Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Tischlampen, Kaffeemaschinen, Wasserkocher, Zahnbürsten und Fitness-Uhren sowie unsichere Kosmetika

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Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Tischlampen, Kaffeemaschinen, Wasserkocher, Zahnbürsten und Fitness-Uhren sowie unsichere Kosmetika


Vergangene Woche erschienen insgesamt 37 Warnmeldungen auf dem Safety Gate, dem Schnellwarnsystem der Europäischen Union. Auffällig war, dass in der KW 21 vor allem Elektro-Geräte und Kosmetika gemeldet wurden.

Die polnischen Marktaufsichtsbehörden ordneten für vier verschiedene Tischlampen-Modelle der Marke „Sinus Lighting“, hergestellt in China, die Rücknahme vom Markt, die Zerstörung des Produkts sowie die Warnung der Verbraucher vor den Risiken an. Interne Kabel der jeweiligen Artikel könnten durch den Kontakt mit scharfen Metallteilen der Lampe beschädigt werden. Der Benutzer kann durch zugängliche stromführende Teile einen Stromschlag erleiden. Die Produkte erfüllten weder die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch die der europäischen Norm EN 60598-1.

 
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Abb. 1: Tischlampe mir Stromschlag-Gefahr
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006148, Datum: 01.06.2022, Sprache: Englisch
In Griechenland stellten die Marktaufsichtsbehörden fest, dass eine aus der Türkei stammende elektrische Kaffeemaschine ebenfalls ein Stromschlagrisiko barg. Das Produkt war nicht ordnungsgemäß geerdet. Infolgedessen könnten zugängliche Teile unter Spannung stehen, der Benutzer kann sie berühren und einen elektrischen Schlag erleiden. Da die Kaffeemaschine somit weder die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch die der europäischen Norm EN 60335-1-2 erfüllte, wurde sie vom Markt genommen und außerdem vom Endkonsumenten zurückgerufen.
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Abb. 2: Nicht sichere Kaffeemaschine
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006169, Datum: 01.06.2022, Sprache: Englisch
Auch ein in China hergestellter elektrischer Wasserkocher wies das Risiko eines Stromschlags auf, wie die ungarischen Marktüberwachungsbehörden feststellten. Das Produkt erfüllte weder die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch die der europäischen Norm EN 60335, denn das zugängliche Metallgehäuse des Wasserkochers war nur durch eine Basisisolierung vom aktiven Heizelement getrennt. Außerdem enthielt die Netzanschlussleitung keinen Schutzleiter. Bei einer Störung der Basisisolierung könnte der Metallteil des Wasserkochers unter Spannung stehen und der Benutzer könnte einen elektrischen Schlag erleiden.

Für eine elektrische Zahnbürste wurde in Luxemburg ein Verbot zur Bereitstellung auf dem Markt von den Behörden erteilt. Das in China hergestellte Produkt stellte ein ernsthaftes Risiko für die Umwelt dar, da das Lot eine übermäßige Menge an Blei (gemessener Wert 84% nach Gewicht) enthielt. Blei stellt eine Gefahr für die Umwelt dar. Das Produkt entsprach somit nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS 2-Richtlinie).
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Abb. 3: Die Umwelt gefährdende elektrische Zahnbürste
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006046, Datum: 02.06.2022, Sprache: Englisch

Die rumänischen Marktaufsichtsbehörden riefen eine aus Taiwan stammende Fitness-Uhr vom Endverbraucher zurück, da diese nicht den Anforderungen der Funkgeräterichtlinie entsprach. Der Akku der Uhr könnte sich überhitzen und während des Aufladens und/oder des Gebrauchs Verbrennungen und/oder einen Brand verursachen.

Neben all diesen gefährlichen Elektronik-Produkten wurden zudem neun Warnmeldungen über unsichere Kosmetika auf dem Safety Gate veröffentlicht. So auch ein in Österreich hergestelltes Wimpern-Serum, welches das Wachstum der Wimpern fördern soll. Das Produkt enthielt den Wirkstoff Cloprostenolisopropylester (Messwert: 0,0012 Gew.-%), der unter Aufsicht eines Augenarztes verwendet werden sollte. Dieses Prostaglandin-Analogon kann bei der Anwenderin Augen- und Augenschäden verursachen und sollte von schwangeren und stillenden Frauen nicht verwendet werden, da es das Kind beeinträchtigen kann. Das Produkt entsprach nicht der Verordnung über kosmetische Mittel. 

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.  

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.