Rapex-Report am Donnerstag: Verkaufsverbot wegen giftiger Verpackung – Rückruf für Sicherheitswesten und Laserschutzbrillen – Muffinbecher von Toppits mit Perfluoroctansäure

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Rapex-Report am Donnerstag: Verkaufsverbot wegen giftiger Verpackung – Rückruf für Sicherheitswesten und Laserschutzbrillen – Muffinbecher von Toppits mit Perfluoroctansäure



Auch in der letzten Woche tauchten wieder über 40 gefährliche Non-Food-Konsumgüter im Safety Gate der Europäischen Union auf. Viele der Produkte wurde nicht nur mit einem Verkaufsverbot und der Rücknahme aus dem Handel belegt. Gerade Produkte aus dem Bereich persönliche Schutzausrüstung müssen von den Importeuren oder Distributoren vom Endkunden zurückgerufen werden, was nach unseren Schätzungen leicht zu Kosten in fünf- oder sogar sechsstelliger Höhe führen kann.

Das Safety Gate (früher Rapex-System) ist das Informationsaustauschsystem der europäischen Marktaufsichtsbehörden. Hierüber informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt worden sind, werden dann in der Regel auch in den anderen Ländern verboten oder müssen entsprechend verändert werden.

Wie gefährlich auch die Verpackung für das Vermarkten von Produkten sein kann, zeigte ein Beispiel aus Schweden. Bei einem verpackten Handtuch ermittelten die lokalen Marktaufsichtsbehörden, dass der transparente Kunststoff der Verpackung eine übermäßige Menge an Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP), Cadmium und kurzkettige Chlorparaffine (SCCPs) (gemessene Werte bis zu 26, 0,039 bzw. 0,53 Gew.-%) enthielt.

DEHP kann die Gesundheit von Kindern schädigen und ihr Fortpflanzungssystem beeinträchtigen. SCCPs bestehen in der Umwelt, sind giftig für Wasserorganismen in geringen Konzentrationen und bioakkumulieren bei Wildtieren und Menschen, was ein Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellt. Cadmium stellt ein Risiko für die Umwelt dar. Das Produkt entsprach daher weder der REACH-Verordnung noch der Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP-Verordnung).

Wie wenig professionell der Hersteller aus China oder der schwedische Importeur mit den europäischen Vorschriften umgegangen sind, zeigte ein näherer Blick auf die Kennzeichnungen auf der Verpackung. Hier waren sowohl das CE-Zeichen, das bei einem Handtuch nicht vorgeschrieben bzw. erlaubt ist, als auch das Mülltonnensymbol für die Entsorgung von Elektroprodukten abgebildet. Es scheint offensichtlich, dass die Verantwortlichen einfach eine Verpackung für andere Produkte benutzt haben, um das Handtuch zu verpacken und zu vermarkten.

Bei 4 verschiedenen Laserschutzbrillen (4) der Marken KKMoon, Hobfu und QPX, die alle online vertrieben wurden, stellten die deutschen Marktüberwachungsbehörden fest, dass die Brillen alle nicht den geforderten Schutz boten. Bei der Arbeit mit Laserlicht konnte dies zu schweren Schäden der Netzhaut und zu Sehstörungen führen. Die Produkte erfüllten nicht die Anforderungen der Verordnung über persönliche Schutzausrüstung und müssen vom Distributor aus dem Online-Marktplatz entfern werden.

Als besonders gefährlich erwies sich auch eine Rettungsweste für den Segelsport aus Rumänien, das ebenfalls online verkauft wurde. Die Rettungsweste war mit einem Textilgurt zur Befestigung am Boot ausgestattet. Das Gurtzeug war aber nicht stabil genug und konnte bei einem Sturz vom Boot reißen. Infolgedessen wäre der Benutzer nicht mehr mit dem Boot verbunden, was zum Ertrinken führen kann. Auch dieses Produkt verstieß gegen die Anforderungen der Verordnung über persönliche Schutzausrüstung.

Mit einem Verkaufsverbot belegt wurden Einweg-Papier Cupcake Tassen der bekannten Marke Toppits in Belgien. Die Einweg-Muffin-Becher der zum Unternehmen Melitta gehörenden Marke, die auch online verkauft wurden, enthielten eine übermäßige Menge an Perfluoroctansäure (PFOA) (gemessener Wert 133 µg/kg). Diese kommen beim Backen direkt mit Lebensmitteln in Berührung. PFOAs können entwicklungs- und reproduktive toxische Wirkungen hervorrufen und krebserregend sein. Das Produkt war nicht im Einklang mit der POP-Verordnung und der PFOA-Verordnung.

