Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Produkte bei eBay, Wish und Amazon: Augengefährdende Lasergravurmaschinen, Schmuck mit Cadmium und Nickel, Hundeleinen mit Chrom VI

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Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Produkte bei eBay, Wish und Amazon: Augengefährdende Lasergravurmaschinen, Schmuck mit Cadmium und Nickel, Hundeleinen mit Chrom VI


Auch wenn die neue Marktüberwachungsverordnung seit fast einem Monat in Kraft ist, finden die europäischen Marktüberwachungsbehörden immer noch zahlreiche gefährliche Produkte, die vor allem über die Marktplätze bei Amazon, eBay, Wish und BOL vertrieben werden. Allein in den letzten beiden Wochen wurden über 70 Produkte in das Safety Gate der europäischen Union eingestellt, die Mehrzahl davon aus Online-Verkäufen.

Das Safety Gate (früher Rapex-System) ist ein Informationsaustausch-System, mit dem sich die Marktaufsichtsbehörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte informieren. Als kritisch oder schädlich eingestufte Produkte müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen, zurückgerufen oder entsprechend verändert werden.

Äußerst gefährlich waren insgesamt 7 verschiedene Lasergravurmaschinen ohne Markenbezeichnung aus China, die die deutschen Marktaufsichtsbehörden mit kostspieligen Produktrückrufen belegt haben. Von den Gravurmaschinen wurden unsichtbare Laserstrahlen völlig unbeschränkt emittiert, was zu Verletzungen der Augen und Blindheit führen kann. Die Produkte entsprachen nicht den Anforderungen der Maschinenrichtlinie und der einschlägigen europäischen Normen EN 60825, EN ISO 11553 und EN ISO 14119

Verschiedene Ringe mit den Namen „4 Couleurs Thérapie magnétique Titane Conception de bague en acier pour soulager la douleur Arthrite“ bzw. „Bio Magnetic Double Strength Magnetic Therapy Bracelet Arthritis Pain Relief Energy“ wurden in Frankreich vom weiteren Verkauf ausgeschlossen. Die Produkte aus China, die über Wish zum Preis von teilweise 3,74 € verkauft wurden, enthielten eine übermäßige Menge Cadmium (gemessener Wert: 78 Gewichtsprozent) bzw. Blei (gemessener Wert: 2,5 Gewichtsprozent.

Cadmium ist schädlich für die menschliche Gesundheit, weil es sich im Körper ansammelt, die Nieren und Knochen schädigen kann und Krebs verursachen kann. Blei ist schädlich für die menschliche Gesundheit, akkumuliert im Körper, kann Entwicklung Neurotoxizität verursachen und kann auch Auswirkungen auf gestillte oder ungeborene Kinder haben. Beide Produkte waren nicht im Einklang mit der REACH-Verordnung.



Zurückgerufen werden müssen auch online verkaufte Leder-Hundeleinen aus Indien, bei denen die Marktaufsichtsbehörden aus Deutschland eine übermäßige Menge Chrom VI (gemessener Wert: 8,2 mg/kg) gefunden haben. Ebenfalls zu hohe Chrom (VI)-Werte wiesen Wandersandalen der Marke Crane auf (gemessener Wert bis zu 28 mg/kg). Chrom (VI) sensibilisiert, kann allergische Reaktionen auslösen und Krebs verursachen.
Beide Produkte verstießen gegen die REACH-Verordnung. Die Wandersandalen müssen nicht nur zurückgerufen, sondern auch auf Kosten des Importeurs vernichtet werden.

Online verkauft wurden in Lettland Fingermagnete aus China, deren magnetischer Fluss sehr hoch war und deren Teile leicht in kleine Fragmente zerbrechen konnten. Wenn Kinder zwei oder mehr davon und/oder andere metallische Gegenstände verschlucken, könnten sie sich gegenseitig anlocken, was zu einer Darmblockade oder Perforation führt. Das Produkt war nicht im Einklang mit den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1 und muss ebenfalls zurückgerufen werden.

