Rapex-Report am Donnerstag: Finnische Marktaufsichtsbehörden vergangene Woche besonders wachsam

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Rapex-Report am Donnerstag: Finnische Marktaufsichtsbehörden vergangene Woche besonders wachsam


In der vergangenen Woche erschienen insgesamt 39 Warnmeldungen auf dem Safety Gate, dem Schnellwarnsystem der Europäischen Union (früher Rapex). Auffallend aktiv war in der KW 41 der Mitgliedstaat Finnland.

 

Reflektor für die dunkle Jahreszeit, der nicht ausreichend schützt

Ein reflektierender Anhänger zur Erkennbarkeit im Dunkeln wurde wegen eines Verletzungsrisikos durch die finnischen Marktüberwachungsbehörden von den Endverbrauchern zurückgerufen. Das Produkt reflektierte kein Licht. Infolgedessen wäre der Benutzer in Situationen, in denen eine hohe Sichtbarkeit erforderlich ist, nicht ausreichend sichtbar und könnte Verletzungen erleiden. Das aus China stammende Produkt entsprach weder der Verordnung über persönliche Schutzausrüstungen noch der europäischen Norm EN 13356.

Erstickungsgefahr durch Spielzeugpistolen und Spielzeug-Bogensets

Auch zwei verschiedene Modelle Spielzeugpistolen-Sets aus China wurden vom Markt zurückgenommen, der Verkauf wurde eingestellt und die Produkte wurden von den Endverbrauchern zurückgerufen. Auch diese Maßnahmen wurden durch die finnischen Marktaufsichtsbehörden erwirkt. Grund hierfür war, dass das Produkt leicht kleine Teile (Saugnäpfe an Kugeln) freisetzen konnte. Ein Kind könnte sie in den Mund nehmen und daran ersticken. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1.

In Ungarn wurde die Einfuhr eines Spielzeug-Bogen-Sets aus China an der Grenze abgelehnt. Die Saugnäpfe konnten leicht abgenommen werden. Ein Kind kann sie in den Mund nehmen und daran ersticken. Außerdem war die kinetische Energie der Geschosse zu hoch. Dies kann zu Verletzungen führen, insbesondere an den Augen. Das Produkt entsprach aus den genannten Gründen weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1.
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Abb. 1: Bogenset für Kinder mit verschluckbaren Saugnäpfen
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006905?lang=de, Datum: 19.10.2022, Sprache: Englisch

Standlampe mit Stromschlag-Risiko

Eine Stehlampe aus unbekanntem Ursprungsland barg das Risiko eines elektrischen Schlags. Wie die Marktaufsichtsbehörden in Frankreich feststellten, war die Kabelbefestigung der Leuchte defekt, zugängliche Teile könnten unter Spannung stehen und der Benutzer könnte einen Stromschlag erleiden. Das Produkt erfüllte weder die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch die der europäischen Norm EN 60598 und wurde von den Endverbrauchern zurückgerufen.
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Abb. 2: Stehlampe mit defekter Kabelbefestigung
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006856?lang=de, Datum: 19.10.2022, Sprache: Englisch

Make-Up aus deutscher Herstellung sorgt für Reizungen der Haut und Augen

Auch eine in Deutschland hergestellte Make-Up-Foundation wurde vom Markt zurückgenommen und von den Endverbrauchern zurückgerufen. Die deutschen Marktaufsichtsbehörden erkannten ein mikrobiologisches Risiko. Das Produkt war mikrobiologisch mit dem mesophilen Bakterium Pseudomonas aeruginosa kontaminiert (Messwert: 110 cfu/g). Bei Anwendung auf geschädigter Haut oder bei Kontakt mit den Augen kann das Produkt Infektionen oder Reizungen verursachen. Das Produkt entsprach nicht der Verordnung über kosmetische Mittel.

Streiche-Set für Kinder mit alkalischen Flüssigkeiten

Auch die Einfuhr eines Pranking Spielzeug Sets aus Indien wurde an der finnischen Grenze abgelehnt. Eine der im Set enthaltenen Flüssigkeiten (die "verschwindende Tinte"), die auf eine andere Person verschüttet werden sollte, war übermäßig alkalisch (gemessener pH-Wert: 12,5). Sie könnte Verätzungen und Verletzungen verursachen, wenn sie auf die Haut oder in die Augen gelangt oder verschluckt wird. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie über die Sicherheit von Spielzeug noch der einschlägigen europäischen Norm EN 71-9.
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Abb. 3: Prank Set mit ätzender Flüssigkeit
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006865?lang=de, Datum: 19.10.2022, Sprache: Englisch
Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.