Ebenfalls gegen die POP- und auch die REACH-Verordnung verstieß ein Gewächshaus aus Kunststoff. Der transparente Kunststoff des Produktes aus China enthielt kurzkettige Chlorparaffine (SCCPs) mit einem Messwert von bis zu 0,7 Gewichtsprozent und Cadmium mit einem Messwert von bis zu 0,03 Gewichtsprozent. Das Produkt wurde von den schwedischen Marktaufsichtsbehörden mit einem Verkaufsverbot und einer Rücknahme der Produkte aus dem Handel belegt.

Neben diesen Produkten wurde auch wieder 14 Spielzeuge aus den jeweiligen Märkten entfernt. Wie in den Wochen vorher bargen verschiedene Puppen, Schleim- oder Wasserspielzeuge chemische Risiken durch zu hohe Konzentrationen verschiedener kritischer Substanzen. Bei verschiedenen Holzspielzeugen und Plastikflugzeugen bestand die Gefahr des Erstickens wegen kleiner Teile, bei einer Maske war der Flammschutz zu gering.

Als gefährlich wurden zudem 2 Wagenheber, 4 Atemschutzmasken, verschiedene Elektroprodukte, ein Handdesinfektionsmittel, 2 Bekleidungsstücke für Kinder, eine Smartphonehülle und ein kleines Kunststofftäschchen angesehen und müssen von den jeweiligen Importeuren, Distributoren oder Herstellern zurückgenommen oder sogar zurückgerufen werden.

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

Besonders gilt dies seit dem 16.7.2021 auch für Online-Händler, Marktplätze und Fulfillment-Dienstleister, die bisher oft unter dem Radar der Behörden große Mengen nicht konformer Ware verkaufen konnten. Aufgrund der neuen Marktüberwachungsverordnung ist es seit Juli 2021 verboten, Produkte zu verkaufen, wenn es nicht einen in der EU ansässigen Hersteller, Importeur, Bevollmächtigten oder eben Fulfillment-Dienstleister gibt, der auch die Verantwortung für die Produktsicherheit übernimmt. Er muss sich vergewissern, dass eine EU-Konformitätserklärung erstellt wurde, eine technische Dokumentation vorliegt, die technische Dokumentation bereithalten und für 10 Jahre speichern. Er muss den Behörden Auskünfte in der jeweiligen Landesprache geben, mit diesen zusammenarbeiten und bei gefährlichen Produkten u.U. auch einen Produktrückruf einleiten und organisieren.

Die neue Marktüberwachungsverordnung gilt zwar nur für die sogenannten harmonisierten Produkte bzw. die entsprechenden CE-Vorschriften, aber in Deutschland ist zum 16.7. auch das neue Marktüberwachungsgesetz in Kraft getreten. Dieses weitet den Anwendungsbereich auf alle Produkte aus, die dem Produktsicherheitsgesetz unterliegen und dies sind nahezu alle Nonfood-Konsumgüter.

Gibt es keinen verantwortlichen Marktakteur in der Europäischen Union und liegen die genannten Unterlagen nicht vor, darf dieses Produkt nicht einmal beworben werden, da lt. der neuen Verordnung die Bereitstellung auf dem Markt bereits mit der Online-Ansprache der Verbraucher beginnt. Ein Online-Marktplatz muss Produkte, die keinen der aufgeführten Marktakteure nachweisen können und nicht den Namen dieses Marktakteurs auf dem Produkt tragen, aus dem Sortiment nehmen.

Wir raten daher unseren Kunden, gerade Online-Händlern, sich diese Verordnung genau anzusehen und dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit in Zukunft eine sehr viel größere Bedeutung beizumessen, um sich vor existenzbedrohenden Bußgeldern und Sanktionen zu schützen.




 

Ihr Schutz gegen Verkaufsverbote & Produktrückrufe

Buchen Sie jetzt Ihren persönlichen Termin für eine kostenlose Erstberatung zu folgenden Themen: Produktsicherheit, Produktkonformität, CE-Kennzeichnung, REACH, RoHS & mehr
Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.