Rapex-Report am Donnerstag: Rückrufe für Hoverboards, Luftreiniger, Tischleuchten und Nachtbeleuchtung für Kinderzimmer

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Rapex-Report am Donnerstag: Rückrufe für Hoverboards, Luftreiniger, Tischleuchten und Nachtbeleuchtung für Kinderzimmer



In der letzten Woche tauchten im Safety Gate der Europäischen Union zahlreiche elektrische Produkte auf, die von den Importeuren oder Distributoren bei den Endverbrauchern zurückgerufen werden müssen. Über das Safety Gate informieren sich die unterschiedlichen nationalen Marktüberwachungsbehörden über gefährliche Produkte mit dem Ziel, dass diese Produkte in allen Mitgliedsländern von der Vermarktung ausgeschlossen werden. Besonders aktiv waren in den letzten Wochen die ungarischen Behörden.

Bei zwei Hoverboards der Marken Motus und Ö Chic stellten die ungarischen Behörden eine sehr schlechte Konzeption und Produktionsqualität fest. Die Netzkabel waren durch ein Stahlrohr mit scharfen Bohrkanten geführt. Während der Lebensdauer wird die Isolierung der Netzkabel durch die scharfen Kanten so beschädigt, dass in der Batterie ein Kurzschluss auftreten und das Produkt während des Gebrauchs explodieren kann. Infolgedessen könnte der Benutzer die Kontrolle verlieren und vom Roller fallen und schwere Verletzungen erleiden. Die Produkte entsprachen nicht den Anforderungen der einschlägigen europäischen Normen EN 60335 und EN 62133.

Wie wenig sich die Hersteller oder Importeure mit den entsprechenden Normen und Kennzeichnungspflichten auseinandergesetzt haben, wird auch daran deutlich, dass auf der Verpackung des Motus-Hoverboards ein „RoHS-Compliant“-Symbol abgebildet war. Die Kennzeichnung mit einem RoHS-Symbol ist bereits seit mehreren Jahren in der EU verboten, da RoHS inzwischen Teil der CE-Kennzeichnung ist.

Ein Hoverboard mit Namen Bikeme, ebenfalls aus China, verfügte neben der unzureichenden Kabelführung zudem nicht über eine Vorrichtung zur Überwachung der Zellentemperatur. Daher kann das Produkt sich während des Ladevorgangs überhitzen und die Hoverboard-Abdeckung kann sich entzünden. Das Produkt kann somit einen Brand verursachen und der Benutzer kann Verbrennungen erleiden. Wegen eines ähnlichen Mangels bzw. dem durch ein Hoverboard ausgelösten Brandes wurde vor zwei Wochen die Firma Amazon in den USA zu einer hohen Schadensersatzstrafe verurteilt. Auch wenn das Produkt aus China gar nicht von Amazon selbst, sondern von dem chinesischen Anbieter über den Market Place an die Kundin verkauft wurde, entschied das Gericht, dass die Kundin einen Schadensersatzanspruch gegen Amazon hat.

Ebenfalls von den ungarischen Marktüberwachungsbehörden bemängelt wurden zwei Luftreiniger und eine Nachtbeleuchtung für Kinder. Die beiden Luftreiniger mit den Markennamen Bayby und Hauser hatten die Gestalt von kleinen Tieren (Katzen) und waren dadurch sehr attraktiv für Kinder. Beim Spielen konnten stromführende Teile (über das Wasser) erreicht werden und ein Kind kann einen Elektroschock erhalten. Beide Produkte verstießen gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und die einschlägigen europäischen Normen EN 60335-1 und EN 60335-2-98. Die Produkte müssen vom Distributor beim Endverbraucher zurückgerufen werden.

Bei einer sternchenförmigen Nachtbeleuchtung für Kinderzimmer, ebenfalls aus China, waren die Abmessungen des Flachsteckers geringer als erforderlich. Als Ergebnis sind stromführende Teile zugänglich. Dies könnte zu einem elektrischen Schock für Kinder oder Erwachsene führen. Zudem war der Kunststoffteil des Steckers brennbar, so dass die Lampe Verbrennungen verursachen oder während des Gebrauchs Feuer fangen kann.

Ebenfalls äußerst gefährlich waren zwei verschiedene Tischleuchten der Marke Rabalux, die glitzernde Partikel enthielten. Beide Lampen waren ebenfalls attraktiv für Kinder und waren nicht mit einem Transformator oder einem Wandler ausgestattet. Sie waren zudem instabil und konnten leicht umfallen. Stromführende Teile des Sockelkontakts waren zugänglich und die Glühbirnen konnten sehr heiß werden (168,6 °C bzw. 175,5 °C). Zudem waren sie leicht zu erreichen bzw. zu berühren werden. Folglich könnten die Kinder Verbrennungen oder Elektroschocks erleiden. Sowohl die Nachtbeleuchtung als auch die beiden Tischleuchten waren ebenfalls nicht konform mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 60598.

Neben diesen elektrischen Produkten wurden in der letzten Woche auch wieder 10 Atemschutzmasken und 9 Schmuckstücke mit Verkaufsverboten belegt, da sie nicht der Verordnung über persönliche Schutzausrüstung und der europäischen Norm EN 149 entsprachen bzw. chemische Stoffe (Nickel und Cadmium) enthielten, die in den entsprechenden Konzentrationen gerade in Schmuckstücken nicht erlaubt waren und der REACH-Verordnung widersprachen.

Direkt an der finnischen Grenze abgelehnt wurde ein Spielzeugpferd aus China. Das weiße Kunststoffmaterial des Produkts enthielt eine übermäßige Menge an Diisobutylphthalat (DIBP) (gemessener Wert: 17 Gewichtsprozent). Phthalate können die Gesundheit von Kindern schädigen und das Fortpflanzungssystem beeinträchtigen. Kleine Teile des Hüpf-Pferdes ließen sich zudem leicht ablösen. Ein Kind könnte diese Teile in den Mund stecken und daran ersticken. Das Produkt entsprach weder der REACH-Verordnung noch den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht.

Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.