Rapex-Report am Donnerstag: Produktrückrufe für Motorradreifen, Wagenheber, Kindersitze, Elektroroller, Massagepistolen und Weihnachtsbaumschmuck

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Rapex-Report am Donnerstag: Produktrückrufe für Motorradreifen, Wagenheber, Kindersitze, Elektroroller, Massagepistolen und Weihnachtsbaumschmuck



Auch in der ersten Woche des neuen Jahres tauchten wieder 45 gefährliche Produkte im Safety Gate der Europäischen Union auf. Das auch unter dem Namen Rapex-System bekannte Safety Gate ist das europäische Informationsaustausch-System, über das sich die Marktaufsichtsbehörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte informieren. Wenn Produkte in einem Mitgliedsstaat als gefährlich oder schädlich eingestuft werden, nehmen die nationalen Marktaufsichtsbehörden dies in der Regel zum Anlass, die Produkte auch in diesen Ländern vom Markt zu nehmen.

Nach Untersuchungen der Marktaufsichtsbehörden aus Luxemburg waren die Motorradreifen der Marke Dunlop von einer Fertigungsvariation betroffen. Die defekten Reifen könnten dazu führen, dass der Fahrer oder die Fahrerin bei hoher Geschwindigkeit das Gleichgewicht verliert und stürzen kann. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und muss vom Hersteller beim Endverbraucher zurückgerufen werden.

Die finnischen Marktaufsichtsbehörden monierten bei einem Wagenheber aus China, dass das Produkt die Nennlast nicht ohne Verformung halten konnte. Hierdurch konnte die Last unkontrollierbar herunterfallen, was zu Verletzungen des Benutzers oder umstehender Personen führen kann. Außerdem ist die Kurbel für den Dauereinsatz nicht geeignet und kann schon nach kurzem Gebrauch klemmen. Das Drehen der verklemmten Kurbel zum Absenken kann dazu führen, dass die Last unkontrolliert nach unten fällt. Das Produkt verstieß gegen die Anforderungen der Maschinenrichtlinie und der europäischen Norm EN 1494.

Ebenfalls beim Endkonsumenten zurückgerufen werden muss ein in China gefertigter Kindersitz. Die irischen Behörden stellten fest, dass ein Kind im Falle eines Unfalls nicht ausreichend geschützt ist und sich schwere Verletzungen zuziehen kann. Der Sitz war nicht konform mit der Regelung der UN/ECE Nr. 44-04.

Bei einem Elektroroller monierten die französischen Behörden, dass Wasser in das Elektrofach des Fußbrettes eindringen und dort einen Kurzschluss und einen Brand auslösen konnte. Darüber war ist die elektrische Isolierung unzureichend und der Abstand zwischen den primären und zugänglichen Sekundärkreisen reichte nicht aus. Der Benutzer könnte einen elektrischen Schock von stromführenden Teilen erhalten.
Das Produkt, ebenfalls aus China, erfüllte nicht die Anforderungen der Maschinenrichtlinie.

Zurückgerufen oder zumindest aus dem Markt zurückgenommen werden mussten zudem verschiedene Massagegeräte, Massagestifte und eine Massagepistole. Bei der Massagepistole reichte die elektrische Isolierung der Stromversorgung nicht aus, wodurch es auch hier zu elektrischen Schlägen, Feuer und Brandverletzungen kommen konnte.

Das Ladekabel des Körpermassagegerätes enthielt eine übermäßige Menge an kurzkettigem chloriertem Paraffin (SCCP), Di- (2-Ethylhexyl)phthalat (DEHP) und Di-n-Butylphthalat (DBP) (gemessene Werte bis zu 3,69 %, 1,93 % bzw. 1,62 Gew.-%). Zwei Lötstellen enthielten zudem eine übermäßige Bleimenge (gemessener Wert bis zu 63,8 Gew.-%). Auch der von den schwedischen Aufsichtsbehörden bemängelte Massagestift enthielt an zwei Lötstellen zu viel Blei.

Phthalate können die Gesundheit von Kindern schädigen und ihr Fortpflanzungssystem beeinträchtigen. SCCPs bestehen in der Umwelt, sind giftig für Wasserorganismen in geringen Konzentrationen und bioakkumulieren bei Wildtieren und Menschen. Blei ist schädlich für die Umwelt. Die beiden letztgenannten Produkte verstießen gegen die Anforderungen der Richtlinie der Kommission zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS-2-Richtlinie). Das Massagegerät entsprach zudem nicht der Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP).

Die norwegischen Marktaufsichtsbehörden verhängte zudem Verkaufsverbote gegen verschiedene Weihnachtsbaumdekorationsartikel aus den USA. Aufgrund ihrer charakteristischen Erscheinung, Form, Farbe und Größe konnten die Produkte leicht mit Lebensmitteln verwechselt werden. Die Dekoartikel in Form von Eisbechern, Keksen und Cannoli hatten kleine Teile, die leicht abgelöst werden können. Ein kleines Kind kann sie in den Mund stecken legen und daran ersticken. Die Produkte entsprachen nicht den Anforderungen der Richtlinie über Lebensmittelemissionsprodukte.

Neben diesen zahlreichen Rückrufen wurden auch viele weitere Produkte mit Verkaufsverboten belegt oder sogar direkt an der Grenze abgewiesen. Betroffen hiervon waren nicht nur verschiedene Schmuckstücke in den Niederlanden (Armbänder, Ringe, Anhänger, Schlafmasken), die allesamt radioaktive Materialien enthielten, sondern auch wieder zahlreiche Spielzeuge. Letztere bargen entweder Erstickungsgefahren oder chemische Risiken. Bemängelt wurden aber auch ein flüssiges Spülmittel für Toiletten, ein Entkalkungsmittel, mehrere Tätowiertinten, zwei Kopfhörer, ein Feuerwerk, eine Kerze, ein Gummihammer und ein Hocker. Diese Produkte hielten verschiedene produktspezifische Vorschriften nicht ein und wurden von den jeweiligen Behörden als gefährlich eingestuft.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten.

Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart. Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management, stichprobenartigen Tests und vor allem einer vollständigen und zuverlässigen Dokumentation einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden

Ihr Schutz gegen Verkaufsverbote & Produktrückrufe

Buchen Sie jetzt Ihren persönlichen Termin für eine kostenlose Erstberatung zu folgenden Themen: Produktsicherheit, Produktkonformität, CE-Kennzeichnung, REACH, RoHS & mehr
Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.