Rapex-Report am Donnerstag: Zahl der Produktrückrufe steigt Ende Juni stark in die Höhe – betroffen insbesondere Kinderspielzeug

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Rapex-Report am Donnerstag: Zahl der Produktrückrufe steigt Ende Juni stark in die Höhe – betroffen insbesondere Kinderspielzeug


In der letzten vollen Juni Woche des Jahres 2022 fanden sich zwar nur 22 Warnmeldungen auf dem Safety-Gate der EU, jedoch wurde bei fast allen diesen Meldungen in der Folge ein Produktrückruf durchgeführt.

Ein aus Indien stammendes Kinderkleid barg ein Verletzungs- und Strangulierungsrisiko. Dies stellten die Marktaufsichtsbehörden in Belgien fest und ordneten den Rückruf des Produkts von den Endverbrauchern an. Denn im Taillenbereich des Kleidungsstücks befanden sich lange Funktionsschnüre, die sich bei den normalen Aktivitäten der Kinder verfangen und zu Strangulationen und/oder Verletzungen führen könnten. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 14682.

 
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Abb. 1: Kinderkleid mit Strangulierungsrisiko
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006302, Datum: 28.06.2022, Sprache: Englisch
In Tschechien wurde eine Spielzeugsäge wegen eines damit einhergehenden Umweltrisikos von den Endverbrauchern zurückgerufen. Die Lötstelle des aus China stammenden Spielzeugs enthielt eine übermäßige Konzentration an Blei und Cadmium (gemessene Werte bis zu 77,2 % bzw. 0,1495 % nach Gewicht). Blei und Kadmium stellen eine Gefahr für die Umwelt dar. Das Produkt entsprach somit nicht den Anforderungen der Richtlinie der Kommission zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS-2-Richtlinie).

Ebenfalls in Tschechien wurde ein batteriebetriebener Teddybär als gefährlich für die Umwelt eingestuft. Auch hier enthielt das Lot des in China produzierten Artikels eine übermäßige Menge an Blei (gemessener Wert bis zu 65,9 Gew.-%) und Cadmium (gemessener Wert bis zu 0,0883 Gew.-%). Das Produkt stand demnach nicht mit den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (ROHS2-Richtlinie) im Einklang.

Ein Einhorn-Schlüsselanhänger, in China hergestellt, wies ein Chemikalienrisiko auf, wie die finnischen Marktüberwachungsbehörden feststellten. Das Metall des Schlüsselanhängers gab eine übermäßige Menge an Nickel ab (Messwert bis zu: 1,6 µg/cm2/Woche). Nickel ist ein starker Sensibilisator und kann allergische Reaktionen hervorrufen, wenn es in Gegenständen enthalten ist, die direkt und über längere Zeit mit der Haut in Berührung kommen. Ein Kind kann beim Spielen mit dem Schlüsselanhänger mit Nickel in Berührung kommen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung. Infolgedessen sprachen die Marktaufsichtsbehörden in Finnland ein Verbot der Bereitstellung des Produkts auf dem Markt aus.
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Abb. 2: Schlüsselanhänger, der zu Hautirritationen führen kann
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006297, Datum: 28.06.2022, Sprache: Englisch
Selbige Behörden erkannten auch bei einem Holzkohle Grillstarter der Marke „Clas Ohlson“ ein Verbrennungs- und Feuerrisiko. Der Kunststoffgriff des aus China stammenden Produkts erreichte extrem hohe Temperaturen (bis zu 175 °C) und schmolz während des Gebrauchs, was dazu führen kann, dass herunterfallende Kohle auf dem Boden schwelt, was wiederum brennbare Materialien entzünden kann. Infolgedessen kann der Benutzer Verbrennungen erleiden und das Produkt kann einen Brand verursachen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit. Folglich riefen die finnischen Behörden das Produkt von den Endverbrauchern zurück.

In den Niederlanden ordneten die Marktaufsichtsbehörden für einen Baby-Beißring die Rücknahme des Produkts vom Markt, die Warnung der Verbraucher vor den Risiken und den Rückruf des Produkts von den Endverbrauchern an. Das ebenfalls aus den Niederlanden stammende Produkt konnte leicht zerbrechen und somit kleine Teile erzeugen. Ein Kleinkind kann diese in den Mund nehmen und verschlucken. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie über die Sicherheit von Spielzeug noch der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

Ein weiterer Rückruf erfolgte in Tschechien aufgrund eines Spielzeugautos, das ein Umweltrisiko barg. Das Lot des aus China stammenden Produkts enthielt eine übermäßige Menge an Blei (gemessener Wert bis zu 63,5 Gewichtsprozent). Blei stellt eine Gefahr für die Umwelt dar. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS 2-Richtlinie).

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.