Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Kochplatten, Schlauchboote, Gartenscheren, Plastik-Schaukeln und Schmuck mit gesundheitsschädlichen Chemikalien

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Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Kochplatten, Schlauchboote, Gartenscheren, Plastik-Schaukeln und Schmuck mit gesundheitsschädlichen Chemikalien


Vergangene Woche erschienen insgesamt nur 24 Warnmeldungen auf dem Safety Gate, dem Schnellwarnsystem der EU für gefährliche Produkte. Auffällig war, dass so gut wie keine Spielzeuge gemeldet wurden, dafür vor allem Produkte für den Heim- und Freizeitgebrauch sowie Schmuck.

Gleich zwei Kochplatten wurden von den ungarischen Marktaufsichtsbehörden aufgrund eines Stromschlag-Risikos vom Markt genommen. Die beiden aus China stammenden Artikel entsprachen weder den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch denen der europäischen Norm EN 60335.

Bei der Kochplatte der Marke „Nedis“ war der Schutzleiter des an das Gerät angeschlossenen Netzkabels früher gespannt als die anderen Leiter. Beim Ziehen könnte der Durchgang des Schutzleiters unterbrochen werden und die zugänglichen Metallteile könnten unter Spannung stehen. Bei dem anderen Artikel der Marke „HOOMEI“ hingegen könnte das Netzanschlusskabel durch Kontakt mit heißen Teilen schmelzen und stromführende Teile könnten zugänglich werden.
Beide möglichen Szenarien würden zu einem Stromschlag des Nutzers führen.

 
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Abb. 1: Kochplatte mit Stromschlaggefahr
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006125, Sprache: Englisch, Datum: 25.05.2022
In Lettland ordneten die Marktaufsichtsbehörden ein Schlauchboot als gefährlich ein, da das Handbuch zum Produkt keine Anweisungen bezüglich des Wiedereinstiegs enthielt und auch andere erforderliche Informationen und Warnhinweise fehlten. Wenn ein Benutzer ins Wasser fällt, kann es schwierig sein, wieder einzusteigen, da nicht leicht zu erkennen ist, wie das geht. Der Benutzer läuft dann Gefahr, sich zu unterkühlen oder zu ertrinken. Das Produkt entsprach also nicht den Anforderungen der Richtlinie über Sportboote und Wassermotorräder. Die lettischen Marktüberwachungsbehörden ordneten somit an, dass die Konformitätsmängel vom Hersteller behoben werden.

In Finnland wiederum wurde die Einfuhr einer in China hergestellten Gartenschere aufgrund eines chemischen Risikos an der Grenze abgelehnt. Die Griffe der Gartenschere enthielten eine übermäßige Menge an Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) (Messwert bis zu 17 Gewichtsprozent). Diese Phthalate können die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise ihr Fortpflanzungssystem beeinträchtigen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung.

Eine in Polen hergestellte Plastik-Tellerschaukel wurde in Ungarn vom Endkonsumenten zurückgerufen, sie wurde zudem vom Markt genommen und der Hersteller wurde zu Korrekturmaßnahmen aufgefordert. Die Schaukel ist nicht ausreichend belastbar. Infolgedessen kann sich der Sitz unter Belastung vom Seil lösen und das Kind kann von der Schaukel fallen und sich verletzen. Das Produkt entsprach nicht der europäischen Norm EN 71-8.
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Abb. 2: Unsichere Tellerschaukel
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006130, Sprache: Englisch, Datum: 25.05.2022
Eine in Deutschland hergestellte Beißschiene für Pferde wurde von den deutschen Behörden vom Endverbraucher zurückgerufen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit. Die Kunststoffteile des Gebisses waren spröde und könnten brechen. Ein Reiter könnte die Kontrolle über sein Pferd verlieren, stürzen und sich verletzen.

Über die genannten Produkte hinaus wurden noch einige Schmuckstücke auf dem Schnellwarnsystem gemeldet. So wurde die Einfuhr eines Ringes aus China an der italienischen Grenze abgelehnt, weil das Produkt eine übermäßige Menge an Nickel freisetzte (Messwert bis zu 0,74 μg/cm²/Woche). Nickel ist ein starker Sensibilisator und kann allergische Reaktionen hervorrufen, wenn es in Artikeln enthalten ist, die direkt und längere Zeit mit der Haut in Berührung kommen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der REACH-Verordnung.

Haarnadeln aus China mussten auf Anweisung der finnischen Behörden sogar zerstört werden. Auch dieses Produkt barg ein chemisches Risiko und stand nicht im Einklang mit der REACH-Verordnung. Das Metallmaterial der Haarnadeln enthielt eine übermäßige Menge an Cadmium (gemessener Wert 72 Gewichtsprozent). Cadmium ist schädlich für die menschliche Gesundheit, da es sich im Körper anreichert, Nieren und Knochen schädigen kann und Krebs verursachen kann. Das Metallmaterial der Haarnadeln enthielt zudem eine übermäßige Menge an Blei (gemessener Wert: 81 Gewichtsprozent). Blei ist schädlich für die menschliche Gesundheit, reichert sich im Körper an, kann Entwicklungsneurotoxizität verursachen und auch gestillte oder ungeborene Kinder beeinträchtigen.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht.
Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.