Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche E-Roller und Hoverboards – 18 Spielzeugpuppen mit Phtalaten – ChromVI in Kawasaki-Handschuhen

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Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche E-Roller und Hoverboards – 18 Spielzeugpuppen mit Phtalaten – ChromVI in Kawasaki-Handschuhen



Auch in der letzten Woche tauchten wieder über 50 gefährliche Non-Food-Konsumgüter im Safety Gate der Europäischen Union auf. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Die ungarischen Marktaufsichtsbehörden haben sich offenbar intensiver mit E-Rollern, Hoverboards und anderen elektrischen Produkten beschäftigt. Zwei E-Roller der Marken Denver und Forever Joy, beide aus China, verfügten über keine Einrichtung, bei der die Zelltemperatur der Batterie überwacht wurde. Die E-Scooter konnten beim Laden
Überhitzen, was zu Bränden und Verbrennungen der Nutzer führen konnte.

Bei einem Produkt hatte das Ende des Rollergriffs einen kleineren Durchmesser als erforderlich und die Durchmesser der Verriegelungslöcher am Lenker waren größer als der erforderliche Wert. Diese Konstruktions- bzw. Produktionsfehler konnten zu Verletzungen der Finger oder Stürzen durch Abrutschen vom Lenker führen.

Bei dem anderen E-Scooter war die mechanische Festigkeit der Lenksäule unzureichend und konnte sich während des Gebrauchs verformen oder brechen. Die Fahrer bzw. Fahrerinnen könnten hierdurch leicht die Kontrolle verlieren, vom E-Scooter fallen und Verletzungen erleiden.

Auch bei einem Hoverboard der bekannten japanischen Marke Kawasaki fehlte nach Untersuchungen der ungarischen Marktaufsichtsbehörden eine Temperaturkontrolle beim Ladevorgang. Auch dieses Hoverboard konnte zu Verbrennungen und Feuer führen. Darüber hinaus zeichnete das Produkt eine schlechte Qualität aus, da die Netzkabel durch ein Stahlrohr mit Bohrkanten an beiden Enden geführt werden. Während der Lebensdauer des Produkts wird die Isolierung der Netzkabel durch die scharfen Kanten so beschädigt, dass in der Batterie Kurzschluss auftreten und während des Gebrauchs explodieren kann. Die E-Scooter und Hoverboards entsprachen nicht den Anforderungen der Maschinenrichtlinie bzw. der Niederspannungsrichtlinie und den einschlägigen europäischen Normen EN 60335-1, EN 60335-2, EN 62133-2 und EN 71-1.

Die betroffenen Produkte müssen von den jeweiligen Distributoren von den Endkonsumenten zurückgerufen werden, was beträchtliche Kosten verursacht. Letztendlich dürfte der Rückruf aber dennoch preiswerter sein als wenn eines der Produkte tatsächlich ein Feuer ausgelöst hätte. Erst kürzlich hatte ein amerikanisches Gericht einer Amazon-Kundin eine hohe Entschädigungssumme zugesprochen, da ein Hoverboard, das über den Marktplatz gekauft wurde, aufgrund der gleichen Mängel wie oben beschreiben, zu Verbrennungen und einem Brand der Wohnung geführt hatte.

Ebenfalls nicht konform mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der Norm EN 60335-2-41 war eine Tauchpumpe, die die ungarischen Behörden untersucht haben. Das Netzkabel war nicht richtig verankert und die zugänglichen Drähte können mit scharfen Kanten der Gehäuseteile in Berührung kommen. Das Kabel konnte sich lösen oder beschädigt werden, so dass stromführende Teile zugänglich waren. Dies konnte für den Nutzer zu einem elektrischen Schock führen.

