Rapex-Report am Donnerstag: Thermoskannen mit Verbrennungsgefahr – Verkaufsverbote für Laserpointer und Hoverboard

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Rapex-Report am Donnerstag: Thermoskannen mit Verbrennungsgefahr – Verkaufsverbote für Laserpointer und Hoverboard



In knapp zwei Wochen tritt die neue Marktüberwachungsverordnung in Kraft, durch die bei online verkauften Produkten auch die Marktplätze und die sogenannten Fulfillment-Dienstleister in die Verantwortung genommen werden können. Offenbar kommt diese Verordnung zum richtigen Zeitpunkt, da immer mehr gefährliche Produkte über den Online-Handel in die Europäische Union gelangen.

Auch in der letzten Woche wurden wieder fast 40 Produkte von den europäischen Marktaufsichtsbehörden im Safety Gate der europäischen Union gemeldet. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Bei zwei Thermoskannen der Marken Label+ und Bboo, beide aus China und beide online verkauft fanden die niederländischen Marktaufsichtsbehörden, dass das Innere der Flasche leicht korrodieren konnte. Dies konnte dazu führen, dass der heiße Inhalt austreten kann, was Verbrennungen für den Benutzer verursacht. Beide Produkte entsprachen nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit.

Bei einem ebenfalls online verkauften Hoverboard der Marke Cavion verfügte die Batterie nicht über eine Vorrichtung, die die Zellentemperatur überwacht. Daher konnte das Hoverboard während des Ladens überhitzt werden und die Hoverboardabdeckung konnte sich entzünden. Das Produkt konnte daher zu einem Brand führen und der Benutzer könnte Verbrennungen erleiden.

Darüber hinaus waren die Abmessungen des Steckdosenauslasses des Ladegeräts nicht geeignet. Der Benutzer konnte die zugänglichen stromführenden Teile berühren und einen Elektroschock erhalten. Zudem wurden die Netzkabel, die der Bewegung zwischen den beiden Motoren ausgesetzt sind, durch ein Stahlrohr mit Bohrkanten an beiden Enden geleitet. Während der Lebensdauer des Produkts kann die Isolierung der Netzkabel durch die scharfen Kanten beschädigt werden, die Batterie kann während des Gebrauchs kurzschließen und explodieren.

Infolgedessen könnte der Benutzer die Kontrolle verlieren und vom Roller fallen und Verletzungen erleiden. Das Produkt verstieß gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Normen EN 60335-1, EN 60335-2 und EN 62133-2. Es muss vom Distributor in Ungarn und in allen anderen Ländern, in denen es verkauft wurde, beim Endkonsumenten zurückgerufen werden.

Es bleibt zu hoffen, dass die neue Marktüberwachungsverordnung beim Online-Handel Wirkung zeigt und die europäischen Marktüberwachungsbehörden Wege finden, die Verkäufe von Produkten zu unterbinden, für die es in der EU keinen verantwortlichen Marktakteur gibt, der auch für die Produktsicherheit verantwortlich ist.

Gleichzeitig ist es überraschend, dass derartig gefährliche Produkte nach wie vor in Europa online vertrieben werden, obwohl erst vor wenigen Wochen amerikanische Gerichte entschieden haben, dass Online-Marktplätze mit verantwortlich für evtl. angerichtete Schäden sind und dafür auch haftbar gemacht werden können. In dem genannten Fall ging es ebenfalls um ein Hoverboard, dass beim Aufladen Feuer gefangen hat und zu einem Brand und Verletzungen der Benutzer geführt haben.

In den Niederlanden wurde ein Laserpointer der Marke Home Travellers, ebenfalls aus China, mit einem Verkaufsverbot belegt. Der Laserstrahl war zu leistungsstark und konnte, bei direkter Betrachtung, Sehschäden verursachen. Das Produkt war nicht im Einklang mit der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der einschlägigen europäischen Norm EN 60825-1

Ebenfalls nicht mehr verkauft werden darf ein USB-Ladegerät, dass die Marktaufsichtsbehörden in Ungarn untersucht haben. Die Isolierung des Produkts war unzureichend. Der Benutzer könnte einen elektrischen Schock von zugänglichen stromführenden Teilen erhalten. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen Norm EN IEC 62368.

Im Bereich der Spielzeuge wurde ebenfalls wieder zahlreiche Produkte vom weiteren Verkauf ausgeschlossen bzw. mit einem Produktrückruf belegt. Bei einem Holzauto konnten Kleinteile leicht abgelöst werden. Ein kleines Kind könnte sie in den Mund legen und daran ersticken. Das Produkt war nicht konform mit der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

Bei einem Set aus Kunststoffkugeln enthielt das Material enthält eine übermäßige Menge an Diisobutylphthalat (DIBP) (gemessen bis 31,8 Gew.-%). Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen, was mögliche Schäden an ihrem Fortpflanzungssystem und/oder Leber verursacht. Das Produkt entspricht nicht der REACH-Verordnung.

Ebenfalls verboten wurden von den polnische Marktaufsichtsbehörden verschieden Eiswürfel. Aufgrund ihrer Farbe, Größe und Form könnten sie von Kindern für Lebensmittel gehalten werden. Wenn sie geschluckt werden, kann es die Atemwege behindern und ersticken. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit.

Zurückgerufen werden muss auch die Damen-Uhr „Simon M“ aus dem Sortiment der Marke Ideen Welt. Die Uhr gibt eine übermäßige Menge Nickel frei (gemessener Wert: 2.19 µg Nickel/cm²/Woche). Nickel ist ein hoch sensibilisierendes Kontaktallergen und kann allergische Hautreaktionen hervorrufen, wenn sie in Artikeln vorhanden sind, die direkt und länger mit der Haut in Berührung kommen. Das Produkt entspricht nicht der REACH-Verordnung.

Diese Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure, Handelsunternehmen und ab der nächsten Woche auch Online-Marktplätze und Fulfillment-Dienstleister die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.