Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Ladegeräte und Lichterketten bei Wish – Handschuhe mit Elektroschocks – Aufhellungscremes mit verbotenen Chemikalien

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Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Ladegeräte und Lichterketten bei Wish – Handschuhe mit Elektroschocks – Aufhellungscremes mit verbotenen Chemikalien


Vor zwei Wochen ist die neue Marktüberwachungsverordnung in Kraft getreten, durch die bei online verkauften Produkten auch die Marktplätze und die sogenannten Fulfillment-Dienstleister in die Verantwortung genommen werden können. Die Marktaufsichts- und Zollbehörden haben durch diese Verordnung weitaus bessere Möglichkeiten, zu verhindern, dass immer mehr gefährliche Produkte über den Online-Handel in die Europäische Union gelangen. Inwieweit die Behörden allerdings genügend Ressourcen und effektive Maßnahmen entwickeln, um die Verordnung auch effektiv umsetzen zu können, bleibt abzuwarten.

 

In der letzten Woche wurden zumindest fast 60 Produkte von den europäischen Marktaufsichtsbehörden im Safety Gate der europäischen Union gemeldet, viele davon online verkauft. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

 

Besonders gefährlich erwiesen sich wieder einmal Ladegeräte, Steckerleisten und Lichterketten. Eine Kombination verschiedener Ladegeräte wurde zum Preis von 1,67 € bei Wish angeboten. Die französischen Marktaufsichtsbehörden stellten bei Untersuchungen fest, dass aufgrund der mangelhaften Bauweise gelötete Leiter auf dem Primärkreis einen Teil des Sekundärkreislaufs berührten und ablösen konnten.

 

Außerdem reichten die Abstände zwischen den primären und zugänglichen Sekundärkreisen nicht aus. Darüber hinaus war die elektrische Festigkeit der Produktisolierung unzureichend. Daher konnte der Benutzer stromführende Teile leicht berühren und einen Elektroschock erhalten. Ähnliche Mängel bestanden bei 3 weiteren, über Wish verkauften, Ladegeräte sowie bei Lichterketten.

 

Bei einer Lichterkette fehlten die entsprechende Isolierung des Netzkabels, der externen Leiter und des LED-Gehäuses. Zudem war das Produkt nicht gegen Feuchtigkeit abgeschirmt, obwohl das Produkt für den Außenbereich beworben wurde. Darüber hinaus konnte die elektronische Box des Produktes leicht geöffnet werden und die Kabel waren nicht ausreichend verankert. Schließlich konnte die Lichterkette wegen unzureichender Ausdauer leicht Feuer fangen.

 

Zu welchen Konsequenzen dies führen kann, zeigt ein Unglücksfall aus dem letzten Jahr in Sachsen. Hier führte eine auf der Terrasse angebrachte Lichterkette zu einem Brand der Markise und später zur Vernichtung des gesamten Hauses. Die Produkte, die über Wish direkt an Endverbraucher verkauft wurden, entsprachen nicht den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und den einschlägigen europäischen Normen EN 61558-1, EN 61558-2-16, EN 60950-1, EN 60598-1 und EN 60598-2-20.

 

Elektroschocks konnten auch Benutzer von beheizbaren Handschuhen in Finnland erleiden. Die Produkte aus Norwegen, deren elektrische Teile ebenfalls aus China stammten, wurden von den finnischen Behörden mit einem Produktrückruf belegt. 

Die Freiraum-/Kriechstrom-Abstände zwischen den primären und zugänglichen Sekundärkreisen reichen nicht aus. Der Benutzer könnte einen elektrischen Schock durch zugängliche, stromführende Teile erhalten. Das Produkt der Marke Heat Experience

verstieß ebenfalls gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 60335-2-17.

