Rapex-Report am Donnerstag: Glühbirnen und Haarglätter mit elektrischem Schlag – E-Zigaretten mit zu viel Nikotin – E-Roller mit lockerem Lenker

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Rapex-Report am Donnerstag: Glühbirnen und Haarglätter mit elektrischem Schlag – E-Zigaretten mit zu viel Nikotin – E-Roller mit lockerem Lenker



In der vergangenen Woche tauchten wieder knapp 20 Produkte im Safety Gate der Europäischen Union auf. Hierunter waren insgesamt 9 Spielzeuge, die wegen chemischer Risiken, potentiellen Gehörschäden oder dem Risiko des Erstickens durch blockierte Atemwege vom Markt entfernt wurden. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Bei einer handelsüblichen Glühbirne stellten die finnischen Marktaufsichtsbehörden fest, dass die elektrische Isolierung unzureichend und der Abstand zwischen den primären und zugänglichen Sekundärkreisen nicht ausreichend war. Durch die Berührung der stromführenden Teile könnte der Benutzer leicht einen Elektroschock erleiden.

Bei einem Haarglätter aus China beanstandeten die kroatischen Behörden eine zu dünne elektrische Isolierung, die zu einer Überhitzung führen könnte. Zudem reichen die Luft- und Kriechstrecken-Abstände zwischen den primären und zugänglichen Sekundärkreisen nicht aus, so dass auch hier elektrische Schocks hätten erlitten werden können. Beide Produkte verstießen gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und die europäischen Normen EN 62560, EN 61347-1, EN 60335-1 und EN 60335-2-23. Die Konsequenzen für die jeweiligen Importeure bzw. Online-Vermarkter waren nicht nur Verkaufsverbote, sondern auch die Rücknahme der Produkte aus dem Handel und der Rückruf bei den Endverbrauchern.

Die litauischen Behörden bemängelten einen viel zu hohen Nikotingehalt einer Einweg-E-Zigarette aus China, die vor allem online verkauft wurde. Die E-Zigarette enthielt eine übermäßige Nikotinmenge (gemessener Wert bis zu 33 mg/ml), die als akut toxisch eingestuft wird. Ebenfalls von den litauischen Behörden verboten wurde eine Flüssigkeit für E-Zigaretten mit dem Markennamen Dr. Frost, die aus dem Vereinigten Königreich stammte. Der gemessene Wert war hier 24mg/ml, was als akut giftig gilt, insbesondere bei Berührung mit der Haut oder wenn es aufgenommen wird. Beide Produkte waren nicht im Einklang mit den Anforderungen der Richtlinie über Tabakerzeugnisse.

Nicht konform mit der Maschinenrichtlinie und der EN 14619 und EN 71-1 war ein Elektroroller der Marke Kawasaki, den die ungarischen Marktaufsichtsbehörden untersuchten. Die Vorderradachsenschraube des Produktes aus China war nicht gegen Lockerung gesichert. Infolgedessen könnte der Benutzer die Kontrolle verlieren, vom Roller fallen und Verletzungen erleiden. Darüber hinaus war der Durchmesser der Löcher am Lenker (6,85 mm) größer als der angegebene Wert (kleiner als 5 mm). Auch bildeten sich Scherpunkte an den Löchern, die zu Verletzungen der Finger führen können.

Bei einem Babyschlafsack aus der Türkei war nach Angaben der irischen Aufsichtsbehörden die Halsöffnung in Relation zur Kinderhöhe bzw. dem Alter zu groß. Dies kann das Risiko erhöhen, dass das Baby in den Schlafsack rutscht und erstickt. Der Schlafsack entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der Europäischen Norm EN 16781.

Gegen die POP-Verordnung verstieß ein als Tischdecke zu nutzendes Öltuch. Die schwedischen Behörden ermittelten das Vorhandensein von kurzkettigen chlorierten Paraffinen (SCCPs) mit einem Messwert von 6,2-6,5 Gew.-%. SCCPs bestehen in der Umwelt, sind giftig für Wasserorganismen in geringen Konzentrationen und bioakkumulieren bei Wildtieren und Menschen. Diese Auswirkungen stellen ein Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt dar.

Ein Verkaufsverbot wurde zudem für einen Männer-Deostift der Marke Janssen aus Deutschland von den finnischen Behörden erlassen. Der Deostift enthielt eine übermäßige Menge Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexen Carboxaldehyd (INCI), ein Hautsensibilisierungsmittel, das allergische Reaktionen oder Kontaktdermatitis auslösen kann. Das Produkt verstieß damit gegen die Verordnung über kosmetische Mittel.

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten.

Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.


 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.