Gefährliches Kinderspielzeug bemängelten die Marktaufsichtsbehörden aus Polen und der Slowakei. Bei 2 Spielzeugrollern fanden die Prüfer leicht zugängliche Lücken zwischen beweglichen Teilen des Lenkers. Folglich konnten die Finger des Kindes eingeklemmt werden und zu Verletzungen führen. Bei einem der Roller waren zudem die Räder zu klein und könnten in Löchern im Boden steckenbleiben. Darüber hinaus fehlt dem Rahmen des Rollers die Markierung, die die minimale Einstecktiefe des Lenkers anzeigt. Hierdurch könnte der Lenker möglicherweise nicht richtig eingesetzt werden und sich lösen, während das Kind auf dem Roller fährt. In beiden Fällen könnte das Kind das Gleichgewicht verlieren und stürzen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

Bei einem Kinderfahrrad war die Schutzkappe am Ende der Fahrradkabel nicht ausreichend beständig und konnte leicht abgelöst werden. Der Nutzer konnte durch die Metallfäden der Seile verletzt werden. Die hintere Gewindebremse war zudem nicht mit den passenden Verriegelungselementen ausgestattet und das Pedal konnte während des Einsatzes leicht brechen. Selbst bei normaler und vorhersehbarer Nutzung könnte ein Kind leicht fallen und sich hierdurch verletzen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der einschlägigen europäischen Norm EN ISO 4210-2.

Von den portugiesischen Behörden wurden 3 Handdesinfektionsmittel vom weiteren Verkauf ausgeschlossen. Alle drei Produkte enthielten zu geringe Mengen an Ethanol und Propan (gemessene Werte: 54 GHT Ethanol und 2 GHT Propan-2-ol, 0 GHT Ethanol und 67 GHT Propan-2-ol, Ethanol: 55,5 Gew.-%) Folglich töteten die Desinfektionsmittel keine Bakterien oder Viren, wodurch das Infektionsrisiko erhöht wird. Keines der Produkte war konform mit der Verordnung über Biozidprodukte.

Bei Einweg-Nitrilhandschuhe stellten die portugiesischen Behörden zudem fest, dass das Gummi des Handschuhs zu durchlässig war. Folglich konnten kontaminierte Flüssigkeiten durch die Handschuhe passieren, wodurch das Infektionsrisiko erhöht wird. Das Produkt entsprach nicht der Verordnung über persönliche Schutzausrüstung (PSA) und muss vom Importeur vom Markt genommen werden

Ein Wimpernserum aus Polen wurde in Ungarn vom Markt genommen. Gemäß der Zutatenliste enthielt das Produkt den Wirkstoff Bimatoprost, der unter Aufsicht eines Augenarztes verwendet werden sollte. Die Anwendung des Arzneimittels könnte zu okulären und ophthalmischen Nebenwirkungen führen und sollte nicht von schwangeren und stillenden Frauen angewendet werden, da sie das Kind beeinflussen kann. Das Produkt entsprach damit nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.


Ein weiteres Produkt aus Polen, ein Kleber, wurde in Litauen mit einem Verkaufsverbot belegt. Es enthält eine übermäßige Menge an Toluol (gemessene Werte: 2,92 Gew.-%). Toluol ist neurotoxisch, wenn es inhaliert oder mit der Haut in Berührung kommt, und kann auch das ungeborene Kind beeinflussen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung.

Aufgrund der neuen Marktüberwachungsverordnung ist es seit dem 16. Juli 2021 verboten, Produkte zu verkaufen, wenn es nicht einen in der EU ansässigen Hersteller, Importeur, Bevollmächtigten oder Fulfillment-Dienstleister gibt, der auch die Verantwortung für die Produktsicherheit übernimmt. Er muss sich vergewissern, dass eine EU-Konformitätserklärung erstellt wurde, eine technische Dokumentation vorliegt, die technische Dokumentation bereithalten und für 10 Jahre speichern, den Behörden Auskünfte in der jeweiligen Landesprache geben, mit diesen zusammenarbeiten und bei gefährlichen Produkten u.U. auch einen Produktrückruf einleiten und organisieren.

Liegen diese Unterlagen nicht vor, darf dieses Produkt nicht einmal beworben werden, da lt. der neuen Verordnung die Bereitstellung auf dem Markt bereits mit der Online-Ansprache der Verbraucher beginnt. Wir raten daher unseren Kunden, gerade Online-Händlern, sich diese Verordnung genau anzusehen und dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit in Zukunft eine sehr viel größere Bedeutung beizumessen, um sich vor existenzbedrohenden Bußgeldern und Sanktionen zu schützen.

Wie offenbar schon in den letzten Wochen vermehrt zu erkennen, räumen die europäischen Marktaufsichtsbehörden dem Online-Handel aktuell eine viel höhere Priorität ein, da Ihnen die neue Marktüberwachungsverordnung hierfür das richtige Instrumentarium liefert. Hierauf sollten sich Online-Händler, Marktplätze, aber auch Importeure und Hersteller einstellen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.