Rapex-Report am Donnerstag: Produktrückrufe für Babyjogger, Sonnenliegen, Massagepistolen und Kindersitze

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Rapex-Report am Donnerstag: Produktrückrufe für Babyjogger, Sonnenliegen, Massagepistolen und Kindersitze



Auch in den letzten beiden Wochen tauchten wieder fast 60 gefährliche Non-Food-Konsumgüter im Safety Gate der Europäischen Union auf. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Interessant in der letzten Woche war, dass 70 % der Produkte, die nicht der Produktgruppe Kraftfahrzeuge angehörten, aus China kamen oder nicht bekannter Herkunft waren.

Die schwedischen Marktaufsichtsbehörden haben einen Produktrückruf für einen Babyjogger der Marke North 3.5 ausgesprochen. Der Kinderwagen aus China war nicht stabil und konnte leicht umkippen. Dies konnte dazu führen, dass ein mitsamt dem Wagen umfällt und schwere Verletzungen erleidet. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der einschlägigen europäischen Norm EN 1888-1.

Bei einer faltbare Sonnenliege der Marke Kayoba, ebenfalls aus China, bemängelten die schwedischen Behörden den Klapp- bzw. Faltmechanismus. Dieser war so gestaltet, dass die Finger des Benutzers zwischen Sitz und Klappmechanismus eingeklemmt werden konnten und es nicht nur zu schweren Verletzungen, sondern sogar zu Amputationen hätte kommen können. Das Produkt verstieß ebenfalls gegen die Anforderungen der Produktsicherheitsrichtlinie und die einschlägige europäische Norm EN 581-1.
Der Hersteller muss das Produkt beim Endverbraucher zurückrufen

Zwei verschiedene Massagepistolen müssen auf Anordnung der finnischen Marktaufsichtsbehörden ebenfalls beim Verbraucher zurückgerufen werden. Die mit der Massagepistole gelieferten Ladegeräte bargen ein Risiko eines elektrischen Schocks, da die Isolierung und der Kriechabstand zwischen Primär- und Sekundärkreis nicht ausreichten. Die Pistolen waren nicht konform mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und den einschlägigen europäischen Normen EN 60335-1 und EN 60335-2.

Dass sich weder der Hersteller eines der beiden Produkte noch der Importeur der Marke Core mit den europäischen Anforderungen auseinandergesetzt hat, wird auch durch die Tatsche deutlich, dass auf der Verpackung ein RoHS-Logo angebracht war. Das Anbringen eines RoHS-Logos ist bereits seit mehreren Jahren nicht mehr erlaubt, da die RoHS-Anforderungen Teil des CE-Logos sind und man mit der Einhaltung der RoHS-Vorschriften in der EU nicht mehr werben darf.

Ein weiterer Produktrückruf wurde für einen Kindersitz der Marke Ding Baby von den Behörden aus Luxemburg ausgesprochen. Im Falle eines Autounfalls hält der Autositz das Kind möglicherweise nicht richtig zurück, um eine plötzliche Veränderung des Körpers zu minimieren. Infolgedessen könnte das Kind stärker verletzt werden als bei einer normgerechten Konzeption. Außerdem waren die vorgeschriebenen Informationen über die Platzierung und das Anschnallen des Kindes unvollständig, was zu einer möglichen falschen Benutzung führen konnte. Dies könnte ebenfalls die Verletzungsgefahr erhöhen. Das Produkt entsprach nicht der Regelung UN/ECE Nr. 44-04.

Nicht mehr verkauft werden darf auch eine Popcorn-Maschine in Form eines Retro-Popcorn-Herstellerwagens mit einem durchsichtigen Fenster. Das Produkt mit dem Markennamen Mikamax war überaus attraktiv für Kinder. Diese konnten aber die leicht zugängliche heiße Heizfläche des Produkts berühren und Verbrennungen erleiden.
Die Popcorn- Maschine entsprach nicht den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 60335.

Eine Kinderschaukel der bekannten Marke Fisher Price wurde von den polnischen Marktaufsichtsbehörden mit einem Verkaufsverbot belegt. Für Säuglinge, die unangeschnallt in die Schaukel gelegt werden und sich dann auf den Bauch drehten, bestand Erstickungsgefahr. Das Produkt verstieß gegen die Anforderungen der Produktsicherheitsrichtlinie und wurde auch in Griechenland und Kroatien vom Markt genommen.

Auch der Marktplatzbetreiber Wish mußte erneut die Listung eines Kinderprodukt beenden. Der Schnuller der Marke Ten@Night aus China enthielt Bisphenol A (BPA) (gemessener Wert: 2,3 mg/kg). BPA kann die Fruchtbarkeit schädigen und wurde als Stoff identifiziert, der die Hormonsysteme von Mensch und Tier beeinflusst.
Auch dieser Schnuller verstieß gegen die Anforderungen der Produktsicherheitsrichtlinie und die einschlägigen europäischen Norm EN 1400.

Neben diesen Produkten tauchten im Safety Gate in der letzten Woche zudem wieder zahlreiche Spielzeuge (Spielzeugtastatur, Puppenkinderwagen, Babyrassel, Luftballons, Kindermalfarbe), Lichterketten, Atemschutzmasken, Deckenleuchten, Kinderjacken und Kinderhosen auf, die gegen eine oder mehrere europäische Richtlinien verstießen und von den Behörden als gefährlich eingestuft wurden. Auch diese Produkte dürfen in der EU nicht mehr vertrieben werden.

Dies Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.


Im Gegensatz hierzu war bei einer Maske der Marke Barbeador der physikalische Widerstand des Filtermaterials zu hoch (gemessene Werte der Ausatmungsbeständigkeit: bis zu 3,3 mbar). Damit konnte diese Maske verhindern, dass eine ausreichende Menge an Luft ausgeatmet wird und es im schlimmsten Fall zu einer Erstickung kommen kann. Alle untersuchten bzw. verbotenen Masken entsprachen nicht der Verordnung über persönliche Schutzausrüstung (PSA) und der einschlägigen europäischen Norm EN 149.

 

Bei einem Heizlüfter der Marke Sencor, ebenfalls aus China, endeckten die Marktaufsichtsbehörden aus Ungarn, dass das Netzkabel im Inneren des Gerätes aufgrund der unsachgemäßen Befestigung locker werden konnte. Dadurch konnten stromführende Teile mit dem ungeerdeten Metallteil (Schutzgitter) in Berührung kommen, sodass der Benutzer sehr leicht einen elektrischen Schock erleiden konnte. Wie viele der beanstandeten elektrischen Produkte verstieß dieser Heizlüfter gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und insbesondere gegen die einschlägige europäischen Norm EN 60335-2-30.


Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht. 


Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management, stichprobenartigen Tests und vor allem einer vollständigen und zuverlässigen Dokumentation einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.