Rapex-Report am Donnerstag: Safety Gate in neuem Look – 55 gefährliche Produkte mit Verkaufsverboten und Produktrückrufen belegt

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Rapex-Report am Donnerstag: Safety Gate in neuem Look – 55 gefährliche Produkte mit Verkaufsverboten und Produktrückrufen belegt


Die wöchentlichen Berichte über gefährliche und verbotene Produkte erscheinen seit einer Woche in einem neuen Format. Wurden bisher die Produkte alle in einer langen Liste hintereinander aufgeführt, so erscheinen die Produkte nun in 9er-Blöcken und sind deutlich besser visualisiert. Zudem kann der Nutzer verschiedene Filter anlegen und die beanstandeten Produkte nach verschiedenen Kriterien auswählen.

Neben der „Produktkategorie“ (z.B. Kosmetika, Spielzeug, Elektrogeräte und -zubehör) und der „Art des Risikos“ (Verbrennungen, Chemikalie, elektrischer Schlag, …) kann der Nutzer auch das „Ursprungsland“ oder das „mitteilende Land“ als Suchkriterien definieren und so gezielt nach risikoreichen Produkten suchen. Darüber hinaus kann der Nutzer alle Mitteilungen auch als Excel-Tabelle herunterladen und so verschiedene Systematisierungen durchführen.

Am Ergebnis hat sich aber auch in der letzten Woche nicht viel geändert. Insgesamt wurden von den europäischen Marktaufsichtsbehörden 55 Produkte als gefährlich eingestuft und von der weiteren Vermarktung ausgeschlossen. Spitzenreiter waren auch in der letzten Woche Spielzeuge mit 18 gestoppten Produkten.

Bei 6 Produkten konnten sich kleine Teile leicht lösen. Ein kleines Kind kann sie in den Mund stecken und an ihnen ersticken. Die Produkte erfüllten nicht die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Normen EN 71-1.

Die anderen 12 Produkte bargen verschiedene Verbrennungs-, chemische oder mikrobiologische Risiken. Eine Kinderschürze, eine Kinderperücke und ein Kinderkostüm konnten zu leicht Feuer fangen und widersprachen den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-12.

Ebenfalls nicht konform mit der Spielzeugrichtlinie und der EN 71-12 waren verschiedene Luftballons. Die Menge an N-nitrosierbaren Substanzen, die von den Ballons freigesetzt werden, war zu hoch (gemessener Wert bis zu 1,647 mg/kg). Nitrosierbare Verbindungen können in Nitrosamine umgewandelt werden, die durch Inhalation, Einnahme oder dermale Exposition genotoxische Karzinogene sind. Ein Kind kann ihnen ausgesetzt werden, indem es den Ballon an den Mund setzt.

Andere Spielzeuge enthielten übermäßige Mengen an Diisononylphthalat (DINP) (gemessene Werte bis zu 19 %) oder Bis (2-Ethylhexyl) Phthalat (DEHP) (gemessener Wert bis zu 26,0 Gew.-%). Diese Phthalate können die Gesundheit von Kindern schädigen, was mögliche Schäden an ihrem Fortpflanzungssystem und ihrer Leber verursacht. Die Produkte erfüllten nicht die REACH-Verordnung

Bei einem Stressball mit grüner Schale war die Gesamtzahl der aeroben mesophilen Bakterien in der Füllflüssigkeit dieses Produkts zu hoch (gemessene Werte bis zu: 5.200.000 KBE/g). Wenn der außen weiche, biegsame Kunststoff des Produkts reißt, besteht die Gefahr von Infektionen, da die Lösung in Kontakt mit Mund, Händen und Augen kommen kann. Das Produkt war nicht konform mit den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie.

Das Risiko eines elektrischen Schlages - und damit verbunden oft das Risiko von Verbrennungen und Feuer - enthielten 13 Produkte. Hiervon betroffen waren nicht nur Adapter, Ladegeräte oder Steckdosenleisten, sondern auch Nachtleuchten für Kinderzimmer oder Lichterketten.

Bei der beanstandeten Lichterkette aus China war das Kabel nicht richtig verankert und zu dünn. Die zugänglichen Drähte hatten zudem eine unzureichende Isolierung und die Abmessungen des Netzsteckers sind wesentlich geringer als erforderlich. Das Produkt war nicht vor Feuchtigkeit geschützt, aber dennoch für den Einsatz im Freien empfohlen. Außerdem könnte das Kabel überhitzen, was zu Verbrennungen oder Feuern führt. Das Wasser konnte das Produkt durchdringen oder der Benutzer konnte zugängliche Live-Teile berühren, was einen elektrischen Schock verursachen kann. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 60598 und wurde von den ungarischen Behörden an der Grenze gestoppt.

Weitere elektrische Produkt verstießen ebenfalls gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und die einschlägigen europäischen Normen EN 62560 und EN 60950-1

Beanstandet von den Marktaufsichtsbehörden aus Luxemburg und aus Rumänen wurden zudem zwei Produkte aus dem Bereich Sport und Freizeit. Bei einem Expander konnte sich die Kupplung des Produkts während des normalen Gebrauchs leicht lösen. Dies könnte zu erheblichen Verletzungen des Benutzers führen.

Das Kunststoffmaterial einer „Multi-Training-Bar“ der Marke Kettler enthielt kurzkette chlorierte Paraffine (SCCPs) (gemessener Wert bis zu 0,26 Gewichtsprozent). Das Inverkehrbringen und die Verwendung von SCCP-haltigen Erzeugnissen ist verboten. SCCPs bleiben in der Umwelt bestehen, sind giftig für Wasserorganismen in niedrigen Konzentrationen und bioakkumulieren bei Wildtieren und Menschen, was ein Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellt. Das Produkt entspricht nicht der Verordnung über persistente organische Polutantien (POP-Verordnung).

Erst vor kurzem hatte die Bundesnetzagentur bekannt gegeben, dass Sie im Jahr 2020
mehr als 21 Millionen Geräte aus über 2.100 Online-Angeboten nach Testkäufen und Prüfungen gesperrt haben. Bei einem Durchschnittspreis von 10 € handelt es sich hierbei um einen Verkaufswert von über 200 Millionen €. Dies zeigt, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.
 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.