Rapex-Report am Donnerstag: Elektroschocks durch USB-Charger, Lichterketten und Massagepistolen – Produktrückrufe für FFP2-Masken, Spielzeuge und Kinderkleidung

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Rapex-Report am Donnerstag: Elektroschocks durch USB-Charger, Lichterketten und Massagepistolen – Produktrückrufe für FFP2-Masken, Spielzeuge und Kinderkleidung



In den letzten Wochen haben die europäischen Marktaufsichtsbehörden wieder vermehrt elektrische Produkte, Atemschutzmasken und Kinderprodukte untersucht und allein in der letzten Woche wieder über 30 Produkte in das Safety Gate der Europäischen Union eingestellt. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Die ungarischen Marktaufsichtsbehörden belegten 3 USB-Stecker der Marken Joyroom, Fast und Qualcom mit Verkaufsverboten bzw. der Rücknahme der Produkte vom Markt. Bei zwei der Produkte war die Isolierung des Produkts unzureichend. Der Benutzer könnte einen Elektroschock aus leicht zugänglichen, stromführenden Teilen erleiden. Bei dem dritten Ladegerät waren zudem die Abmessungen des Netzsteckers wesentlich geringer als erforderlich. Alle drei Produkte aus China entsprachen nicht den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und der einschlägigen Norm EN IEC 62368.

Einen Produktrückruf sprachen die ungarischen Behörden gegen eine Lichterkette, ebenfalls aus China, aus. Das Kabel war nicht richtig verankert und das Produkt war unzureichend gegen Feuchtigkeit geschützt. Wasser könnte es durchdringen oder der Benutzer könnte zugängliche stromführende Teile berühren, was zu einem elektrischen Schock führen kann. Das Produkt vertieß ebenfalls gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und die einschlägigen europäische Norm EN 60598.

Vom Distributor zurückgerufen werden muss ebenfalls eine Massagepistole aus China, die von der Firma Out of the blue in Finnland vermarktet wird. Der Kriechabstand zwischen den aktiven Teilen des Primärkreises und dem Benutzer zugänglichen Sekundärkreis des Transformators in der Stromversorgung war bei der Massagepistole unzureichend. Darüber hinaus verfügte das Netzteil des Produkts über eine unzureichende Isolierung. Ein Benutzer könnte stromführende Teile berühren und einen Elektroschock erhalten.
Auch die Massagepistole war nicht konform mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und den einschlägigen europäischen Normen EN 60335-1 und EN 60335-2-32.

Der Online-Händler Amazon muss in Deutschland eine Tischleuchte für Kinder aus dem Sortiment nehmen. Die Lampe hatte eine geringe mechanische Festigkeit, konnte leicht aufgeschraubt werden und es fehlte ein Transformator/Konverter. Stromführende Teile konnten auch hier leicht zugänglich sein, vor allem in der Steckdose. Nutzer, insbesondere Kinder, könnten auch bei diesem Produkt einen Elektroschock erhalten.
Das Produkt entsprach nicht den einschlägigen europäischen Normen EN 60598-2-10 und EN 60598-2-12.

Auch zahlreiche Kinderspielzeuge und Kinderbekleidung wurden von den ungarischen, polnischen, finnischen und dänischen Marktaufsichtsbehörden verboten oder sogar mit kostspieligen Produktrückrufen belegt. Drei Puppen und Puppensets enthielten übermäßige Mengen an Di-2-ethylhexylphthalat (DEHP) bzw. Bis (2-Ethylhexyl)phthalat (gemessene Werte: 27 GHT, 33 GHT und 17,9 Gew.-%) und Dibutylphthalat (DBP) (gemessene Werte: 0,14 bzw. 0,15 Gewichtsprozent). Diese Phthalate können der Gesundheit von Kindern schaden und ihr Fortpflanzungssystem beeinträchtigen. Die Produkte entsprachen nicht der REACH-Verordnung.

Bei Spielzeuggitarren, Spielzeugpfeifen und Holzrasseln sprachen die Behörden Verkaufsverbote aus, da kleine Kunststoff- oder Holzteile leicht abbrechen oder sich lösen konnten. Kinder könnten Sie in den Mund nehmen und daran ersticken. Die Spielzeugpfeife war insgesamt zu klein und könnte daher ebenfalls als Ganzes verschluckt werden. Zudem konnte bei zwei Kinderspielzeugen das Batteriefach leicht geöffnet werden, wodurch es beim Verschlucken der Batterien nicht nur zur Erstickung, sondern auch zu Schädigungen des Magen-Darm-Traktes bei Kindern kommen kann. Alle Spielzeuge verstießen gegen die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und die einschlägigen europäischen Normen EN 71-1 und EN 62115.

Die bulgarischen Marktaufsichtsbehörden monierten bei einer Kinderjeans, einer Kinderbluse und einem weiteren Kleidungsstück für Kinder, dass kleine dekorative Teile leicht vom Kleidungsstück entfernt werden konnten. Auch hier könnte es passieren, dass Kinder diese in den Mund stecken und daran ersticken. Die Kleidungsstücke entsprachen nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit.

Zu guter Letzt wurden in Deutschland und Ungarn auch in der letzten Woche wieder sechs verschiedene FFP2-Masken aus China aus dem Verkehr gezogen und müssen von den jeweiligen Importeuren und Distributoren vom Endverbraucher zurückgerufen werden. Die Atemschutzmasken, die teilewiese auch über Amazon und eBay verkauft wurden, verfügten über zu geringe Partikel/Filterretention. Die gemessenen Werte waren teilweise kleiner als 29 % bzw. 31 %. Darüber hinaus passten sich einige Masken nicht richtig an das Gesicht an.

Folglich erfüllten die Masken nicht die vorgeschriebenen Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen und eine übermäßige Menge an Partikeln oder Mikroorganismen könnte die Maske durchlaufen. Das Infektionsrisiko wird damit deutlich erhöht und es kann, selbst wenn die Masken mit anderen empfohlenen Maßnahmen kombiniert werden, zu einer höheren Ansteckungswahrscheinlichkeit führen. Keines der Produkte erfüllte die Verordnung über persönliche Schutzausrüstung (PSA) und die einschlägigen europäischen Norm EN 149.

Diese zahlreichen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure, Handelsunternehmen und seit fünf Wochen auch Online-Marktplätze und Fulfillment-Dienstleister die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.