauf ein, riefen das Produkt von den Endverbrauchern zurück, sprachen ein Verbot zur Bereitstellung des Produkts auf dem Markt aus und ordneten zudem die Zerstörung des Produkts an.
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Abb. 2: Textilerfrischer mit BMHCA
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006624?lang=en,Datum: 12.09.2022, Sprache: Deutsch

Feuer und elektrischer Schlag durch Schreibtischlampe

Eine in China hergestellte Schreibtischlampe wurde in Polen vom Markt zurückgenommen. Außerdem wurden die Verbraucher vor den Risken gewarnt. Die Querschnittsfläche der Drähte war zu dünn. Dies kann zu Überhitzung führen und einen Brand verursachen. Außerdem verliefen die Drähte durch scharfe Metallteile und könnten aufgrund des unzureichenden Schutzes des Isoliermaterials beschädigt werden. Ein Benutzer könnte durch zugängliche stromführende Teile einen elektrischen Schlag erhalten. Das Produkt erfüllte weder die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch die der europäischen Norm EN 60598-1.

Rückruf für Kinderbett aus Polen

Ein in Polen hergestelltes Kinderbett wurde in Schweden von den Endverbrauchern zurückgerufen. Eine Bettseite konnte unbeabsichtigt verrutschen. Ein Kind könnte somit aus dem Bett fallen und sich verletzen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit.

Schädliche Chemikalien enthaltende Kosmetika

Darüber hinaus gab es zahlreiche Warnhinweise über Kosmetika, die gesundheitsschädliche Chemikalien enthielten.
Die Einfuhr vier verschiedener Parfums aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde an der schwedischen Grenze abgelehnt. Laut Liste der Inhaltsstoffe enthielt das Produkt Hydroxyisohexyl-3-cyclohexencarboxaldehyd, das in Kosmetika verboten ist, da es hautsensibilisierend wirkt und allergische Reaktionen oder Kontaktdermatitis auslösen kann. Das Produkt entsprach nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.
Auch mehrere Hautcremes mit unbekanntem Ursprung beinhalteten gefährliche Chemikalien. Die Produkte enthielten Quecksilber (Messwert: 0,22 mg/kg), wie die schwedischen Behörden feststellten. Quecksilber reichert sich im Körper an und kann Nieren, Gehirn und Nervensystem schädigen. Außerdem kann es die Fortpflanzung und das ungeborene Kind beeinträchtigen. Die Produkte entsprachen nicht der Verordnung über kosmetische Mittel und die schwedischen Marktaufsichtsbehörden ordneten die Zerstörung der Produkte an.

Produktrückrufe und Verkaufsverbote in Woche 35

In der KW 35 gab es 31 Warnmeldungen auf dem Safety Gate über eine Vielfalt von Produktkategorien.
 

Produkte für Kinder mit verschiedenartigen Risiken

Mehrere Babyschaukeln aus China bargen ein Verletzungsrisiko, weshalb die Marktaufsichtsbehörden auf Zypern sie vom Markt zurücknahmen. Der seitliche Schwenkwinkel der Schaukeln war zu groß, und es gab keinen Schutz durch ein Rückhaltesystem. Das Baby kann daher von der Schaukel fallen und sich verletzen. Die Produkte entsprachen weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 16232.
Trinkflaschen für Kinder aus China wurden durch die deutschen Marktaufsichtsbehörden von den Endverbrauchern zurückgerufen. Grund hierfür war ein chemisches Risiko: Das Kunststoffmaterial der Produkte enthielt eine übermäßige Menge an Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) (gemessene Werte bis zu 33% nach Gewicht). Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise ihr Fortpflanzungssystem beeinträchtigen. Die Produkte erfüllten nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung.
Auch für ein Holzpuzzle wurde durch französische Marktaufsichtsbehörden die Rücknahme des Produkts vom Markt sowie der Rückruf von den Endverbrauchern initiiert. Kleine Teile der Puzzlestücke des aus China stammenden Produkts könnten sich leicht lösen (weiße Kunststoffknöpfe). Daher kann ein Kleinkind sie in den Mund nehmen und daran ersticken. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1.
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Abb. 3: Holzpuzzle mit verschluckbaren Kleinteilen
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006640?lang=en, Datum: 12.09.2022, Sprache: Deutsch

Nickel in Halskette

Wegen eines chemischen Risikos hingegen wurde für eine Halskette aus China der Verkauf in der Slowakei eingestellt und die Verbraucher wurden vor den Risiken gewarnt. Das Produkt setzte eine übermäßige Menge an Nickel frei (Messwert bis zu: 2,7 µg/cm2/Woche). Nickel ist ein starker Sensibilisator und verursacht allergische Reaktionen, wenn es in Artikeln enthalten ist, die direkt und über einen längeren Zeitraum mit der Haut in Kontakt kommen. Das Produkt entsprach nicht der REACH-Verordnung.

Kleber vom Markt genommen

Ein Kleber wurde in Litauen vom Markt zurückgenommen, da er eine übermäßige Konzentration an Chloroform (Messwert: 0,12 Gew.-%) enthielt. Chloroform verursacht Hautreizungen, kann beim Einatmen oder Verschlucken die Gesundheit schädigen und steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Das in China hergestellte Produkt entsprach nicht der REACH-Verordnung.
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Abb. 4: Kleber mit übermäßiger Konzentration an Chloroform
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006679?lang=en, Datum: 13.09.2022, Sprache: Deutsch

Umweltrisiko durch Verkauf von Küchenthermometer

Ebenfalls vom Markt genommen wurde ein digitales Küchenthermometer aus China. Die norwegischen Behörden sahen ein Umweltrisiko in dem Elektroprodukt. Das Metall (Lot) im Thermometer enthielt eine zu hohe Bleikonzentration (Messwert bis zu: 298 g/kg). Blei stellt eine Gefahr für die Umwelt dar. Das Produkt entsprach somit nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS 2-Richtlinie).

