Rapex Report am Donnerstag: Kunstnägel mit gefährlichem Klebstoff, unsichere Fahrradhelme und überhitzender Stabmixer

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Rapex Report am Donnerstag: Kunstnägel mit gefährlichem Klebstoff, unsichere Fahrradhelme und überhitzender Stabmixer


In der letzten Woche tauchten im Safety Gate der Europäischen Union wieder zahlreiche Produkte auf, die von den Importeuren oder Distributoren bei den Endverbrauchern zurückgerufen werden mussten. Über das Safety Gate informieren sich die unterschiedlichen nationalen Marktüberwachungsbehörden über gefährliche Produkte mit dem Ziel, dass diese Produkte in allen Mitgliedsländern von der Vermarktung ausgeschlossen werden.

Besonders aktiv waren in den letzten Wochen die rumänischen Behörden. Denn gleich fünf verschiedene Kunstnägel-Artikel wurden von den rumänischen Marktaufsichtsbehörden vom Markt genommen, weil diese nicht der Verordnung über kosmetische Mittel entsprachen. Bei allen diesen in China hergestellten Artikeln enthielt der Klebstoff der Zutatenliste zufolge Dibutylphthalat (DBP), das in kosmetischen Mitteln nicht verwendet werden darf. Das Phthalat kann die Gesundheit schädigen und mögliche Schäden am Fortpflanzungssystem oder dem ungeborenen Kind verursachen.

 
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Abb. 1: Kunstnägel mit giftigem Klebstoff
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005900, Datum: 27.04.2022, Sprache: Deutsch
Wie bereits in der vergangenen Woche gab es auch diese Woche wieder Warnmeldungen über nicht ausreichend vor Verletzungen schützende Fahrradhelme.
Ein in China hergestellter Kinder-Fahrradhelm wurde von den belgischen Marktaufsichtsbehörden zurückgerufen, da die Aufprallabsorptionsfähigkeit des Helms unzureichend war. Im Falle eines Aufpralls könnte ein Kind Kopfverletzungen erleiden. Das Produkt entsprach weder der Verordnung über persönliche Schutzausrüstungen noch der europäischen Norm EN 1078.

Auch ein in Polen hergestellter Fahrradhelm wurde von litauischen Marktaufsichtsbehörden vom Markt genommen. Der Helm konnte bei einem Aufprall leicht brechen und schützte den Benutzer daher nicht ausreichend vor Kopfverletzungen. Auch dieses Produkt entsprach weder der Verordnung über persönliche Schutzausrüstungen noch der europäischen Norm EN 1078.
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Abb. 2: nicht schützender Fahrradhelm
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005738,Datum: 27.04.2022, Sprache: Deutsch
Ebenfalls in Litauen wurde ein Stabmixer vom Markt genommen. Der Motor des in China hergestellten Stabmixers überhitzte leicht. Dadurch könnte das Produkt schmelzen, wodurch stromführende Teile zugänglich werden und der Benutzer einen Stromschlag erleiden könnte. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 60335.

Aus dem kosmetischen Bereich war diese Woche ein Duschgel mit unbekanntem Ursprung betroffen. Das Produkt enthielt den Konservierungsstoff Methylisothiazolinon (MI, Messwerte: 0,00245%), der ein starker Sensibilisator ist. Der Hautkontakt mit MI-haltigen Produkten kann bei sensibilisierten Personen eine allergische Kontaktdermatitis auslösen. Darüber hinaus enthielt das Produkt Chlorphenol und Phenoxyethanol, ohne dass dies in der Liste der Inhaltsstoffe angegeben war. Chlorphenol kann schwere Augen- und Hautreizungen verursachen, während Phenoxyethanol hämatotoxisch und ein leichtes Reizmittel ist, das Blut und Leber schädigen kann. Das Produkt entsprach nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.