Rapex-Report am Donnerstag: Hoverboard mit Brandgefahr - Produktrückrufe für Babyspielzeug, Stofftiere, Nachtlichter und Herrenuhren

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Rapex-Report am Donnerstag: Hoverboard mit Brandgefahr - Produktrückrufe für Babyspielzeug, Stofftiere, Nachtlichter und Herrenuhren



In der letzten Woche wurden wieder über 30 gefährliche Produkte in das Safety Gate der Europäischen Union eingestellt. Das Safety Gate (früher Rapex-System) ist das europäische Informationsaustausch-System, mit dem sich die Marktaufsichtsbehörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte informieren. Als kritisch oder schädlich eingestufte Produkte müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen, zurückgerufen oder entsprechend verändert werden.

Wie schon bei mehreren Hoverboards in den letzten Monaten konnte ein Produkt der Marke 2Drive beim Ladevorgang überhitzen, wodurch sich die Abdeckung entzünden konnte. Hierdurch könnte sich der Nutzer nicht nur verbrennen, sondern es könnte auch ein Brand entstehen. Erst vor kurzem erging in den USA ein bahnbrechendes Urteil, dass Amazon für die Schäden, die ein Hoverboard verursachte (Brand eines Hauses beim Ladevorgang) in Haftung genommen werden kann, obwohl das Produkt über den sogenannten Market Place verkauft wurde.
Darüber hinaus wurden bei dem beanstandeten Hoverboard die Netzkabel durch ein Stahlrohr mit scharfen Kanten an beiden Enden geleitet. Während der Lebensdauer des Produkts kann die Isolierung der Netzkabel durch die scharfen Kanten beschädigt werden, die Batterie kann einen Kurzschluss erleiden und explodieren. Da dies auch während der Nutzung auftreten kann, könnte der Benutzer die Kontrolle verlieren, vom Roller fallen und schwere Verletzungen erleiden. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der einschlägigen europäischen Normen EN 60335 und EN 62133 und muss vom Distributor beim Endkonsumenten zurückgerufen werden.

Bei Spielbällen für Kleinkinder entdeckten die belgischen Marktaufsichtsbehörden im Kunststoffmaterial Bisphenol A (gemessener Wert bis 0,281 mg/l). Bisphenol A ist fortpflanzungsgefährdend. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie und muss vom Hersteller bei den Endverbrauchern zurückgerufen werden.

Ebenfalls zurückgerufen werden muss ein Knautschtier mit LEDs aus Deutschland.
Ein kleiner Teil des Spielzeugs (Kunststoffbogen) kann leicht vom Produkt abgelöst werden. Ein kleines Kind kann es in den Mund stecken und daran ersticken. Auch dieses Produkt genügte nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

Die ungarischen Marktaufsichtsbehörden sprachen einen Produktrückruf für Nachtlichter aus China aus. Die Lampen waren für Kinder durch deren Formgebung und Farbe attraktiv. Zudem waren die Abmessungen des Flachsteckers geringer als erforderlich. Als Konsequenz sind stromführende Teile zugänglich und dies könnte zu einem elektrischen Schock führen. Darüber hinaus war der Kunststoffteil des Steckers, der die leitenden Teile in Position hält, brennbar. Die Lampe könnte leicht Feuer fangen und zu Bränden und Verletzungen des Nutzers führen. Das Produkt verstieß gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und die einschlägige europäische Norm EN 60598.

Eine Herrenuhr der Marke Infinity Accessoires gab eine übermäßige Menge Nickel frei (gemessener Wert bis zu: 1.81 µg/cm²/Woche). Nickel ist ein starker Sensibilisator und verursacht allergische Reaktionen, wenn sie in Artikeln vorhanden sind, die in direkten und längeren Kontakt mit der Haut kommen. Das Produkt entsprach nicht der REACH-Verordnung. Der verantwortliche Distributor muss die Endkunden nicht nur warnen, sondern die Produkte auch zurückrufen und auf eigene Kosten zerstören.

Mit Verkaufsverboten belegt wurden darüber hinaus ein Spielzeugset, Puppen, Trillerpfeifen, Babytelefone und ein Feuerzeug, das wie eine kleine Pistole aussah. Bei einem Spielzeug, das wie ein kleiner Eisbecher gestaltet war und an dem Kinder sehr leicht lutschen können, war die Migration von Bor aus dem Spielzeug zu hoch: 323,71 mg/kg. Die Einnahme oder der Kontakt mit einer übermäßigen Menge Bor kann die Gesundheit von Kindern schädigen, indem sie ihr Fortpflanzungssystem schädigen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der europäischen Norm EN 71-3.

Als gefährlich für Kinder stuften die französischen Marktaufsichtsbehörden eine Spielzeugschaukel ein. Das Produkt hatte hervorstehende Kanten, die nicht geschützt waren. Aufgrund der Geschwindigkeit auf einer Schaukel konnte dies schwere Schnitte an jedem Körperteil verursachen, mit dem die Kinder die scharfen Kanten berühren. Das Produkt entspricht nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der europäischen Norm EN 1176. Der Hersteller darf das Produkt so nicht mehr verkaufen und auch nicht mehr ausstellen.

Ebenfalls nicht mehr verkauft werden dürfen eine Sonnencreme aus Italien und ein elektrischer Warmwasseraufbereiter aus China. Der tatsächliche Schutzfaktor der Sonnencreme war deutlich niedriger als angegeben (gemessener Wert: 4.3) und niedriger als das erforderliche Mindestschutzniveau. Folglich könnte der Anwender gegen UV-Strahlung zu wenig geschützt sein, wodurch das Risiko von Sonnenbrand oder Hautkrebs erhöht wird. Das Produkt entsprach nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.

Beim elektrischen Warmwasserbereiter fanden die Behörden aus Litauen heraus, dass das Produkt nicht richtig geerdet war. Daher könnten stromführende Teile vom Nutzer bzw. der Nutzerin berührt werden und die Person könnte einen elektrischen Schock erhalten. Das Produkt war nicht konform mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und den europäischen Normen EN 60335-1 und EN 60335-2-35.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht.

Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management, stichprobenartigen Tests und vor allem einer vollständigen und zuverlässigen Dokumentation einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.