Rapex-Report am Donnerstag: Undichtes Tauchmanometer – Rückrufe für Fingermalfarben, Kinderschuhe und Hundeleinen – zehntes Verkaufsverbot für Hoverboards

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Rapex-Report am Donnerstag: Undichtes Tauchmanometer – Rückrufe für Fingermalfarben, Kinderschuhe und Hundeleinen – zehntes Verkaufsverbot für Hoverboards



In der vergangenen Woche tauchten wieder über 40 Produkte im Safety Gate der Europäischen Union auf. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Interessant ist, dass in der letzten Woche fast 75 % der gefährlichen Produkte aus der Produktkategorie Kraftfahrzeuge stammen und für alle beteiligten Hersteller, Importeure oder Distributoren ein Produktrückruf ausgesprochen wurde.

Zurückrufen muss auch der Sportartikelhändler Decathlon ein Tauchmanometer in Rumänien. Das aus Italien stammende Produkt der Marke Subea konnte undicht werden, wenn eine 300-bar-Flasche verwendet wird. Hierdurch könnte sich die in der Sauerstoffflasche enthaltene Luft verringern. Da der Benutzer die tatsächliche Menge des verbleibenden Sauerstoffs nicht erkennt, könnte er ertrinken oder andere schwere gesundheitliche Probleme erleiden. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit.

Mit einem Produktrückruf belegt wurden auch Fingermalfarben in Belgien. Die gelben und roten Farben enthalten eine übermäßige Menge des Konservierungsmittels 2-Methylisothiazolin-3(2)H-on (MI, Messwerte: bis zu 0,54 mg/kg). Der Hautkontakt mit MI-haltigen Produkten kann bei sensibilisierten Personen eine allergische Kontaktdermatitis auslösen. Das Produkt aus China verstieß gegen die Anforderungen der Richtlinie über die Sicherheit von Spielzeug und die einschlägige europäische Norm EN 71-10 und EN 71-11.

Weitere kostspielige Produktrückrufe wurden von den deutschen Marktaufsichtsbehörden gegen Kinderschuhe aus Frankreich und Hundeleinen aus Deutschland angeordnet. Sowohl das Leder in den Kinderschuhen als auch den Hundeleinen enthielt Chrom VI (gemessene Werte zwischen 4,4 und 22,2 mg/kg), der höchste Wert dabei in den Kinderschuhen. Chrom (VI) sensibilisiert, kann allergische Reaktionen auslösen und Krebs verursachen. Keines der Produkte erfüllte die Anforderungen der der REACH-Verordnung.

Die finnischen Aufsichtsbehörden lehnten Piercing-Schmuckstücke aus China und Motorrad-Jacken aus Pakistan an der Grenze ab. Die Piercings enthielten sowohl eine übermäßige Menge an Cadmium (gemessene Werte: bis zu 86 Gewichtsprozent) als auch Blei (gemessener Wert: 1,7 Gewichtsprozent). Cadmium ist schädlich für die menschliche Gesundheit, weil es sich im Körper ansammelt, die Nieren und Knochen schädigen kann und es Krebs verursachen kann. Blei ist schädlich für die menschliche Gesundheit, akkumuliert im Körper und kann auch stillende oder ungeborene Kinder beeinflussen.

Die Schnappverschlüsse der Motorradjacke gaben eine übermäßige Menge Nickel frei (gemessene Werte: bis 15,55 µg/cm²/Woche). Nickel ist ein starker Sensibilisator und kann allergische Reaktionen hervorrufen, wenn sie in Artikeln vorhanden sind, die in direkten und längeren Kontakt mit der Haut kommen. Keines der Produkte war im Einklang mit der REACH-Verordnung.

Wegen zu hoher Mengen an Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) wurden zudem Schwimmringe in Tschechien und eine PVC-Tischdecke in Ungarn mit einem Verkaufsverbot und einer Rücknahme vom Markt belegt.

Zudem wurde in der letzten Woche auch wieder ein Hoverboard vom Markt genommen, und zwar diese Mal von den ungarischen Marktaufsichtsbehörden. Die Batterie des Produktes aus China verfügte nicht über eine Vorrichtung, die die Zellentemperatur während des Ladens überwacht. Hierdurch konnte sich die Hoverboardabdeckung leicht entzünden. Das Produkt kann einen Brand verursachen und der Benutzer kann Verbrennungen erleiden.

Darüber hinaus werden die Netzkabel durch ein Stahlrohr mit Bohrkanten an beiden Enden geleitet. Während der Lebensdauer des Produkts kann die Isolierung der Netzkabel durch die scharfen Kanten beschädigt werden, die Batterie kann während des Gebrauchs einen Kurzschluss erleiden und explodieren. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der europäischen Normen EN 60335-1, EN 60335-2 und EN 62133. Der Distributor muss die Produkte vom Markt nehmen.

Verwunderlich an dieser Situation ist, dass allein in diesem Jahr schon 10 Verkaufsverbote und Rücknahmen für Hoverboards ausgesprochen wurden, vor allem von den ungarischen, tschechischen und polnischen Marktaufsichtsbehörden. Alle Produkte wiesen ähnliche Mängel auf und inzwischen müssten die verantwortlichen Importeure oder Distributoren doch von diesen Produktmängeln und Maßnahmen der Aufsichtsbehörden erfahren haben.

Besonders befremdlich ist zudem, dass diese Produkte enorme Schäden verursachen können und nach der neuen europäischen Marktüberwachungsverordnung nicht nur der Importeur, sondern auch ein Fulfillment-Dienstleister für evtl. Schäden haftbar gemacht werden kann. Neben entgangen Umsätzen, Kosten für Rücknahme der Produkte und der Schwierigkeit, die Einkaufspreise vom chinesischen Lieferanten zurückerstattet zu bekommen, könnten bei Schäden durch die Produkte horrende Schadensersatzforderungen auf die beteiligten Importeure und Distributoren zukommen.

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.