Rapex-Report am Donnerstag: Verkaufsverbote für Außenleuchten, Schaukelpferde und Kindermasken - Rückruf von Gassensoren und Holzkohlegrills

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Rapex-Report am Donnerstag: Verkaufsverbote für Außenleuchten, Schaukelpferde und Kindermasken - Rückruf von Gassensoren und Holzkohlegrills



In der vergangenen Woche tauchten etwas weniger Produkte im Safety Gate der Europäischen Union auf als in den Vorwochen. Ob dies auf sicherere Produkte zurückzuführen ist oder eher auf weniger Kontrollen, lässt sich aus den veröffentlichten Warnmeldungen und Informationen nicht erkennen. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Zwar wurden in der letzten Woche nicht so viele Produkte als gefährlich eingestuft, diese verursachten aber teilweise dramatische Risiken bzw. Gefahren für die Benutzer. Und auch für die beteiligten Hersteller, Importeure oder Distributoren ergeben sich durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe große finanzielle Schäden.

Bei einem Gas-Messgerät aus China fehlte nicht nur die CE-Kennzeichnung und die Herstellerkennung, sondern auch die technische Dokumentation. Folglich erfüllte der Gassensor möglicherweise nicht die geltenden Sicherheits- und technischen Anforderungen. Eine falsche Messung der Gaskonzentrationen würde das Risiko einer Gasexplosion erhöhen und könnte zu Verbrennungen für den Anwender und weiteren Schäden führen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über Geräte und Schutzsysteme, die zur Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen bestimmt sind.

Die Bedienungsanleitung verschiedener Außenleuchten zeigte eine Isolationsklasse an, die nicht mit der Klasse des Produkts übereinstimmte (Klasse 1 Basisisolierung, die einen Erdungsschutz benötigt). Wenn das Produkt gemäß den Anweisungen installiert wird, verfügt es daher nicht über einen Erdungsschutz. Infolgedessen kann eine Person einen Teil des Produkts berühren, der unter hoher Spannung steht, und einen elektrischen Schlag erleiden. Das Produkt war nicht in Einklang mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und den einschlägigen europäischen Normen EN 60958.

Die zu ergreifenden Maßnahmen sind für den Importeur der Produkte erheblich und sehr kostspielig. Er wurde von den irischen Behörden aufgefordert, die Produkte nicht nur vom Markt zurück zu nehmen, die Produkte nachzuarbeiten und korrekte Bedienungsanleitungen zu erstellen. Der Importeur muss auch Fachkräfte zur Verfügung stellen, die bei den bereits installierten Leuchten die Installation und die Erdung überprüfen.

Einem Schaukelpferd aus Polen fehlte der erforderliche Bewegungsbegrenzer. Dies kann dazu führen, dass Kinder zu weit nach vorne oder hinten schaukeln, vom Spielzeug stürzen und sich schwere Verletzungen zuziehen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

Ebenfalls als gefährlich eingestuft wurde eine Kindermaske in Kürbisform. Die Maske war leicht entzündbar und die Flammenausbreitung war zu hoch. Wenn die Maske Feuer fängt, könnte das Kind schwere Verbrennungen erleiden. Auch dieses Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und die europäische Norm EN 71-2. Die Masken müssen vom Markt genommen werden und auf Kosten des Importeurs zerstört werden.

Dass auch Spielzeuge, die in Handarbeit erstellt wurden, große Gefahren bergen, zeigten Untersuchungen der belgischen Marktaufsichtsbehörden. Hierbei ging es um ein Set mit 2 handgemachten weichen Spielzeugen, eine in der Form eines Mädchens, das andere in Form eines kleinen Bären. Die auch online über BOL.com vertriebenen Sets enthielten Kleinteile, die sich leicht lösen bzw. entfernt werden können (Plastikaugen der Puppe, Ring des Bärenschlüsselrings). Ein kleines Kind kann diese Kleinteile leicht verschlucken und daran ersticken. Auch dieses handgefertigte Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

Ein Holzkohlegrill aus China muss nicht nur vom Markt zurückgenommen werden, sondern wurde von den Marktaufsichtsbehörden auf Zypern mit einem Produktrückruf belegt. Die horizontale Ebene des Grills wurde zu heiß und erreichte eine Temperatur von 87 Grad über der Umgebungstemperatur (der Grenzwert liegt bei 50 Grad). Zudem war der Grill unter Belastung schwer zu handhaben. Infolgedessen könnte der Benutzer Verbrennungen erleiden und das Produkt könnte einen Brand verursachen. Das Produkt verstieß gegen die Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und die einschlägige europäische Norm EN 1860-1.

Neben diesen Produkten wurden in der letzten Woche auch wieder zahlreiche Puppen, Adapter, Mehrfachsteckdosen, Haargels, Hautaufhellungscremes und Kleidungsstücke für Kinder mit Verkaufsverboten belegt. Auch zwei Feuerzeuge in Form eines Lippenstiftes und eines Wasserkochers dürfen nicht mehr vermarktet werden. Die Feuerzeuge waren für Kinder attraktiv und konnten leicht mit einem Spielzeug verwechselt werden. Kinder könnten Verbrennungen erleiden oder ein Feuer verursachen. Die Produkte entsprechen nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der einschlägigen europäischen Norm EN 13869.

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.


 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.