Rapex-Report am Donnerstag: Produktrückrufe für Kindersandalen, Motorradhelmen und leuchtenden Luftballons – RoHS-Verstöße bei zahlreichen Elektroprodukten

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Rapex-Report am Donnerstag: Produktrückrufe für Kindersandalen, Motorradhelmen und leuchtenden Luftballons – RoHS-Verstöße bei zahlreichen Elektroprodukten



Auch in der letzten Woche tauchten wieder über 50 gefährliche Produkte im Safety Gate der Europäischen Union auf. Das auch unter dem Namen Rapex-System bekannte Safety Gate ist das europäische Informationsaustausch-System, über das sich die Marktaufsichtsbehörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte informieren. Wenn Produkte in einem Mitgliedsstaat als gefährlich oder schädlich eingestuft werden, nehmen die nationalen Marktaufsichtsbehörden dies in der Regel zum Anlass, die Produkte auch in diesen Ländern vom Markt zu nehmen.

Die Marktaufsichtsbehörden in Deutschland sprachen einen Produktrückruf für eine Kindersandale aus Tunesien aus. Das Leder im Produkt enthielt Chrom VI (gemessener Wert bis 5,6 mg/kg) und war damit nicht in Einklang mit den Anforderungen der REACH-Verordnung. Chrom (VI) sensibilisiert, kann allergische Reaktionen auslösen und Krebs verursachen.

Bei einem Motorradhelm für Kinder entdeckten die französischen Behörden, dass der Ring, mit dem der verstellbare Gurt gehalten wird, leicht brechen kann. Hierdurch konnte der Gurt in der Schnalle des Rückhaltesystems verrutschen. Der fehlende Halt des Helms kann seine Wirksamkeit im Falle eines Aufpralls verringern und Verletzungen am Kopf verursachen. Das Produkt aus China, das unter dem Markennamen Sifam vermarktet wurde, entsprach nicht den Anforderungen der Regelung ECE 22-05.

Bei beleuchteten Luftballons konnte das Kunststoffgehäuse, das die Knopfbatterien enthält, leicht geöffnet werden. Hierdurch wurden die Knopfbatterien freigegeben und ein Kind könnte sie leicht verschlucken. Dies könnte zum Ersticken oder Schädigungen des Magen-Darm-Traktes führen. Das Produkt aus China verstieß gegen die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und die einschlägige europäische Norm EN 62115. Auch dieses Produkt müssen der oder die betreffenden Händler bei den Endkonsumenten zurückrufen.

Die schwedischen Marktaufsichtsbehörden haben in den letzten Wochen verstärkt elektrische Produkte und auch deren umweltbezogenen Risiken untersucht. Insgesamt wurden 9 verschiedene Produkte beanstandet, die allesamt nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS-2-Richtlinie) entsprachen.

Neben einem drahtlosen Smart Phone-Ladegerät, einem Miniventilator und einer LED-Lichterkette enthielten auch ein elektrischer Spielzeugstab, ein tragbarer Mixer, ein elektrisches Spielzeugklavier, ein Spielzeug-Funkbagger und eine mit Solarzellen betriebene Laterne übermäßige Bleimengen an einzelnen oder mehreren Lötstellen. Die gemessenen Werte lagen zwischen 1,67 % und 78,7 Gewichts%.

Bei dem tragbaren Mixer ermittelten die Behörden zudem eine übermäßige Menge an kurzkettigen Chlorparaffinen (SCCPs) (gemessener Wert bis zu 3,5 Gewichtsprozent), wodurch dieses Produkt auch noch gegen die POP-Verordnung verstieß. Das elektrische Spielzeugklavier enthielt neben Blei auch überhöhte Mengen an Cadmium (gemessener Wert bis 0,12 Gew.-%). Alle Produkte wurden mit Verkaufsverboten und der Rücknahme aus dem Handel belegt.

Ebenfalls nicht mehr verkauft werden dürfen Sonnenbrillen aus China, bei denen in den Metallscharnieren eine übermäßige Bleimenge (gemessener Wert bis zu 1,67 Gew.-%) gefunden wurde.

An der Grenze zu Ungarn abgelehnt wurden verschiedene Lichterketten, die aufgrund des Produktkonzepts oder der Produktionsqualität zu Stromschlägen, elektrischen Schocks und Feuer führen konnten. Die Produkte erfüllten nicht die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der europäischen Norm EN 60598.

Ein Verkaufsverbot und die Rücknahme der Produkte sprachen die ungarischen Behörden zudem gegen einen Luftbefeuchter der Marke Daewoo aus. Die Isolierung der Stromversorgung war unzureichend, so dass der Benutzer auch durch dieses Produkt einen Elektroschock erleiden konnte. Darüber hinaus war der Wassertank für die Reinigung nicht zugänglich und das Gerät warnte nicht vor dem erforderlichen Wasserwechsel. Dies könnte zur Bildung von Schimmelpilzen führen, die allergische Reaktionen hervorrufen können. Damit verstieß das Produkt ebenfalls gegen die Niederspannungsrichtlinie und insbesondere gegen die europäischen Normen EN 60335 und EN 62368.

Neben diesen Produkten wurden auch wieder verschiedene Atemschutzmasken, Verlängerungskabel, Spielzeuge, Puppen, Schmuckstücke, Sportartikel, Kinderkleidung, Kunstlederstiefel und ein Reifenreparatursatz mit Verkaufsverboten belegt. Alle diese Produkte wurden von den jeweiligen Behörden als gefährlich eingestuft und vom Markt genommen, weil sie nicht die Anforderungen einer oder mehrerer europäischer und/oder nationaler Vorschriften erfüllten.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten.

Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart. Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management, stichprobenartigen Tests und vor allem einer vollständigen und zuverlässigen Dokumentation einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.