 

In Schweden wurden verschieden Aufhellungscremes von der Elfenbeinküste und aus Pakistan vom Zoll festgehalten oder von den Marktaufsichtsbehörden verboten. Die Produkte enthielten Salicylsäure (gemessener Wert 26,1 Gew.-%), Clobetasolpropionat (gemessener Wert 0,02 Gew.-%) oder Quecksilber (gemessener Wert: 9270 mg/kg). Salicylsäure kann auf der Haut chemische Verbrennungen verursachen, Clobetasolpropionat sollte nur angewendet werden, wenn es medizinisch verschrieben wird. Eine Exposition gegenüber diesem Kortikosteroid könnte Hautreizungen verursachen und zu endokrinen Problemen führen. Quecksilber akkumuliert im Körper und kann Nieren, Gehirn und Nervensystem schädigen. Darüber hinaus kann es die Fortpflanzung und das ungeborene Kind beeinflussen. Alle Produkte waren nicht im Einklang mit der Verordnung über kosmetische Mittel.

 

Die belgischen Marktaufsichtsbehörden untersuchten verschiedene Feuerwerksprodukte und ordneten für insgesamt 11 Produkte aus Albanien, Hong Kong, Spanien und China

Produktrückrufe an. Die Produkte der Marken Zena, Bufalo und Luypaers waren alle falsch gekennzeichnet, obwohl pyrotechnische Gegenstände besonderen Anforderungen für ihre Verwendung unterliegen. Ein Verbraucher, der das Feuerwerk für Vergnügungszwecke nutzt, kann durch fehlende oder falsche Informationen und Warnhinweise leicht schwer verletzt werden. Keines der 11 Produkte entsprach den Anforderungen der Pyrotechnik-Richtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 16263.

 

In Irland wurden verschiedene elektronische Einweg-Zigaretten und deren Nachfüllbehälter vom Markt genommen. Die Produkte aus dem Vereinigten Königreich und den USA mit den Markennamen Beco und Frumist enthielten lt. Kennzeichnung Nikotin, das als akut toxisch eingestuft ist. Es fehlte jedoch eine Packungsbeilage, die dem Verbraucher Informationen über die sichere und korrekte Verwendung des Produkts liefert. Der Benutzer hatte daher keine Informationen, um die Gefahren zu vermeiden, die beim Kontakt mit der Haut oder dem Inhalieren entsteht. Die Produkte waren nicht konform mit den Anforderungen der Richtlinie über Tabakerzeugnisse.

 

Durch den oder die ungarischen Distributoren zurückgerufen werden mussten auch wieder 3 Laserpointer, deren Laserstrahl zu stark war und daher Sehschäden verursachen konnte. Die Produkte entsprach nicht der einschlägigen europäischen Norm EN 60825. Darüber hinaus wurden wieder verschiedene Spielzeugpuppen, Spielzeugsets, Wasserpistolen, Badelatschen und Schmuckstücke wegen chemischer Risiken (z.B. Phtalate DEHP und DBP) vom Markt genommen.

 

Das international tätige Handelsunternehmens Primark darf verschieden Filzstifte in Frankreich, Irland und Polen nicht mehr vermarkten. Die Filzstifte, die als Spielzeug einzustufen sind, enthielten den Duft Benzylalkohol (gemessener Wert: 160 mg/kg). Benzylalkohol kann allergische Reaktionen und Sensibilisierung auslösen. Das Produkt war nicht konform mit den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie.

 

Ebenfalls zurückgerufen werden muss ein magnetisches Spielzeug aus der Ukraine, das von den lettischen Behörden untersucht wurde. Das Produkt konnte leicht in kleine Teile zerbrechen, die Magnete mit einer hohen magnetischen Kraft enthalten. Wenn ein Kind sie schluckt, könnten sie sich gegenseitig anziehen, was zu einer Darmblockade oder Perforation führt.

 

Äußerst gefährlich für Kinder war auch ein Spielzeugroller aus China. Die Metallverriegelung und das Lenkrohr verriegeln nicht richtig. Außerdem konnte der Lenker sich leicht ablösen und es konnte zu Stürzen oder anderen Verletzungen kommen
Das Produkt entspracht, ebenso wie das magnetische Spielzeug, nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.


Diese Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure, Handelsunternehmen und seit zwei Wochen auch Online-Marktplätze und Fulfillment-Dienstleister die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.