Rapex-Report am Donnerstag: Weihnachtszeit ist Rapex-Zeit – Europäische Behörden belegen 38 Spielzeuge und 19 Kleidungsstücke für Kinder mit Verkaufsverboten und Produktrückrufen

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Rapex-Report am Donnerstag: Weihnachtszeit ist Rapex-Zeit – Europäische Behörden belegen 38 Spielzeuge und 19 Kleidungsstücke für Kinder mit Verkaufsverboten und Produktrückrufen


Die europäischen Marktaufsichtsbehörden haben sich in der letzten Wochen erneut auf Produkte konzentriert, die zu Weihnachten gekauft und verschenkt werden. Zudem legten sie, auch aufgrund des stark wachsenden Online-Handels, wieder einen verstärkten Fokus auf die Verkäufe auf Online-Plattformen wie Amazon, eBay und Wish. 38 unterschiedliche Spielzeuge und 19 Kleidungsstücke für Kinder müssen von den betroffenen Herstellern, Importeuren oder Händler vom Markt genommen oder sogar zurückgerufen werden.

Bei den Spielzeugen bestanden die entdeckten Risiken vor allem aus Strangulationsgefahren, Erstickungsgefahren und chemischen Risiken. Bei vielen Produkten konnten sich Kleinteile lösen, die zu einer Blockierung der Atemwege führen konnten. Ein Magnetspielzeug enthielt sehr kleine Magnete mit einem gleichzeitig sehr hohen Magnetgehalt. Wenn ein Kind den kleinen Magnet und andere metallische Gegenstände verschluckt, könnten sie sich gegenseitig anziehen, was zu einer Darmblockierung oder Perforation führt. Das Produkt entsprach, wie zahlreiche andere auch nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und den einschlägigen europäischen Normen EN 71-1.

Seifenblasen aus China wurden von den niederländischen Marktaufsichtsbehörden aus dem Verkehr gezogen, da sie ein mikrobiologisches Risiko darstellten. Der Gehalt an mesophilen aeroben Mikroorganismen und Pseudomonas aeruginosa in der Seifenlösung war zu hoch. Es besteht die Gefahr einer Infektion, da die Lösung mit Mund, Händen und Augen in Berührung kommen kann. Das Produkt entsprach ebenfalls nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie.

In einem Kosmetikkoffer für Kinder entdeckten die finnischen Marktaufsichtsbehörden verschiedene Phtalate in viel zu hohen Konzentrationen. Der Kunststoff der rosafarbenen Schuhe für die Handcreme enthielt di (2 —Ethylhexyl) phtalat (DEHP), Dibutylphtalat (DBP) und Diisobutylphtalat (DIBP) (Messwerte bis zu 14 %, 15,7 % bzw. 12,5 % Massenanteil). Diese Phthalate können die Gesundheit von Kindern schädigen und das Fortpflanzungssystem möglicherweise schädigen. Auch in einem Polizistenkostüm fanden die Behörden übermäßige Mengen der Phtalate DIBP, DBP und DEHP (Messwerte bis zu 2,3 %, 2.3 bzw. 52 %). Beide Produkt entspricht nicht der REACH-Verordnung.
Bei Jacken, Sweatshirts, Mänteln, Badehosen, Bikinis, Badeanzügen, Kleidern und Trainingsanzügen für Kinder kritisierten die Marktaufsichtsbehörden aus Belgien und Tschechien vor Strangulierungs- und Verletzungsrisiken.

Die meisten dieser Kinderprodukte hatten zu lange Kordeln oder Schnüre. Sie könnten bei verschiedenen Aktivitäten eines Kindes eingeschlossen werden, was zu Verletzungen und/oder Strangulation führen könnte. Alle Produkte waren nicht konform mit der einschlägigen europäischen Norm EN 14682.

Neben diesen Kinderprodukten Leiter wurde eine Stehleiter beanstandet, die zu Stürzen und schweren Verletzungen führen konnte. Die Leiter aus China hatte keine ausreichende mechanische Festigkeit (Öffnungsrückhaltesystem und Scharniere) und konnte sich während der Benutzung verbiegen. Dadurch kann der Benutzer aus einer großen Höhe stürzen und sich schwere Verletzungen zuziehen. Das Produkt entsprach nicht der einschlägigen europäischen Norm EN 131 und muss vom Importeur nicht nur vom Markt genommen, sondern auch auf eigene Kosten vernichtet werden.

Auch verschiedene Adapter und ein LED-Strahler dürfen in der EU nicht mehr verkauft werden, da sie die Gefahr eines elektrischen Schlages und eines Brandes verursachen konnten und nicht den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und den einschlägigen europäischen Normen EN 62368-1 bzw. EN 60598-1 und EN 60598-2-5 entsprachen. Ebenfalls gegen die Niederspannungsrichtlinie und die einschlägigen europäischen Normen EN 60335-1 und EN 60335-2-45 verstieß eine Heißluftpistole. Ein Kurzschluss und ein elektrischer Lichtbogen konnten dazu führen, dass der Stecker explodiert, was Verbrennungen beim Benutzer verursacht und die allgemeine Brandgefahr erhöht.
 
Höchst gefährlich waren auch eine Tätowierfarbe und ein Dampfkochtopf. Die Tätowierfarbe enthielt Nickel sowie übermäßige Mengen an Arsen (Messwerte:bis zu 8,75 mg/kg bzw. 12,4 mg/kg). Nickel kann Hautreizungen verursachen, Sensibilisierung hervorrufen oder allergische Reaktionen hervorrufen. Arsen ist giftig und kann Krebs verursachen. In der Entschließung des Europarates ResAP (2008) 1 über Anforderungen und Kriterien für die Sicherheit von Tätowierungen und permanenten Schminken wird empfohlen, dass die Nickelgehalte in Tätowierfarben so niedrig wie technisch erreichbar sind und die Verunreinigungen von Arsen 2 ppm nicht überschreiten.

Beim Dampfkochtopf konnte sich aufgrund eines Versagens des Sicherheitssystems der Deckel öffnen und Deckel und Inhalt in die Luft katapultieren. Ein Nutzer kann schwerwiegende Verbrennungen oder Verletzungen erleiden. Der Kochtopf aus China entsprach nicht den Anforderungen der Druckgeräterichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 12778.

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.