Rapex-Report am Donnerstag: Moskitoschläger und Wasserzangenpumpe mit zu viel Blei - Babyschnuller mit Bisphenol A – Rückruf für Fräsmaschine

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Rapex-Report am Donnerstag: Moskitoschläger und Wasserzangenpumpe mit zu viel Blei - Babyschnuller mit Bisphenol A – Rückruf für Fräsmaschine



Auch in der letzten Woche tauchten wieder über 50 gefährliche Non-Food-Konsumgüter im Safety Gate der Europäischen Union auf. Das Safety Gate (früher Rapex-System) ist das Informationsaustauschsystem der europäischen Marktaufsichtsbehörden. Hierüber informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt worden sind, werden dann in der Regel auch in den anderen Ländern verboten oder müssen entsprechend verändert werden.

Bei einem Insektenstromschläger, auch Moskitoschläger genannt, stellten die schwedischen Marktaufsichtsbehörden eine übermäßige Menge Blei an einzelnen Lötstellen fest (gemessene Werte bis 53,3 %). Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS-2-Richtlinie).

Zu viel Blei entdeckten die finnischen Zollbehörden auch im schwarzen Material des Griffes einer Wasserpumpenzange aus China und lehnten das Produkt an der Grenze ab.
Blei stellt nicht nur ein Risiko für die Umwelt dar, sondern ist auch schädlich für die menschliche Gesundheit, akkumuliert im Körper, kann Neurotoxizität verursachen und auch Auswirkungen auf gestillte oder ungeborene Kinder haben. Die Zange verstieß gegen die REACH-Verordnung.

Die französischen Marktaufsichtsbehörden haben verschiedene Babyschnuller analysiert und 3 Produkte aus China bzw. Thailand mit Verkaufsverboten und in einem Fall auch mit einem Produktrückruf belegt. Die Produkte enthielten Bisphenol A (BPA) (gemessene Werte zwischen 0,1 und 8,59 (!!) mg/kg), das die Fruchtbarkeit schädigen kann. Zudem wurde BPA als Stoff identifiziert, der die Hormonsysteme von Menschen und Tieren beeinflusst.

Die Produkte waren nicht im Einklang mit den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der europäischen Norm EN 1400. Der Schnuller in Form eines Mundes mit Zähnen, der über Wish.com verkauft wurde, muss von Wish bei den Endkunden zurückgerufen werden.

Mit einem Verkaufsverbot und einer Rücknahme aus dem Markt wurde ein Musikinstrumente-Set aus China in Polen belegt. Die Rasseln des Sets konnten leicht brechen, wodurch kleine Teile entstehen. Ein kleines Kind könnte daran ersticken. Die Trommel konnte ebenfalls leicht brechen, was zu scharfen Kanten führen kann, an denen sich Kinder verletzen können. Darüber hinaus fehlte die Warnung vor der sicheren Verwendung eines Percussion-Spielzeugs. Bei unsachgemäßer Behandlung könnte es zu Hörschäden kommen. Das Set entsprach nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der europäischen Norm EN 71-1.

Neben diesem Spielzeug-Set wurden auch wieder 16 andere Spielzeuge vom Markt genommen, die entweder chemische Risiken oder Gefahren des Erstickens bargen. Auch ein Kinderschlafsack, ein Kinderkostüm und eine Atemschutzmaske wurden von den verschiedenen europäischen Marktaufsichtsbehörden mit Verkaufsverboten oder Produktrückrufen belegt, da sie die unterschiedlichen produktspezifischen Anforderungen nicht erfüllten.

Eine Schneidematte aus Taiwan wurde an der finnischen Grenze abgelehnt, da das grüne Kunststoffmaterial des Produkts eine übermäßige Menge an Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) (gemessen bis 1,6 Gew.-%) enthielt. Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen, was zu möglichen Schäden an ihrem Fortpflanzungssystem führt.
Das Produkt verstieß gegen die REACH-Verordnung.

