Rapex-Report am Donnerstag – unzählige gefährliche Schmuckstücke und risikobehaftete Kosmetika, entflammbarer Haartrockner

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Rapex-Report am Donnerstag – unzählige gefährliche Schmuckstücke und risikobehaftete Kosmetika, entflammbarer Haartrockner


Auch in dieser Woche gab es wieder 55 neue Meldungen auf dem Safety Gate, dem Schnellwarnsystem der Europäischen Union. Besonders auffällig war diesmal die hohe Anzahl an als gefährlich eingestuften, zumeist online verkauften Schmuckstücken.

Ganze 30 Warnmeldungen erfolgten durch die deutschen Behörden über Ohrringe, Halsketten, Armbänder und Ringe, die gefährliche Chemikalien enthielten. Die Ursprungsländer der Produkte waren zumeist nicht bekannt, nur bei einem der Produkte stand fest, dass es aus China stammt. In der Mehrheit der Fälle enthielten die Produkte jeweils eine übermäßige Menge an Cadmium und Blei. Cadmium ist schädlich für die menschliche Gesundheit, da es sich im Körper anreichert, Nieren und Knochen schädigen und Krebs verursachen kann. Blei ist ebenfalls gesundheitsschädlich, reichert sich im Körper an, kann Entwicklungsneurotoxizität hervorrufen und kann auch ungeborene oder gestillte Kinder schädigen. In allen 30 Fällen erfüllten die Produkte nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung. Als Maßnahme ordneten die Behörden die Beendigung der Listung auf dem Online-Marktplatz an.

 

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Abb. 1: zahlreiche gefährliche Schmuckstücke im Internethandel
Quelle: Europäische Kommission,
Safety Gate for dangerous non-food products (europa.eu), Datum: 14.04.2022, Sprache: Englisch

Ein chemisches Risiko bargen außerdem Kunstnägel für Kinder, wie in Rumänien bekanntgegeben wurde. Die rumänischen Behörden stellten fest, dass das Produkt laut der Liste der Inhaltsstoffe den Klebstoff Dibutylphthalat (DBP) enthielt. Die Verwendung dieses Stoffes ist in kosmetischen Produkten jedoch verboten, da das Phthalat die Gesundheit beeinträchtigen und das Fortpflanzungssystem oder das ungeborene Kind schädigen kann. Das aus China stammende Produkt entsprach nicht der Verordnung über kosmetische Mittel und wurde somit vom Markt zurückgenommen

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Abb. 2: Kunstnägel für Kinder mit gefährlichen Chemikalien
Quelle: Europäische Kommission,
Safety Gate for dangerous non-food products (europa.eu), Datum: 14.04.2022, Sprache: Englisch
Ebenfalls gegen die Verordnung über kosmetische Mittel verstießen für die Körperhygiene von Krankenhauspatienten bestimmte Reinigungstücher, die im Vereinigten Königreich hergestellt wurden. Wie die norwegischen Behörden feststellten, war das Produkt mikrobiologisch mit dem mesophilen Bakterium Pseudomonas aeruginosa kontaminiert. Dies stellt ein Infektionsrisiko dar, insbesondere für Personen in der Intensivpflege in Krankenhäusern oder Personen mit geschwächtem Immunsystem. Folglich wurde das Inverkehrbringen des Produktes untersagt.

Die ungarischen Marktaufsichtsbehörden wiesen die Einfuhr eines aus China stammenden Föns an der Grenze zurück und ordneten die Zerstörung des Produkts an. Grund hierfür war, dass der Haartrockner nicht über eine thermische Abschaltvorrichtung verfügte. Außerdem war das Kunststoffmaterial des Gehäuses brennbar. Daher könnte sich der Haartrockner während des Gebrauchs überhitzen und in Brand geraten, wodurch der Benutzer Verbrennungen erleiden könnte. Darüber hinaus war das Netzkabel nicht ausreichend gegen Ziehen und Verdrehen geschützt. Die Isolierung und die Größe der Stifte des Netzsteckers waren unzureichend, so dass stromführende Teile zugänglich waren. Der Benutzer könnte die stromführenden Teile berühren und einen elektrischen Schlag erleiden. Das Produkt erfüllte somit weder die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch die der europäischen Norm EN 60335.

Neben diesen gefährlich deklarierten Produkten gab es noch viele weitere, wie etwa ein USB-Ladegerät, welches das Risiko eines elektrischen Schlags barg, da die Isolierung des Produkts unzureichend war. Es wurde daraufhin vom Markt genommen. Damen-Sandalen aus Kunststoff wurden sogar bereits an der Grenze abgelehnt, da sie nicht im Einklang mit der REACH-Verordnung standen und die darin enthaltenen Chemikalien ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellten.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht.

Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.