Rapex-Report am Donnerstag: Toxische Nikotinkartuschen - Spielzeuge mit dramatischen Phtalat-Werten und viel zu hohen Bormigrationen

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Rapex-Report am Donnerstag: Toxische Nikotinkartuschen - Spielzeuge mit dramatischen Phtalat-Werten und viel zu hohen Bormigrationen


Auch in der letzten Woche kam es in der Europäischen Union wieder zu zahlreichen Produktrückrufen und Verkaufsverboten. Neben den wiederholt aufgefallenen Schneidewerkzeugen, die von den dänischen Behörden zurückgerufen wurden, bemängelten Behörden aus Tschechien, Österreich, der Slowakei, Polen und dem Vereinigten Königreich über 10 verschiedene Spielzeuge wegen chemikalischer oder physikalischer Gefahren.

Bei Kunststoffpuppen und Kunststoffkugeln wurden Bis (2-ethylhexyl) phthalat (DEHP)-Werte von 27,4 %, 20,7 % und 13,2 % festgestellt. Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen und das Fortpflanzungssystem möglicherweise schädigen. Die Produkte entsprachen nicht der REACH-Verordnung.

Bei zwei weiteren Spielzeugen aus China konnten sich kleine Teile leicht lösen. Ein kleines Kind könnte die Teile in den Mund bekommen und daran ersticken. Beide Produkte entsprachen nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

Bei zwei weiteren Produkten stellten die Behörden aus der Slowakei und aus Polen fest, dass die Bormigration aus dem Spielzeugschleim ist zu hoch ist. Die gemessenen Werte waren 880 mg/kg bzw. sogar 3 450 mg/kg !!. Die Aufnahme oder der Kontakt mit übermäßiger Bormenge kann die Gesundheit von Kindern schädigen, indem ihr Fortpflanzungssystem geschädigt wird. Beide Produkte entsprachen nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-3.

Zwei batteriebetriebene Produkte widersprachen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 62115. Bei beiden Produkten konnten sich die Stromkreise und die Knopfbatterien leicht vom Spielzeug lösen. Beim Verschlucken können Knopfzellen die Bildung des hochätzenden Natriumhydroxids im Körper auslösen, was zu schweren Verbrennungen und Gewebeschäden führt. Beide Produkte entsprachen nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 62115.

Die irischen Behörden verhängten zudem ein Verkaufsverbot und einen Produktrückruf für eine Nikotinkartusche aus dem Vereinigten Königreich. Das Produkt enthielt Nikotin (bis zu 20 mg/ml), das als akut toxisch eingestuft ist, aber nicht über ein Beipackzettel verfügt, das dem Verbraucher Informationen über eine sichere und korrekte Verwendung des Produkts, Kontraindikationen und schädliche Wirkungen bietet. Dem Anwender liegen auch keine Informationen vor, um Gefahren zu vermeiden, die entstehen, wenn das Produkt mit der Haut in Berührung kommt oder wenn es aufgenommen wird. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über Tabakerzeugnisse.

Darüber hinaus wurde ein Kunststoffstuhl aus der Türkei mit einem Verkaufsverbot belegt, da der Stuhl leicht brechen kann und nicht der Norm EN 1728:2012 und EN 581-2:2015/AC:2016 entsprach. Ein Lötdraht, der auch an Konsumenten verkauft wurde, enthielt Blei mit einem Messwert von 60% Gewichtsanteil. Das Produkt war nicht korrekt gekennzeichnet, um es auf gewerbliche Anwender zu beschränken. Die Exposition gegenüber Blei ist schädlich für die menschliche Gesundheit. Das Produkt entsprach nicht der REACH-Verordnung.

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen leicht Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.0000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.
 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.