Im Bereich der elektrischen Produkte wurden mehrere Stecker, zwei Lichterketten ein Fön und eine Wandsteckdose bemängelt, da sie zu elektrischen Schlägen und Feuer hätten führen können. Bei dem Haartrockner aus China entdeckten die ungarischen Behörden, dass der Abstand zwischen dem Heizgerät und dem Sicherheitsgitter geringer war als erforderlich.

Das Netzkabel war zudem nicht ordnungsgemäß gegen Ziehen und Verdrehen geschützt und die Isolierung und die Größe der Stifte des Netzsteckers waren unangemessen, so dass stromführende Teile zugänglich waren. Das Produkt war nicht im Einklang mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der europäischen Norm EN 60335. Der zuständige Importeur muss die Produkte aus dem Handel zurücknehmen und die Produkte auf eigene Kosten zerstören.

Nicht der Niederspannungsrichtlinie entsprach auch eine Wandsteckdose der Marke Zeiger aus China. Lt. den französischen Marktaufsichtsbehörden funktionierten die Erdungskontakte nicht richtig. Wie bei dem Fön konnte der Benutzer einen elektrischen Schock erhalten. Die Steckdosen müssen von dem oder den Distributoren bei den Endkunden zurückgerufen werden.

Ebenfalls vom Distributor zurückgerufen werden muss eine Fräsmaschine aus den USA in der Slowakei. Sicherheitsrelevante Teile des Steuerungssystems der Maschine (Not-Aus, Hauptschalter, der in der Aus-Stellung verriegelt werden kann, verriegelte Schutzeinrichtung, Betriebsartenwahlschalter), die nicht mit einem sicheren Teil des Steuerungssystems der Maschine verbunden waren, könnten ausfallen. Infolgedessen könnte der Bediener einen elektrischen Schlag erleiden oder sich verletzen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Maschinenrichtlinie und den europäischen Normen EN ISO 12100:2011, EN 60204-1:2019.

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

Besonders gilt dies seit dem 16.7.2021 auch für Online-Händler, Marktplätze und Fulfillment-Dienstleister, die bisher oft unter dem Radar der Behörden große Mengen nicht konformer Ware verkaufen konnten. Aufgrund der neuen Marktüberwachungsverordnung ist es seit Juli 2021 verboten, Produkte zu verkaufen, wenn es nicht einen in der EU ansässigen Hersteller, Importeur, Bevollmächtigten oder eben Fulfillment-Dienstleister gibt, der auch die Verantwortung für die Produktsicherheit übernimmt. Er muss sich vergewissern, dass eine EU-Konformitätserklärung erstellt wurde, eine technische Dokumentation vorliegt, die technische Dokumentation bereithalten und für 10 Jahre speichern. Er muss den Behörden Auskünfte in der jeweiligen Landesprache geben, mit diesen zusammenarbeiten und bei gefährlichen Produkten u.U. auch einen Produktrückruf einleiten und organisieren.

Die neue Marktüberwachungsverordnung gilt zwar nur für die sogenannten harmonisierten Produkte bzw. die entsprechenden CE-Vorschriften, aber in Deutschland ist zum 16.7. auch das neue Marktüberwachungsgesetz in Kraft getreten. Dieses weitet den Anwendungsbereich auf alle Produkte aus, die dem Produktsicherheitsgesetz unterliegen und dies sind nahezu alle Nonfood-Konsumgüter.

Gibt es keinen verantwortlichen Marktakteur in der Europäischen Union und liegen die genannten Unterlagen nicht vor, darf dieses Produkt nicht einmal beworben werden, da lt. der neuen Verordnung die Bereitstellung auf dem Markt bereits mit der Online-Ansprache der Verbraucher beginnt. Ein Online-Marktplatz muss Produkte, die keinen der aufgeführten Marktakteure nachweisen können und nicht den Namen dieses Marktakteurs auf dem Produkt tragen, aus dem Sortiment nehmen.

Wir raten daher unseren Kunden, gerade Online-Händlern, sich diese Verordnung genau anzusehen und dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit in Zukunft eine sehr viel größere Bedeutung beizumessen, um sich vor existenzbedrohenden Bußgeldern und Sanktionen zu schützen.


 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.