Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Kettensäge aus China – entflammbares Kinderzelt – Verletzungen durch Kinderschaukel

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Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Kettensäge aus China – entflammbares Kinderzelt – Verletzungen durch Kinderschaukel


In der vergangenen Woche tauchten überraschend wenige Produkte im Safety Gate der Europäischen Union auf. Ob dies auf sicherere Produkte zurückzuführen ist oder vielmehr auf die Urlaubssaison und weniger Kontrollen, lässt sich aus den veröffentlichten Warnmeldungen und Informationen nicht erkennen. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Zwar wurden in der letzten Woche weniger Produkte als gefährlich eingestuft, diese verursachten aber teilweise dramatische Risiken bzw. Gefahren für die Benutzer. Und auch für die beteiligten Hersteller, Importeure oder Distributoren ergeben sich durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe große finanzielle Schäden.

So bemängelten die Marktaufsichtsbehörden aus Polen den Griff einer Kettensäge aus China. Der Griff konnte leicht brechen, während das Produkt in Gebrauch ist. Folglich kann der Anwender das Produkt möglicherweise nicht richtig halten oder es sogar verlieren, wodurch es zu erheblichen Verletzungen und Schnittwunden kommen kann. Darüber hinaus war auch der Kettenfänger unzureichend konstruiert, der den Nutzer bei einem Bruch der Kette schützen soll. Hierdurch ergab sich ebenfalls ein beträchtliches Verletzungsrisiko. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Maschinenrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 11681. Die Kettensäge muss vom Importeur vom Markt genommen werden.

Ein Spielzeugzelt, ebenfalls aus China, barg mehrere Risiken gleichzeitig: Schnittwunden, Verletzungen und Feuergefahr. Das Material des Zeltes hatte ein hohe Entflammbarkeit, so dass das Zelt leicht Feuer fangen konnte und ein Kind schwere Verbrennungen erleiden könnte. Zudem konnte der Rahmen des Zeltes leicht brechen, so dass ein Kind durch scharfe Elemente Schnittwunden und Verletzungen erleiden kann. Das Spielzeugzelt war nicht konform mit den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Normen EN 71-1 und EN 71-2.

Ebenfalls gegen die Spielzeugrichtlinie und die EN 71-1 verstieß ein Teddybär, den die Marktaufsichtsbehörden in Kroatien beanstandeten und dessen Gefahren immer wieder bei Plüschfiguren oder ähnlichen Spielzeugen auftauchen. Aufgrund der Schwäche bestimmter Nähte war das faserige Füllmaterial des Spielzeugs leicht zugänglich. Darüber hinaus hatte der Teddy kleine Teile (Kunststoffaugen), die sich vom Spielzeug ablösen. Ein Kind kann die Füllung oder die kleinen Teile in den Mund nehmen und daran ersticken. Der Importeur dieser Produkte muss nicht nur den Verkauf einstellen und die Produkte vom Markt nehmen, sondern die verkauften Produkte auch beim Endverbraucher auch zurückrufen und alle Produkte zerstören.

Neben diesen Teddybären verboten die polnischen Marktaufsichtsbehörden auch ein raupen-förmiges Spielzeug, das aus vier fest angeschlossenen kugelförmigen Elementen aus weichem Kunststoff bestand. Das Spielzeug war sehr elastisch und konnte während des Gebrauchs erheblich gestreckt werden. Ein Kind könnte das Spielzeug um den Kopf schwingen und es um den Hals drehen, was zu einer Strangulation führen könnte. Auch dieses Spielzeug entsprach nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der EN 71-1.

Die dänischen Behörden erteilten zudem ein Verkaufsverbot für eine Babyschaukel aus Holz. Die Babyschaukel verfügte über leicht zugängliche Öffnungen und Löcher, in denen Kinder gefangen werden oder Verletzungen erleiden können. Das Produkt verstieß gegen die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie, insbesondere gegen die einschlägige europäische Norm EN 71-8.

Neben diesen Spielzeugen wurde auch wieder verschiedene Atemschutzmasken, Schmuckstücke oder Lasergravurmaschinen mit Verkaufsverboten belegt, was nicht nur zu Umsatzverlusten, sondern auch zu weiteren finanziellen Schäden für die betroffenen Unternehmen führt.

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.
 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.