Rapex-Report am Donnerstag: Künstlich Fingernägel mit Phtalaten – Spielburgen ohne Sicherheitsbügel – gefährliche Sägeblätter bei Aliexpress

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Rapex-Report am Donnerstag: Künstlich Fingernägel mit Phtalaten – Spielburgen ohne Sicherheitsbügel – gefährliche Sägeblätter bei Aliexpress

Auch in der letzten Woche wurden wieder über 60 gefährliche Produkte in das Safety Gate der Europäischen Union eingetragen. Über das Safety Gate informieren sich die unterschiedlichen nationalen Marktüberwachungsbehörden über gefährliche Produkte mit dem Ziel, dass diese Produkte in allen Mitgliedsländern von der Vermarktung ausgeschlossen werden. 


Die Konsequenzen für die verantwortlichen Hersteller, Importeure, Distributoren oder Handelsunternehmen reichen dabei von einfachen Verkaufsverboten über die Zerstörung der Ware bis hin zu sehr kostspieligen Produktrückrufen beim Endverbraucher. Interessant war in der letzten Woche, dass nur 6 Meldungen den Produktbereich Kraftfahrzeuge betrafen - einer Kategorie, die in anderen Wochen z.T. für 30-40 % der Meldungen verantwortlich war. Um so mehr waren also in der letzten Woche einfache Nonfood-Konsumgüter, die sehr oft online verkauft wurden und überwiegend aus China stammten. 


Die Marktaufsichtsbehörden bemängelten nicht weniger als 6 verschiedene künstliche Fingernägel und Wimpern, die noch dazu aufgrund der Verpackung für Kinder attraktiv waren. Gemäß der Zutatenliste enthielten die Kleber Dibutylphthalat (DBP), das in kosmetischen Mitteln nicht verwendet werden darf. Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen, was zu möglichen Schäden an ihrem Fortpflanzungssystem führt.

Die Produkte entsprachen nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.


Eine kombinierte Kletter-, Rutsch- und Hüpfburg hatte keinerlei Sicherheitsbarrieren. 

Kinder, die die aufblasbare Ausrüstung benutzen, könnten aus einer Höhe von etwa 2 m herunterfallen und sich schwere Verletzungen zuziehen. 


Bei einer aufblasbaren Kletterpyramide war die Landeplattform zu klein. Folglich können Kinder, die auf die Pyramide klettern, bei einem Sturz außerhalb der weichen Landeplattform landen. Darüber hinaus war das Produkt leicht entflammbar und hörte nicht auf zu brennen, auch wenn die Zündquelle entfernt wurde. Daher bestand die Gefahr von Feuer und Verbrennungen. Beide Produkte widersprachen den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der europäischen Norm EN 14960-1. 


Wie auch schon zu Beginn des Jahres kritisierten die dänischen Marktaufsichtsbehörden verschiedene Sägeblätter, die online und insbesondere bei Aliexpress verkauft wurden. 

Die kreisförmigen Sägeblätter verschiedener Marken wurden als geeignet für Winkelschleifer beworben und konnten auch auf Winkelschleifern montiert werden. Dies entsprach aber nicht der bestimmungsgemäßen Verwendung als handgeführte Kreissäge. Infolgedessen könnte dies lt. den schwedischen Marktaufsichtsbehörden zu Rückschlägen oder zu einem Verlust der Kontrolle über das Werkzeug führen, was zu Verletzungen führt. Die Produkte waren nicht konform mit den Anforderungen der Maschinenrichtlinie.


In den Niederlanden wurden zwei verschiedene Laserpointer untersucht, die online über die Plattform Bol.com verkauft wurden. Bei beiden Produkten war der Laserstrahl zu leistungsstark. Eine direkte Betrachtung des Laserstrahls könnte Sehschäden verursachen. Auch diese beiden Produkte verstießen gegen die Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und insbesondere gegen die einschlägige europäische Norm EN 60825-1. 


Auch in der letzten Woche wurden darüber hinaus wieder zahlreiche Atemschutzmasken, Spielzeuge und elektrische Geräte (Ladegeräte, Steckerleisten, Powerbanks, Heizlüfter) mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen belegt. Bei 9 der 10 Atemschutzmasken war die Partikel/Filterretention des Materials unzureichend. Bei einer Maske war der Wert lediglich 7,5 % (statt der für diese Produktkategorie vorgeschriebenen 94 %!). 


Im Gegensatz hierzu war bei einer Maske der Marke Barbeador der physikalische Widerstand des Filtermaterials zu hoch (gemessene Werte der Ausatmungsbeständigkeit: bis zu 3,3 mbar). Damit konnte diese Maske verhindern, dass eine ausreichende Menge an Luft ausgeatmet wird und es im schlimmsten Fall zu einer Erstickung kommen kann. Alle untersuchten bzw. verbotenen Masken entsprachen nicht der Verordnung über persönliche Schutzausrüstung (PSA) und der einschlägigen europäischen Norm EN 149.

 

Bei einem Heizlüfter der Marke Sencor, ebenfalls aus China, endeckten die Marktaufsichtsbehörden aus Ungarn, dass das Netzkabel im Inneren des Gerätes aufgrund der unsachgemäßen Befestigung locker werden konnte. Dadurch konnten stromführende Teile mit dem ungeerdeten Metallteil (Schutzgitter) in Berührung kommen, sodass der Benutzer sehr leicht einen elektrischen Schock erleiden konnte. Wie viele der beanstandeten elektrischen Produkte verstieß dieser Heizlüfter gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und insbesondere gegen die einschlägige europäischen Norm EN 60335-2-30.


Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht. 


Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management, stichprobenartigen Tests und vor allem einer vollständigen und zuverlässigen Dokumentation einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.


 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.