Rapex-Report am Donnerstag: Rückruf für tragbare LED-Lampen, Einfuhrstopps für Verlängerungskabel und Lichterketten, brandgefährliche Feuerwerkskörper

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Rapex-Report am Donnerstag: Rückruf für tragbare LED-Lampen, Einfuhrstopps für Verlängerungskabel und Lichterketten, brandgefährliche Feuerwerkskörper



Auch in der letzten Woche tauchten wieder knapp 40 gefährliche Non-Food-Konsumgüter im Safety Gate der Europäischen Union auf. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Eine tragbare LED-Lampe aus China wurde von den ungarischen Marktaufsichtsbehörden mit einem Produktrückruf belegt. Die Kabel im Inneren des Netzkabels waren zu dünn und könnten sich während des Gebrauchs überhitzen. Das Kunststoffteil des integrierten Steckers der Leuchte bestand aus brennbarem Material und die Isolierung und Größe des Netzsteckers sowie des USB-Anschlusses waren unzureichend. Hierdurch waren stromführende Teile zugänglich und die Nutzer könnten Verbrennungen oder einen elektrischen Schock erleiden. Zudem hätte das Produkt ein Feuer verursachen können.
Die Lampe erfüllte nicht die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der europäischen Normen EN 60598 und EN 60335.

Schon an der Grenze zu Ungarn abgelehnt wurden verschiedene Verlängerungskabel und Lichterketten mit Weihnachtsoptik, alle ebenfalls aus China. Auch bei diesen Produkten waren die Kabel zu dünn und es konnte zu Verbrennungen, elektrischen Schocks und Feuer kommen. Alle Produkte verstießen wie die LED-Lampe gegen die Niederspannungsrichtlinie und die EN 60598.
In Dänemark wurden 6 verschiedene Feuerwerkskörper der Marke Fyrværkerieksperten A/S aus dem Verkehr gezogen. Die Produkte mit den markanten Bezeichnungen Bomberraket, Fire Art und Dark Spirit konnten in zu niedriger Höhe bzw. zu nahe am Boden explodieren. Nutzer oder Passanten könnten von Teilen des Feuerwerks getroffen werden, was insbesondere zu Verletzungen oder Schäden in der Augenregion führen könnte. Zudem war der Schalldruckpegel zu hoch, wodurch es auch zu Hörschäden kommen könnte. Die Feuerwerkskörper entsprachen nicht den Anforderungen der Pyrotechnik-Richtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 15947.

Die bulgarischen Marktaufsichtsbehörden stuften einen Kinderwagen aus China als gefährlich ein. Der Kinderwagen war nicht stabil genug und das Sitzrückhaltesystem könnte brechen. Ein Kind kann daher schwere Verletzungen erleiden. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der europäischen Norm EN 1888-1.

Ebenfalls gegen die Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und in diesem Fall gegen die europäische Norm EN 13869 verstießen zwei Feuerzeuge, die wie eine kleine Handgranate bzw. eine Toilette aussahen. Beide Feuerzeuge waren für Kinder attraktiv und hätten von diesen leicht mit einem Spielzeug verwechselt werden können. Hierdurch hätte es zu Verbrennungen oder Bränden kommen können.- Kein Feuerzeug sollte für Kinder attraktiv sein und daher wurden sie von den zypriotischen Marktaufsichtsbehörden vom Markt genommen.

Erstmalig im Safety Gate tauchten nach unserer Kenntnis verschiedene Feuchttücher aus Albanien auf. Die Produkte enthielten eine Mischung aus den Konservierungsstoffen Methylchlorisothiazolinon (MCI) und Methylisothiazolinon (MI). Gemessene Werte: MCI 0,00007% und MI 0,00004%, die in Kosmetika verboten sind, die auf der Haut oder in den Haaren verbleiben („leave-on cosmetics“). Der Hautkontakt mit MCI- und MI-haltigen Produkten kann bei sensibilisierten Personen eine allergische Kontaktdermatitis auslösen.
Keines der Produkte war im Einklang mit der Verordnung über kosmetische Mittel.

Neben diesen Produkten wurden auch verschiedene USB-Charger, ein Audiosensor mit zu viel Blei, ein Laserpointer und zahlreiche Spielzeuge mit Verkaufsverboten belegt. Kritisch waren zudem auch einfache Kunststoffhaken. Diese Produkte enthielten eine übermäßige Menge an Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) (gemessen bis 34 %). Dieses Phthalat kann die Gesundheit durch mögliche Schäden am Fortpflanzungssystem schädigen. Das Produkt verstieß gegen die REACH-Verordnung und darf vom Distributor nicht mehr auf dem Markt bereitgestellt werden.

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.