Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Autokindersitze – kontaminierte Fingermalfarben – auseinanderbrechende Abfallbehälter

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Rapex-Report am Donnerstag: Gefährliche Autokindersitze – kontaminierte Fingermalfarben – auseinanderbrechende Abfallbehälter



Auch in der letzten Woche tauchten wieder zahlreiche gefährliche Non-Food-Konsumgüter im Safety Gate der Europäischen Union auf. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Ein Autokindersitz aus China der Marke Sparco wurde von den finnischen Marktaufsichtsbehörden mit einem Produktrückruf belegt. Bei einem Frontalaufprall bot der Autokindersitz möglicherweise nicht den erforderlichen Schutz gegen Kopfverschiebungen. Infolgedessen könnte das Kind schwer verletzt werden. Außerdem entspracht die in der Gebrauchsanweisung angegebene Gewichtsgruppe nicht derjenigen, die auf dem Etikett angegeben war und für die das Produkt bestimmt ist. Das Produkt erfüllte nicht die Regelung UN/ECE N. 44-04.

Bei einem Set von Fingermalfarben wurde bei der gelben und blauen Farbe eine Kontamination mit Pseudomonas aeruginosa festgestellt (gemessener Wert: 240000 cfu/g). Hierdurch bestand das Risiko von Infektionen, da die Farbe mit dem Mund, den Händen und den Augen oder mit der bereits beschädigten Haut in Berührung kommen kann. Das Produkt verstieß gegen die Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie. Die deutschen Marktaufsichtsbehörden ordneten auch bei diesem Produkt die Rücknahme und einen Produktrückruf beim Endverbraucher an.

Verschiedenste Mängel und Gefahren wies eine Hebebühne für Abfallbehälter in Spanien auf. Durch die falsche Konstruktion bzw. Herstellung bestand nicht nur das Risiko des Auseinanderbrechens während des Betriebs, sondern auch, dass Gegenstände herabfallen oder sogar herausgeschleudert werden konnten. Zudem hatte das Produkt scharfe Kanten und war nicht wasserdicht, was weitere Risiken implizierte. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und muss ebenfalls zurückgerufen werden.

In Italien bemängelten die Marktaufsichtsbehörden verschiedene Steckerleisten (4-, 5-, 6-und 7-fache Multistecker) und einen 3-fach-Adapter der Marke Aigostar aus China. Die stromführenden Stiftlöcher der Steckdosen werden nicht automatisch verschlossen, wenn kein Stecker eingesteckt ist. Dadurch könnte Wasser eindringen und ein Benutzer oder ein Kind könnte einen Gegenstand in stromführende Teile einführen. Hierdurch könnte es zu einem elektrischen Schlag kommen. Das Produkt war nicht konform mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der entsprechenden nationalen Norm.

Bei verschiedenen Stromkabeln, ebenfalls aus China, konnte aufgrund einer falschen Ampere-Kennzeichnung zu viel Strom durch das Kabel fließen. Dies könnte zu einer Zündung bzw. Entflammung führen und sich auf umliegende brennbare Materialien ausbreiten. Die Folge könnte ein Brand sein. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 60335.

Vom weiteren Verkauf ausgeschlossen wurde in Ungarn ein Badespielzeugset. Kleine Kunststoffteile konnten sich leicht lösen. Ein Kind könnte diese in den Mund nehmen und daran ersticken. Das Spielzeugset war nicht konform mit den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1.

An der italienischen Grenze abgelehnt wurde ein Spielzeugpool aus Taiwan. Der Pool war mit Spielbällen versehen und wurde auch online verkauft. Das Kunststoffmaterial des Spielzeugs enthielt eine übermäßige Menge an Diisodecylphthalat (DIDP) (gemessen bis: 20,09 Gewichtsprozent). Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen, was zu möglichen Schäden an ihrem Fortpflanzungssystem führt. Das Produkt verstieß damit gegen die REACH-Verordnung.

Ebenfalls nicht mit der REACH-Verordnung kompatibel waren Fußkettchen, die in Deutschland über Amazon verkauft wurden. Die Fußkettchen enthielten übermäßige Mengen an Cadmium (gemessene Werte: bis zu 98,3 Gew.-%) und müssen daher von Amazon aus dem Sortiment genommen werde. Cadmium ist schädlich für die menschliche Gesundheit, weil es sich im Körper ansammelt, die Nieren und Knochen schädigen kann und Krebs verursachen kann.

Nicht konform mit der RohS-Richtlinie war eine LED-UV-Nagellampe in Slowenien. Der Bleigehalt in verschiedenen Teilen des Produkts lag über den Konzentrationsgrenzwerten. Das Produkt verstieß damit gegen Artikel 4 Absatz 1 der Richtlinie 2011/65/EG zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten.

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.


 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.