Rapex-Report am Donnerstag: Nicht-stoppendes E-Bike, hautreizende Virtual Reality Brillen, brennbare Hüpfburgen

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Rapex-Report am Donnerstag: Nicht-stoppendes E-Bike, hautreizende Virtual Reality Brillen, brennbare Hüpfburgen



Auch in den letzten beiden Wochen tauchten wieder 86 gefährliche Non-Food-Konsumgüter im Safety Gate der Europäischen Union auf. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Die Produktgruppe mit den meisten Nennungen war wie in den meisten Wochen zuvor Spielzeuge. Insgesamt wurden 18 Produkte als gefährlich angesehen und dürfen in der EU nicht mehr verkauft werden. Ein Spielzeug-Dinosaurier war aus expandierendem Material und wuchs im Wasser um mehr als 50 %. Wenn das Produkt in den Mund genommen oder sogar verschluckt wird, kann es zu tödlichen Verschlüssen der Atemwege oder Darmblockade kleiner Kinder führen. Der Kopf des Dinosauriers konnte sich zudem leicht ablösen, was ebenfalls zu Erstickungen führen kann, wenn es von Kindern in den Mund genommen wird. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

Ebenfalls von Verkaufsverboten oder Rückrufen betroffen waren 12 elektrische Produkte, die zu elektrischen Schlägen, Verbrennungen oder Feuer hätten führen können. Neben 4 Lichterketten, 2 Haartrocknern, einem Wasserkocher, einer Campingleuchte und mehreren Ladegeräten und Steckerleisten müssen zwei Tischbacköfen vom Hersteller bzw. Distributor beim Endverbraucher zurückgerufen werden.

Der Erdungsschutz beider Produkte war unzureichend und die Produktisolierung ungeeignet. So waren stromführende Teile zugänglich und der Benutzer konnte einen Elektroschock erhalten. Zudem konnten die Produkte leicht überhitzen und zu einem Brand führen. Die Produkte waren nicht konform mit der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 60335-2-9.

Als äußerst gefährlich und kritisch beurteilten die Marktaufsichtsbehörden aus Finnland zudem ein Schweißgerät aus China. Die elektrische Isolierung war unzureichend und die Kriechabstände zwischen den primären und zugänglichen Sekundärkreisen reichten nicht aus. Stromführende Teile konnten vom Benutzer berührt werden und zu elektrischen Schocks führen. Auch dieses Schweißgerät entsprach nicht der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 60974-1.


Neben Spielzeugen und elektrischen Produkten wurden in den letzten beiden Wochen von den bulgarischen und polnischen Marktaufsichtsbehörden 10 Kindersweatshirts, -trainingsanzüge und -kleider beanstandet. Die Produkte hatten zu lange Schnüre, Kordeln oder Zugbänder, die bei verschiedenen Aktivitäten eines Kindes zu Strangulierungen oder Verletzungen führen konnten. Die Produkte verstießen gegen die Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit (GPSD) und die einschlägigen europäischen Norm EN 14682.

Beim Endverbraucher zurückgerufen werden muss auch ein zusammenklappbares E-Bike der Marke Brompton. Bei dem in Deutschland verkauften Produkt funktionierte aufgrund eines Softwarefehlers die Fail-Safe-Funktion nicht einwandfrei und das elektrische System hielt das Fahrrad in Bewegung. Hierdurch könnte es zu schweren Stürzen und Verletzungen kommen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Maschinenrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 15194.

Der Schaum einer Virtual Reality Brille der Marke Oculus Quest, die vor allem über Amazon verkauft wurde, enthielt Substanzen, die sowohl die Haut als auch die Augen reizen. Das Produkt war nicht konform mit den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und die fehlerhaften Teile der Brille müssen vom Hersteller ausgetauscht werden.

Die schwedischen Marktaufsichtsbehörden monierten Hüpfburgen und ähnliche, aufblasbare Spielgeräte der Marke Zico. Die Produkte waren zu leicht entflammbar, hörten nicht auf zu brennen und brannten sehr schnell. Infolgedessen besteht die Gefahr von Feuer und schweren Verbrennungen. Die Spielgeräte verstießen ebenfalls gegen die Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und die europäische Norm EN 14960-1. Sie müssen nicht nur vom Markt zurückgenommen und dürfen nicht mehr verkauft werden, sondern müssen zudem vom Distributor auf dessen Kosten vernichtet werden

In Bulgarien wurden verschiedene Feuerzeuge mit Verkaufsverboten und der Vernichtung der Produkte belegt. Die Produkte, die einer kleinen Pistole bzw. einer Billardkugel ähnlich waren, konnten leicht mit Spielzeugen verwechselt werden und waren sehr attraktiv für Kinder. Beide Produkte standen nicht im Einklang mit dem Durchführungsbeschluss (EU) 2016/575 der Kommission vom 29. März 2016, mit dem die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass nur kinderresistente Feuerzeuge in Verkehr gebracht und das Inverkehrbringen von Neuheitsfeuerzeugen verboten werden. Auch die europäischen Norm EN 13869 wurde von diesen Produkten nicht erfüllt.

Verboten wurden auch 3 Laserpointer der Marken Topcom und 303, die in den Niederlanden über die Onlineplattform bol.com verkauft wurden. Der Laserstrahl der verschiedenen Modelle war zu leistungsstark und eine direkte Betrachtung des Laserstrahls könnte Sehschäden verursachen. Die Laserpointer waren ebenfalls nicht konform mit der Produktsicherheitsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 60825-1.

Einen Imageschaden für die Marke Villeroy & Boch sowie nicht unerheblich Kosten dürfte auch ein Verkaufsverbot und ein angeordneter Produktrückruf für online vertriebene Bambus-Tischsets nach sich ziehen. Die verschiedenfarbigen Varianten, die aus Indien stammten, enthielten Azofarbstoffe, die 3,3'-Dimethoxybenzidin (gemessener Wert: 360 mg/kg) bzw. Benzidin freisetzen (gemessener Wert: 150 mg/kg). Im Falle eines längerfristigen direkten Hautkontakts können aromatische Amine durch die Haut aufgenommen werden. Aromatische Amine können Krebs und Zellmutationen verursachen und die Fortpflanzung beeinflussen. Die Produkte entsprachen nicht der REACH-Verordnung.

Besonders der letzte Fall zeigt, dass selbst renommierte Unternehmen dem Thema Produkt Compliance nicht immer die nötige Aufmerksamkeit zuwenden. Unsere Erfahrung zeigt, dass dies gilt besonders für Randbereiche oder Produkte gilt, die das Kern-Sortiment ergänzen sollen. Diese Produkte werden oft über Agenten gekauft, nicht mit der nötigen Sorgfalt geprüft und durchlaufen u.U. auch nicht das Qualitäts-Management der Unternehmen. Teilweise werden Sie auch von anderen Abteilungen oder Ländergesellschaften innerhalb der Unternehmen ohne Rücksprache mit den verantwortlichen Experten gekauft. Hierdurch kann es, trotz mitunter keiner Mengen, zu großen Imageverlusten der Marke und der Kernprodukte kommen.

Dies zeigt, dass auch bei den Randprodukten die einschlägigen Vorschriften und Normen geprüft und befolgt werden sollten. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Imageschäden, Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.


 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.