Sandwich-Maker mit Stromschlagrisiko

Zudem erfolgte ein Rückruf für einen Sandwich-Maker auf Zypern. Das Kunststoffgehäuse des in der Türkei hergestellten Geräts war nicht ausreichend hitzebeständig und konnte Feuer fangen und brennen, wodurch stromführende Teile freigelegt wurden. Außerdem war das Netzkabel nicht ausreichend verankert. Daher könnte der Benutzer Verbrennungen oder einen elektrischen Schlag erleiden, und das Produkt könnte einen Brand auslösen. Das Produkt erfüllte weder die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch die der europäischen Normen EN 60335-2-9 und EN 60335-1.
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Abb. 5: Verbrennungen und elektrischer Schlag durch Sandwich Maker
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006677?lang=en, Datum: 12.09.2022, Sprache: Deutsch

Produktrückrufe und Verkaufsverbote in Woche 36

In der KW 36 gab es insgesamt nur 22 Warnmeldungen auf dem Safety Gate, darunter fanden sich vor allem Produkte für Kinder.

Plastikpuppen mit übermäßiger Konzentration an Phthalaten

Gleich fünf verschiedene Plastikpuppen wurden in Ungarn und auch in Tschechien wegen gefährlicher Chemikalien vom Markt zurückgenommen und von den Endverbrauchern zurückgerufen. Alle diese in China hergestellten Puppen enthielten eine übermäßige Konzentration von Di-(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) und Dibutylphthalat (DBP) (verschiedene Werte). Diese Phthalate können die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise zu einer Schädigung des Fortpflanzungssystems führen. Die Produkte erfüllten nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung.

Über Amazon vertriebenes Schnuller-Zubehör mit Erstickungsrisiko

Ein Schnullerhalter aus China, der insbesondere über Amazon verkauft wurde, barg ein Erstickungsrisiko. Das Produkt konnte leicht zerbrechen und kleine Teile freisetzen. Ein kleines Kind kann diese in den Mund nehmen und verschlucken. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 12586. Aus diesem Grund sprachen die deutschen Marktaufsichtsbehörden ein Verbot der Bereitstellung des Produkts auf dem Markt aus und ordneten die Beendigung der Listung auf dem Online-Marktplatz an.
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Abb. 6: Schnullerhalter auf Amazon mit Erstickungsgefahr
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006665?lang=en, Datum: 12.09.2022, Sprache: Deutsch

Rückruf für Babytrage

Ebenfalls durch die deutschen Marktaufsichtsbehörden erfolgte ein Rückruf und die Rücknahme vom Markt für eine aus China stammende Babytrage. Die Babytrage sicherte das Baby nicht ausreichend vor dem Herunterfallen auf den Boden. Die Babyschale bog sich seitlich oder nach vorne und ein Baby könnte herausrutschen und tödliche Verletzungen erleiden. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 13209-2.

Holzrassel mit Erstickungsrisiko

In Österreich erfolgte die Rücknahme einer Holzrassel vom Markt, außerdem eine Warnung der Verbraucher vor den Risiken und es wurde die Zerstörung des Produkts angeordnet. Das aus Deutschland stammende Produkt barg ein Erstickungsrisiko. Die Rassel konnte leicht zerbrechen und kleine Teile freisetzen. Ein kleines Kind könnte diese in den Mund nehmen und verschlucken. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71.

Umweltrisiko durch Blei

Wegen eines Umweltrisikos wurde ein Netzkabel in Polen vom Markt zurückgenommen und die Verbraucher wurden vor den Risiken gewarnt. Das Lot des aus China stammenden Produkts enthielt eine übermäßige Menge an Blei (gemessener Wert bis zu 41,5 Gewichtsprozent). Blei stellt eine Gefahr für die Umwelt dar. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS 2-Richtlinie).
Auch ein Lebensmittelthermometer aus China wurde durch die norwegischen Behörden vom Markt zurückgenommen. Auch hier enthielt das Metall (Lot) im Thermometer eine zu hohe Konzentration an Blei (Messwert bis zu 55,2 %). Das Produkt entsprach also ebenfalls nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS-2-Richtlinie) und barg ein Risiko für die Umwelt.
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Abb. 7: Lebensmittelthermometer mit Umweltrisiko
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006440?lang=en, Datum: 12.09.2022, Sprache: Deutsch

Rückruf für Fitnesshandschuhe aus Pakistan

In Deutschland erfolgte die Rücknahme vom Markt sowie der Rückruf von den Endverbrauchern für Fitnesshandschuhe aus Pakistan. Das Produkt enthielt Chrom (VI) (Messwert bis zu 17,5 mg/kg). Chrom (VI) ist bei Kontakt mit der Haut sensibilisierend, kann allergische Reaktionen auslösen und Krebs erzeugen. Das Produkt entsprach demnach nicht der REACH-Verordnung.
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Abb. 8: Rückruf für Fitnesshandschuhe wegen Verstoßes gegen die REACH-Verordnung
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006699?lang=en, Datum: 12.09.2022, Sprache: Deutsch
Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.