Rapex-Report am Donnerstag: Über 160 gefährliche Produkte in den beiden Vorweihnachtswochen – Verkaufsverbote und Produktrückrufe auf Höchstniveau

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Rapex-Report am Donnerstag: Über 160 gefährliche Produkte in den beiden Vorweihnachtswochen – Verkaufsverbote und Produktrückrufe auf Höchstniveau



Die europäischen Marktüberwachungsbehörden haben in den letzten Wochen vor allem Artikel überprüft, die besonders in der Weihnachtszeit oder als Weihnachtsgeschenke gekauft werden: Lichterketten, Spielzeuge, Kinderbekleidung, Kosmetika sowie Sport- und Freizeitartikel. Dabei fanden Sie ungewöhnlich viele Produkte, die den verschiedenen europäischen Vorschriften und Normen nicht entsprachen und die daher in das Safety Gate eingetragen wurden.

Das auch unter dem Namen Rapex-System bekannte Safety Gate ist das europäische Informationsaustausch-System, über das sich die Marktaufsichtsbehörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte informieren. Wenn Produkte in einem Mitgliedsstaat als gefährlich oder schädlich eingestuft werden, nehmen die nationalen Marktaufsichtsbehörden dies in der Regel zum Anlass, die Produkte auch in diesen Ländern vom Markt zu nehmen.

Die über 160 gefährlichen Nonfood-Konsumgüter stammten vor allem aus den Produktbereichen Spielzeuge (22%), Chemische Produkte und Kosmetika (18%), Elektrogeräte incl. -zubehör und Lichterketten (14%) sowie Babyartikel, Kinderbedarf und Bekleidung (13%). Besonders auffällig gegenüber den Vorwochen waren die Vielzahl der gefährlichen Produkte in der Kategorie chemische Produkte und Kosmetika. Allein in der Vorweihnachtswoche wurden hier 29 Produkte in das Safety Gate eingestellt. Es handelte sich hierbei um 4 verschiedene Tätowiertinten aus den USA, 21 elektronische Einweg-Zigaretten aus China, eine Hautaufhellungscreme, ein Augenbrauengel, einen Schweißkleber und ein Wasserspray.

Die Tätowiertinten enthielten übermäßige Mengen des polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffs (PAK) Naphthalin (gemessene Werte: 4,0 mg/kg bzw. 8,0 mg/kg), übermäßige Menge an aromatischem Amino-anisidin (gemessener Wert: 6,8 mg/kg) und/oder Nickel (gemessene Werte; Nickel: 7,1 mg/kg). Naphthalin ist ein krebserzeugender Stoff, für den kein sicherer Gehalt festgestellt werden kann. Aromatische Amino-anisidin werden als krebserregend, erbgutverändernd, toxisch und sensibilisierend eingestuft, Nickel kann Hautreizungen verursachen und zu einer Sensibilisierung führen oder allergische Reaktionen hervorrufen.


Laut der Entschließung des Europarats ResAP (2008) über Anforderungen und Kriterien für die Sicherheit von Tätowierungen und dauerhaften Make-up sollte O-Ansidin nicht in Tätowierungstinte enthalten sein und die Gesamtmenge an PAK sollte 0,5 mg/kg nicht überschreiten. Die Nickelgehalte in Tätowierungsfarben sollen so gering wie technisch erreichbar sein. Der Importeur bzw. die Importeuer wurden von den schwedischen Marktaufsichtsbehörden aufgefordert, die Produkte aus dem Markt zurückzunehmen.

Die elektronischen Einweg-Zigaretten enthielten Nikotin (zwischen 2 % und 5 %), das als akut toxisch eingestuft wird. Es fehlte aber eine Packungsbeilage, die dem Verbraucher Informationen über die sichere und korrekte Anwendung des Produkts liefert. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über Tabakerzeugnisse und auch hier wurden weitere Verkäufe gestoppt. Die irischen Behörden wiesen die verantwortlichen Importeure zudem an, die Produkte aus dem Markt zurückzunehmen.

Bei den insgesamt 36 Spielzeugen, die als gefährlich eingestuft wurden, bargen 20 das Risiko des Erstickens durch blockierte Atemwege, die übrigen 16 riefen sonstige Verletzungsgefahren oder chemische Risiken bzw. Schäden für die Umwelt hervor. Alle Produkte verstießen gegen die Spielzeugrichtlinie und die Normen der EN 71-Reihe, gegen die REACH-Verordnung und/oder die RoHS-Richtlinie

Zu den 23 beanstandeten Elektrogeräten zählten Verlängerungskabel, Ladegeräte, Ultraschallbefeuchter, Luftkühler, Kopfhörer und Roboterstaubsauger, die zu mehr als der Hälfte online über Wish oder Amazon verkauft wurden. Mehr als 65 % konnten Verbrennungen, elektrische Schläge oder Feuer verursachen, die restlichen bargen mikrobiologische Risiken, chemische Risiken oder Gefahren für die Umwelt.

Bemerkenswert an den beiden Vorweihnachtswochen war auch, dass von den über 160 gefährlichen Produkten fast 100 aus China stammten. Zieht man von allen gefährlichen Produkten die Produkte aus dem Bereich Kraftfahrzeuge ab (hier stammen keine Produkte aus China), so betrug der Anteil der gefährlichen Produkte, die aus China stammten, 69 %.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten.

Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart. Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management, stichprobenartigen Tests und vor allem einer vollständigen und zuverlässigen Dokumentation einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.