Rapex-Report am Donnerstag: Herunterfallende Spiegel – Produktrückrufe für Kinderwagen, Schmuck und Lichterketten

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Rapex-Report am Donnerstag: Herunterfallende Spiegel – Produktrückrufe für Kinderwagen, Schmuck und Lichterketten



In der letzten Woche wurden wieder zahlreiche gefährliche Produkte in das Safety Gate der Europäischen Union eingestellt. Das auch unter dem Namen Rapex-System bekannte Safety Gate ist das europäische Informationsaustausch-System, über das sich die Marktaufsichtsbehörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte informieren. Wenn Produkte in einem Mitgliedsstaat als gefährlich oder schädlich eingestuft werden, nehmen die nationalen Marktaufsichtsbehörden dies in der Regel zum Anlass, die Produkte auch in diesen Ländern vom Markt zu nehmen.

Bei einem Spiegel, der auf einer Holzunterlage bzw. einem Holzregal befestigt war, stellten die irischen Behörden fest, dass die Klebeverbindung unzureichend war. Der Spiegel konnte abfallen und zerbrechen, was zu Schnittverletzungen oder anderen Folgeschäden führen könnte. Das Produkt, das auch online verkauft wurde, entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und muss vom Distributor von den Endkunden zurückgerufen werden.

Ebenfalls zurückgerufen werden müssen Lichterketten, Kinderwagen und Schmuckstücke.
Bei den Lichterketten bemängelten die ungarischen Marktaufsichtsbehörden zu dünne und nicht richtig verankerte Kabel. Hierdurch konnte es zu Überhitzungen, Feuer und Verbrennungen kommen. Zudem hatten einige stromführende Teile eine unzureichende Isolierung, wodurch der Benutzer einen elektrischen Schock erleiden konnte. Das Produkt aus China verstieß gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und die einschlägige europäische Norm EN 60598. Erst Anfang des Jahres hatte eine Lichterkette auf einer Veranda in Sachsen einen Brand ausgelöst, der auf das Haus übergriff und das komplette Einfamilienhaus zerstörte.

Die österreichischen Marktaufsichtsbehörden verhängten einen Produktrückruf gegen den Hersteller von Kinderwagen bzw. den Inverkehr-Bringer. Die Kinderwagen / Buggys der Marke Jimmylee und dem Produktnamen Sporty wurden über die Möbelhäuser XXXLutz und auch online vertrieben. Der Möbelhauskonzern taucht auch als Absender auf der Bedienungsanleitung auf, so dass davon auszugehen ist, dass das Produkt in dessen Auftrag gefertigt wurde.

Der Lenker des Kinderwagens war nicht ausreichend belastbar und es könnte zu einem Verlust der Kontrolle des Kinderwagens führen. Infolgedessen könnte es einen Unfall geben, der Verletzungen verursacht. Das Produkt erfüllte nicht die Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und die europäischen Norm EN 1888-1.

Der deutsche Handelskonzern TEDi muss ein Armband zurückrufen, das unter der eigenen Marke angeboten wurde. Das Armband aus China enthielt eine übermäßige Menge Cadmium (82,5 Gew.-%). Cadmium ist gesundheitsschädlich. Es akkumuliert im Körper und kann Nieren und Knochen schädigen und kann krebserregend sein.
Das Produkt entsprach nicht der REACH-Verordnung.

Mit einem Verkaufsverbot belegt wurden verschiedene Soft toys in Kroatien, die die Gefahr des Erstickens durch blockierte Atemwege bargen. Das faserige Füllmaterial der Spielzeuge war aufgrund der Schwäche bestimmter Nähte leicht zugänglich. Ein kleines Kind könnte das Füllmaterial in den Mund legen und daran ersticken. Beide Produkte waren nicht im Einklang mit den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

In Spanien wurde der Hersteller verschiedener lokal produzierter Kosmetika zur Rücknahme der Produkte aufgefordert. Die Produkte der Marke Mamita Botanical wurden nicht nach der insbesondere bei Kosmetika geforderten guten Herstellungspraxis hergestellt und es fehlte an einer ausreichenden fachlichen Einschätzungen bzw. Bewertung. Darüber hinaus fehlten den Produkten die entsprechenden Produktions- und Produktinformationen. Folglich konnte eine sichere Verwendung nicht garantiert werden. Die Produkte entsprachen nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.


Vom Markt zurückgenommen mussten zudem eine Halskette mit übermäßigen Nickel- und Bleianteilen, ein Steuergerät für LED-Module, verschiedene Puppen und Spielzeuge sowie einige Atemschutz bzw. FFP2-Masken. Auch ein Klapphocker aus China darf nicht mehr verkauft werden, da der Hocker keine Feststellvorrichtung hatte. Der Benutzer konnte sich zudem an den Klemmstellen verletzen. Das Produkt war nicht konform mit den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der europäischen Norm EN 12520.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten.

Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart. Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management, stichprobenartigen Tests und vor allem einer vollständigen und zuverlässigen Dokumentation einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.