Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Kinderfilzstifte, Spielzeug-Klarinetten und Haarfärbemittel

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Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Kinderfilzstifte, Spielzeug-Klarinetten und Haarfärbemittel


Auch vergangene Woche gab es wieder 41 Warnmeldungen auf dem Safety Gate (ehemals RAPEX), dem Schnellwarnsystem der Europäischen Kommission. Besonders auffällig war in der Woche 17 des Jahres 2022 die große Anzahl an Spielzeug, die als gefährlich eingestuft wurde.

So wurden zum Beispiel Filzstifte für Kinder von den belgischen Marktaufsichtsbehörden zurückgerufen, da sie nicht den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie und den europäischen Normen EN 71-10 und EN 71-11 entsprachen. Die in China produzierten Filzstifte enthielten eine Mischung aus den Konservierungsstoffen Methylchlorisothiazolinon und Methylisothiazolinon (MCI/MI, Messwerte: bis zu 5,2 mg/kg bzw. 7,3 mg/kg). Dermaler Kontakt mit MCI- und MI-haltigen Produkten kann bei sensibilisierten Personen eine allergische Kontaktdermatitis hervorrufen.

 
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Abb. 1: Filzstifte mit gefährlichen Chemikalien
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005465, 04.05.2022, Sprache: Englisch
Eine Spielzeugklarinette aus Italien barg ein Erstickungsrisiko. Die Tasten des Instruments lösten sich zu leicht, wodurch kleine Einzelteile entstanden. Ein kleines Kind, das mit dem Instrument spielt, könnte sie in den Mund nehmen und daran ersticken. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1 und wurde somit vom Markt genommen.

Dreimal wurden durch die polnischen Behörden Spielzeugschleim-Artikel mit gefährlichen Chemikalien identifiziert. Alle drei Produkte wurden in China hergestellt und entsprachen weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-3. Wie die Marktaufsichtsbehörden feststellten, war die Migration von Bor aus dem Spielzeug zu hoch (Messwert bis zu 1101 mg/kg). Das Verschlucken oder der Kontakt mit einer zu großen Menge dieses Stoffes kann die Gesundheit von Kindern durch Schädigung ihres Fortpflanzungssystems beeinträchtigen. Als Reaktion auf diese Gegebenheiten ordneten die polnischen Marktaufsichtsbehörden die Warnung der Konsumenten, die Rücknahme des Produkts vom Markt sowie die Zerstörung des Produkts an.

Eine online auf Amazon und Cdiscount vertriebene Spielzeugspinne wurde durch die französischen Marktüberwachungsbehörden zurückgerufen. Das auf den Philippinen hergestellte Produkt barg ein Erstickungs- sowie ein Strangulierungsrisiko und entsprach weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1. Das Spielzeug verfügte über einen kleinen Metallring, der sich leicht lösen konnte. Ein Kind könnte diesen in den Mund nehmen und daran ersticken. Außerdem war an dem Spielzeug eine lange Schnur angebracht, die sich um den Hals des Kindes wickeln und zu einer Strangulation führen kann.
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Abb. 2: gefährliche Spielzeugspinne
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10004960,Datum: 04.05.2022, Sprache: Englisch
In Rumänien nahmen die Marktaufsichtsbehörden eine Kinderbluse vom Markt, da diese zu Verletzungen führen konnte. Die Bluse hatte lange Kordeln, die vorne im Taillenbereich zusammengebunden werden konnten. Diese könnten sich bei normalen Alltags-Aktivitäten und beim Toben der Kinder verfangen und zu Verletzungen führen. Somit entsprach das Produkt weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 14682.

Neben diesen und weiteren Spielzeugen, die vergangene Woche im Safety Gate auftauchten, gab es wieder mehrere nicht ausreichend schützende Fahrradhelme, gefährliche Chemikalien enthaltende Kunstnägel und Kosmetika. Auch ein Haarfärbemittel vom Hersteller dm wurde zurückgerufen und vom Markt genommen. Für die Zubereitung des Produkts musste der Benutzer die Farbe mischen und schütteln. Bei den beiden betroffenen Farbtönen konnte sich durch die Bildung von Peroxid ein Druck im Behälter aufbauen. Infolgedessen konnte beim Öffnen der Flasche ein Teil des Produkts herausspritzen und zu Augenverletzungen führen. Das Produkt entsprach nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.