Rapex-Report am Donnerstag: Zungenpiercings mit hohen Nickelanteilen – explodierende Solar-Teelichter – gefährlicher Sandwich Toaster von Clatronic

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Rapex-Report am Donnerstag: Zungenpiercings mit hohen Nickelanteilen – explodierende Solar-Teelichter – gefährlicher Sandwich Toaster von Clatronic



Am morgigen Freitag tritt die neue Marktüberwachungsverordnung in Kraft, durch die bei online verkauften Produkten auch die Marktplätze und die sogenannten Fulfillment-Dienstleister in die Verantwortung genommen werden können. Offenbar haben sich die europäischen Marktaufsichtsbehörden schon seit einiger Zeit auf ihre neuen Befugnisse und Möglichkeiten vorbereiten und prüfen deutlich mehr Produkte aus dem Online-Handel als noch vor einem halben Jahr.

Auch in der letzten Woche tauchten fast 60 neue Produkte im Safety Gate der europäischen Union auf. Das Safety Gate (früher Rapex-System) ist ein Informationsaustausch-System, mit dem sich die Marktaufsichtsbehörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte informieren. Als kritisch oder schädlich eingestufte Produkte müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen, zurückgerufen oder entsprechend verändert werden.

In verschiedenen Ländern der EU (Spanien, Norwegen Frankreich, Deutschland) wurden verschiedene Schmuckstücke untersucht und insgesamt 12 mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen belegt. Viele der Produkte wurden online, insbesondere über Rakuten und Wish verkauft.

Die Ohrringe, Halsketten und Armbänder enthielten zu hohe Mengen an Cadmium und Blei (gemessene Werte: bis zu 94 % bzw. 9,9 Gew.-%). Cadmium ist schädlich für die menschliche Gesundheit, weil es sich im Körper ansammelt, die Nieren und Knochen schädigen kann und Krebs verursachen kann. Blei ist schädlich für die menschliche Gesundheit, akkumuliert im Körper, kann Entwicklung Neurotoxizität verursachen und kann auch Auswirkungen auf gestillte oder ungeborene Kinder haben.

Die Marktaufsichtsbehörden in Deutschland sprachen für Schmuckstücke, die bei Zeemann bzw. Tedi verkauft wurden, Produktrückrufe aus, da auch hier zu hohe Mengen an Cadmium und Nickel gemessen wurden. Beide Produkte kamen aus der Volksrepublik China.

Nur online verkauft wurden 2 Zungenpiercings der Marken Big Blue und Stone Koosh Tickler, die ebenfalls zu hohe Mengen an Nickel enthielten (gemessene Werte: 1,8 bzw. 0,98 µg/cm²/Woche). Nickel ist ein starker Sensibilisator und kann allergische Reaktionen hervorrufen. Die Marktaufsichtsbehörden in Norwegen ordneten nicht nur ein Verkaufsverbot an, sondern auch eine Veröffentlichung auf der Plattform www.farligeprodukter.no an, um die Öffentlichkeit zu warnen. Alle Schmuckstücke waren nicht konform mit der REACH-Verordnung.

Die bulgarischen Marktaufsichtsbehörden haben zahlreiche Kleidungsstücke für Kinder untersucht und diese mit Verkaufsverboten belegt. Die Hosen, Kleider oder Sweatshirts der Marken Akkuzu kids wear, TNTS sports und Floppy kids hatten zu lange Kordeln oder Schnüre im Taillenbereich oder der Kapuze. Die Schnüre oder Kordeln können sich bei verschiedenen Aktivitäten der Kinder verfangen, was zu Strangulation und Verletzungen führen kann. Die Produkte, alle aus der Türkei, entsprachen nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der einschlägigen europäischen Norm EN 14682.

In Irland muss ein Importeur von Solar-Teelichtern die gekaufte Ware vom Markt zurücknehmen. Das Batterie- und Teelichtgehäuse war zu klein und die Batterie überhitzte während des Ladens. Dies kann dazu führen, dass die Batterie explodiert und kleine Teile durch die Luft fliegen kommen, was zu Verletzungen für den Benutzer führen kann. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit.

Gegen die Niederspannungsrichtlinie und die einschlägige europäische Norm EN 60598-2-20 verstießen zwei Lichterketten, die die Marktaufsichtsbehörden in China mit einem Verkaufsverbot belegt haben. Die Netzkabel der elektronischen Einheiten waren nicht richtig verankert. Folglich konnten sie sich leicht lösen, so dass stromführende Teile zugänglich waren. Darüber hinaus war die mechanische Festigkeit des Antriebsaggregats unzureichend, so dass die Benutzer einen Elektroschock erhalten konnte.


Ein ungarischer Importeur muss Sandwich-Toaster der Marke Clatronic vom Markt zurücknehmen. Auch hier war die Konstruktion bzw. Isolierung des aus China stammenden Produktes mangelhaft, so dass stromführende Teile zugänglich waren. Auch bei diesem Produkt konnte der Nutzer einen elektrischen Schock erleiden. Auch diese Sandwich-Toaster waren nicht im Einklang mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 60335.

Aufgrund der neuen Marktüberwachungsverordnung ist es ab morgen verboten, Produkte zu verkaufen, wenn es nicht einen in der EU ansässigen Hersteller, Importeur, Bevollmächtigten oder Fulfillment-Dienstleister gibt, der auch die Verantwortung für die Produktsicherheit übernimmt. Er muss sich vergewissern, dass eine EU-Konformitätserklärung erstellt wurde, eine technische Dokumentation vorliegt, die technische Dokumentation bereithalten und für 10 Jahre speichern, den Behörden Auskünfte in der jeweiligen Landesprache geben, mit diesen zusammenarbeiten und bei gefährlichen Produkten u.U. auch einen Produktrückruf einleiten und organisieren.

Liegen diese Unterlagen nicht vor, darf dieses Produkt nicht einmal beworben werden, da lt. der neuen Verordnung die Bereitstellung auf dem Markt bereits mit der Online-Ansprache der Verbraucher beginnt. Wir raten daher unseren Kunden, gerade Online-Händlern, sich diese Verordnung genau anzusehen und dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit in Zukunft eine sehr viel größere Bedeutung beizumessen, um sich vor existenzbedrohenden Bußgeldern und Sanktionen zu schützen.

Wir erwarten, dass die europäischen Marktaufsichtsbehörden dem Online-Handel in Zukunft eine absolute Priorität einräumen werden, da Ihnen die neue Marktüberwachungsverordnung hierfür das richtige Instrumentarium liefert.

 
 

Ihr Schutz gegen Verkaufsverbote & Produktrückrufe

Buchen Sie jetzt Ihren persönlichen Termin für eine kostenlose Erstberatung zu folgenden Themen: Produktsicherheit, Produktkonformität, CE-Kennzeichnung, REACH, RoHS & mehr
Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.