Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Haartrockner, Kinderhochstühle, Trainingsanzüge und diverse unsichere Spielzeuge

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Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Haartrockner, Kinderhochstühle, Trainingsanzüge und diverse unsichere Spielzeuge


Vergangene Woche erschienen insgesamt 34 Warnmeldungen auf dem Safety Gate, dem Schnellwarnsystem der Europäischen Union. Dieses Mal waren wieder auffallend viele Produkte aus dem Bereich des Spielzeugs, aber auch einige Elektrogeräte vertreten.

Die ungarischen Marktaufsichtsbehörden lehnten die Einfuhr eines aus China stammenden Haartrockners an der Grenze ab. Das Produkt barg ein Verbrennungs- sowie ein Stromschlag-Risiko. Der Haartrockner verfügte nicht über eine thermische Abschaltvorrichtung. Außerdem war das Kunststoffmaterial des Gehäuses brennbar. Daher konnte sich der Haartrockner während des Gebrauchs überhitzen und in Brand geraten, wodurch der Benutzer Verbrennungen erleiden könnte. Das Netzkabel war nicht ausreichend gegen Ziehen und Verdrehen geschützt. Die Isolierung und die Größe der Stifte des Netzsteckers waren unzureichend, so dass stromführende Teile zugänglich waren. Der Benutzer könnte die stromführenden Teile berühren und einen elektrischen Schlag erleiden. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 60335.

In Lettland nahmen die Marktüberwachungsbehörden einen in Polen hergestellten Kinderhochstuhl vom Markt. Mit dem Produkt ging ein Verletzungsrisiko einher. Der horizontale Abstand zwischen der vorderen Fläche der Rückenlehne und dem Schrittgurt war zu groß. Das Kind könnte sich aus dem Rückhaltesystem befreien, auf die Beine kommen, aus dem Stuhl auf den Boden fallen und sich verletzen. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 14988.

 
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Abb. 1: gefährlicher Kinder-Hochstuhl
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006175, Sprache: Englisch, Datum: 08.06.2022

Für einen aus Litauen stammenden Kinder-Trainingsanzug ordneten ebenfalls die litauischen Marktaufsichtsbehörden die Rücknahme vom Markt an. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 14682. In der Kapuze des Pullovers ist eine Kordel mit zwei freien Enden eingefädelt gewesen. Diese könnten sich bei verschiedenen Aktivitäten eines Kindes verfangen und zu Strangulationen führen.

Aufgrund eines Umweltrisikos vom Markt zurückgenommen wurde eine Spielzeuglokomotive durch die tschechischen Behörden. Das in China hergestellte Produkt stand nicht mit den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS 2-Richtlinie) im Einklang. Das Lot enthielt eine übermäßige Menge an Blei (gemessener Wert bis zu 85,9 Gewichtsprozent) und dieses Material stellt eine Gefahr für die Umwelt dar. 

Sowohl eine Spielzeug-Rassel als auch ein Spielzeug-Holzelefant der Marke „Playtive“, in Deutschland hergestellt, wurden von den Endverbrauchern zurückgerufen. Dies erfolgte auf Anweisung der schwedischen Marktaufsichtsbehörden. Beide Produkte verfügten über kleine Teile, die sich leicht vom Spielzeug lösen konnten. Ein Kleinkind könnte diese in den Mund nehmen und daran ersticken. Somit entsprach das Produkt weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1.

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Abb. 2: Holzelefant für Kinder mit Erstickungsrisiko
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005804, Sprache: Englisch, Datum: 08.06.2022
Auch ein aus China stammendes „Avengers“-Spielzeugpistolen-Set barg ein Erstickungsrisiko. Die Schaumstoffprojektile, die in dem Set enthalten waren, waren zu klein, um sicher zu sein. Ein Kind, das mit dem Spielzeug spielt, könnte die Geschosse in den Mund nehmen und daran ersticken. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1, weshalb die litauischen Marktüberwachungsbehörden das Produkt vom Markt nahmen.

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.