Rapex-Report am Donnerstag: Frankreich verbannt Wish aus Suchmaschinen - Rückrufe für E-bike-Akkus, kleine Motoren und Babytragetaschen

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Rapex-Report am Donnerstag: Frankreich verbannt Wish aus Suchmaschinen - Rückrufe für E-bike-Akkus, kleine Motoren und Babytragetaschen



In vielen unserer Rapex-Reports der letzten Monate tauchen immer wieder Produkte des Online-Marktplatzes Wish auf, da Produkte dieses Online-Anbieters gefährlich waren und zurückgerufen werden mußten. Nun hat der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire verfügt, dass Wish in Frankreich aus den Ergebnissen von Suchmaschinen wie Google verschwinden soll. Auch andere Online-Dienste sollen nicht mehr auf die Plattform verweisen.

Lt. Heise Online begründet der Minister die Entscheidung mit einer stichprobenartigen Überprüfung von Produkten, die auf Wish angeboten wurden. Es zeigte sich, dass viele Artikel nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprachen und zum Teil äußerst gefährlich für die Verbraucher waren. Besonders bei Spielzeugen und Elektroprodukten waren die Ergebnisse dramatisch: 95 Prozent der Spielzeuge entsprachen nicht den gesetzlichen Vorschriften, 45 % wurden als gefährlich eingestuft. 95 % der Elektrogeräte waren ebenfalls nicht gesetzeskonform, 90 % sogar gefährlich.

Nicht nur die Produktsicherheit sehen die französischen Behörden als kritisch an, auch die verordneten Produktrücknahmen und -rückrufe wurden von Wish „nicht zufriedenstellend“ durchgeführt. Mitunter wurden gefährliche Produkte zwar von der Plattform entfernt, später aber unter anderem Namen wieder angeboten worden.

Da Wish auch den Aufforderungen Frankreichs, diese Mängel innerhalb von zwei Monaten zu beseitigen, nicht nachkam, erfolgte nun die Auslistung aus den Suchmaschinen. Wenn Wish.com nun ebenfalls nicht reagieren sollte, will das Land die Seite komplett verbieten.

Dass das Thema Produktsicherheit von den europäischen Behörden ein sehr viel stärkeres Gewicht erhalten hat, zeigen auch die Rapex-Meldungen der letzten Woche. Im Safety Gate der europäischen Union tauchten wieder mehr als 50 gefährliche Produkte auf. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Neben 10 Laserschutzbrillen, die nicht den Vorschriften für persönliche Schutzausrüstung entsprachen und 16 verschiedenen Spielzeugen und Kleidungsstücken für Kinder, wurden auch wieder verschiedene Elektroprodukte, Atemschutzmasken, Sport- und Freizeitartikel, Schmuckstücke und Werkzeuge von den europäischen Marktaufsichtsbehörden vom Markt genommen.

Bei einem Akku für Elektrofahrräder, die in verschiedenen Städten in Frankreich, Belgien und Irland vermarktet wurden (Lyon, Brüssel und Dublin), konnte die Batterie aufgrund eines Herstellungsfehlers einen Kurzschluss erleiden, was zu einem plötzlichen Stopp des Motors führen konnte. Eine mögliche Entgasung der Batterie konnte zudem zu Feuer und einer Explosion der Batterie führen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Maschinenrichtlinie und den europäischen Normen EN 15194 und EN 62133-2 und muss bei den Endverbrauchern zurückgerufen werden

Bei einem kleinen Einphasen-Asynchronmotor mit 2,2 kW Nennleistung entdeckten die ungarische Marktaufsichtsbehörden, dass zugängliche Metallteile aufgrund der nicht ordnungsgemäß verankerten Drahtenden des Hauptkabels, der unzureichenden Isolierung der stromführenden Teile und der Unterbrechung der Schutzleiterkontinuität unter Strom stehen können. Der Benutzer könnte hierdurch einen elektrischen Schock erleiden. Darüber hinaus war die Maschine aus China, die vor allem online vertrieben wurde, nicht mit einem verriegelten Schaltgerät ausgestattet. Daher konnte die Maschine unerwartet starten und den Benutzer oder auch andere Personen verletzen. Das Produkt verstiess gegen die Anforderungen der Maschinenrichtlinie und die einschlägige europäische Norm EN 60204 und muss ebenfalls vom Distributor zurückgerufen werden

Die irischen Marktaufsichtsbehörden sprachen ebenfalls einen Produktrückruf für eine Tragetasche für Babys, ebenfalls aus China, aus. Die Kunststoffscheibe, mit der der Kindersitz an den Schulter- und Hüftgurten des Erwachsenen befestigt ist, konnte versagen, und auch das Schloss, mit dem das Kind festgehalten wird, konnte brechen. Infolgedessen könnte das Kind herausfallen und schwere Verletzungen erleiden.
Das Produkt war nicht konform mit den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit.

Nicht mehr online vertrieben werden dürfen Bewässerungsschnüre aus China. Das Produkt enthielt nicht nur 2-Ethylhexylphthalat (DEHP) (gemessener Wert bis zu 40 Gewichtsprozent), sondern auch Cadmium (gemessener Wert: 0,04 Gew.-%). Das Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen und das Fortpflanzungssystem beeinträchtigen. Cadmium verursacht Schäden an Organen, wenn sie geschluckt oder eingeatmet werden, und kann Krebs sowie ein Risiko für die Umwelt verursachen. Das Produkt war nicht konform mit der REACH-Verordnung und muss.

Verkaufsverbote sprachen die schwedischen Marktaufsichtsbehörden für einen Stoff- bzw. Gewebe Rasierer, einen Stoff-Bedampfer, einen Sicherheitskartenhalter mit integrierter Powerbank, eine LED-Lampe und einen LED-Projektor aus. Alle fünf Produkte aus China enthielten an verschiedenen Lötstellen zu viel Blei (zwischen 6% und 75 Gewichts %). Blei stellt eine Gefahr für die Umwelt dar. Die Produkte entsprachen nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS 2-Richtlinie).

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten.

Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.