Spielzeuge und insbesondere Spielzeugpuppen standen im Fokus der polnischen Marktaufsichtsbehörden. Nicht weniger als 18 verschiedene Modelle, alle aus China oder aus unbekannter Herkunft, enthielten zu hohe Konzentrationen der Phtalate Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP), Di-isononylphthalat (DINP) oder Dibutylphthalat (DBP), teilweise bis 36,6 Gew.-%. Ein Produkt enthielt alle drei dieser als überaus kritisch angesehen Substanzen, die in der Regel als Weichmacher eingesetzt werden.
Die Phthalate können die Gesundheit von Kindern schädigen, wodurch möglicherweise ihr Fortpflanzungssystem und ihre Leber geschädigt werden. Die Produkte verstießen allesamt gegen die REACH-Verordnung.

Ebenfalls nicht REACH-konform war ein Hüpfball aus China, dessen Kunststoffmaterial eine übermäßige Menge an Diisobutylphthalat (gemessen bis: 37,67 GHT) enthielt. Auch dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen, was zu möglichen Schäden an ihrem Fortpflanzungssystem führt.

An der polnischen Grenze abgelehnt wurde zudem ein batteriebetriebenes Rennauto.
Das Kunststoffmaterial des Spielzeugs enthält eine übermäßige Menge an Benzylbutylphthalat (BBP), Diisodecylphthalat (DIDP) und Di-n-octylphthalat (DNOP) (gemessene Werte bis: 0,32 %, 0,56 % bzw. 0,21 Gew.-%).

Zurückrufen muss der Distributor der japanische Marke Kawasaki nicht nur das Hoverboard, sondern auch Motorradhandschuhe aus Leder. Die betreffenden Produkte
enthielten zu hohe Chrom VI-Werte (gemessener Wert: 25,3 mg/kg). Chrom (VI) sensibilisiert, kann allergische Reaktionen auslösen und Krebs verursachen. Das Produkt entsprach nicht den Vorschriften für persönliche Schutzausrüstung, der REACH-Verordnungen sowie den einschlägigen europäischen Normen EN 13594 und EN 420.

Dieses Beispiel zeigt erneut, dass selbst namhafte Unternehmen mit Produkten, die das Kernsortiment abrunden sollen, oft Probleme bzgl. der Produkt- und Rechtskonformität bekommen. Diese Produkte werden oft von verschiedenen Zulieferern gefertigt, die Unternehmen kennen die Produkte und deren Anforderungen kaum und das Qualitätsmanagement fühlt sich für diese Randprodukte oft nicht wirklich zuständig. Durch derartige Produktrückrufe entstehen nicht nur hohe Kosten bei vergleichsweise geringen Umsätzen, sondern Hierdurch kann auch die Marke erheblichen Schaden nehmen.

Die Marktaufsichtsbehörden in Bulgarien erließen Verkaufsverbote für drei verschiedene Schlafsäcke für Babys und Kleinkinder. Die Griffe des Reißverschlusses (zipper) der jeweiligen Produkte konnten sich leicht ablösen. Ein Kind könnte diese in den Mund stecken und daran ersticken. Die Produkte waren nicht konform mit den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der einschlägigen europäischen Norm EN 16781:2018.

Zurückgerufen müssen auch sogenannten Babynester, da die Kordelzugteile am Unterteil des Produkts zu lang waren. Der Kopf des Babys konnte leicht durch die Zugbänder, was zu einer Strangulation führen könnte. Das Produkt verstieß gegen die Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und die einschlägigen europäischen Normen EN 16890, EN 16780, EN 16781 und EN 1466.

Ebenfalls zurückgerufen werden müssen auch wieder zahlreiche Atemschutz- bzw. FFP2-Masken. Marktaufsichtsbehörden aus Estland, Deutschland, Italien, Malta, Rumänien und Island stellten mangelnde Partikel/Filterretention (z.B. lediglich 32 %) und Gesamtfiltrationskapazitäten (z.B. lediglich 40 %) fest. Einige Masken passten zudem nicht korrekt zum Gesicht des Benutzers. Folglich konnten übermäßige Mengen an Partikeln oder Mikroorganismen durch die Maske gehen, so dass die betroffenen Nutzer nicht angemessen geschützt werden. Die Produkte waren alle nicht konform mit der Verordnung über persönliche Schutzausrüstung und der einschlägigen europäischen Norm EN 149.

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.