Rapex-Report am Donnerstag: Damen-Flip Flops mit Dibutylphtalat (DBP) – Rückrufe und Verkaufsverbote für Laserstrahler, Magnetspielzeuge und Filzstifte

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Rapex-Report am Donnerstag: Damen-Flip Flops mit Dibutylphtalat (DBP) – Rückrufe und Verkaufsverbote für Laserstrahler, Magnetspielzeuge und Filzstifte



Auch in der letzten Woche tauchten wieder fast 30 gefährliche Non-Food-Konsumgüter im Safety Gate der Europäischen Union auf. Die überwiegende Zahl der Produkte wurde nicht nur mit einem Verkaufsverbot und der Rücknahme aus dem Handel belegt. Viele der Produkte müssen von den Importeuren oder Distributoren vom Endkunden zurückgerufen werden, was nach unseren Schätzungen leicht zu Kosten in fünf- oder sogar sechsstelliger Höhe führen kann.

Das Safety Gate (früher Rapex-System) ist das Informationsaustauschsystem der europäischen Marktaufsichtsbehörden. Hierüber informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt worden sind, werden dann in der Regel auch in den anderen Ländern verboten oder müssen entsprechend verändert werden.

Die deutschen Marktaufsichtsbehörden verordneten nicht nur den Rückruf von Damen-Flip Flops aus China. Der Distributor muss die bereits gelieferte Ware auch aus dem Handel zurücknehmen und die Produkte auf eigene Kosten vernichten. Das Kunststoffmaterial der Flip Flops enthielt eine übermäßige Menge an Dibutylphthalat (DBP) (gemessener Wert: 12,3 Gew.-%). Dieses Phthalat kann die Gesundheit und die Fortpflanzung schädigen. Das Produkt entsprach nicht der REACH-Verordnung.

Zurückgerufen werden müssen auch verschiedene Laserstrahler mit unterschiedlichen Funktionen. In der Slowakei wurden Laserstrahler aus China verkauft, die als zusätzliche Warn- bzw. Nebelleuchte bei Autos fungieren. Der Laserstrahl war allerdings viel zu leistungsstark (bis 41,3 mW), so dass bei Personen in nachfolgenden Fahrzeugen oder bei Passanten Sehschäden verursacht werden könnten.

Ebenfalls zu stark war der Laserstrahl eines Haarentfernungs-Epilators aus Korea sowie zweier Laserpointer aus China. Auch bei diesen Produkten könnte eine direkte Betrachtung des Laserstrahls zu Sehschäden führen. Alle vier Produkte erfüllten nicht die
Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der einschlägigen europäischen Norm EN 60825-1 und müssen von den Importeuren bzw. Distributoren zurückgerufen werden.

Von den luxemburgischen und polnischen Marktaufsichtsbehörden bemängelt wurden verschiedene Magnetspielzeug-Sets aus den USA und China. Die Sets bestanden aus kleinen Kügelchen mit hohem magnetischem Fluss. Kinder könnten sie in den Mund nehmen und daran ersticken. Wenn mehrere Kugeln verschluckt werden, könnten dies einander anziehen, was zu einer Darmblockade oder Perforation führen kann. Die Sets mit unterschiedlichen Verpackungsgestaltungen, Farben und Namen waren nicht im Einklang mit den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-1 und müssen nicht nur aus dem Markt zurückgenommen, sondern auch auf Kosten des Importeurs zerstört werden.

Die belgischen Marktüberwachungsbehörden sprachen einen Produktrückruf für Filzstifte aus, die online vor allem über BOL.com vertrieben wurden. Der graue Filzstift enthielt eine übermäßige Menge der Konservierungsmittel 2-Methyl-4-isothiazolin-3-on (MI) und 5-Chlor-2-methyl-4-isothiazolin-3-on (CMI) (gemessene Werte: 4,2 mg/kg bzw. 5,9 mg/kg). Mi und CMI sind starke Sensibilisatoren und können allergische Kontaktdermatitis gegen sensibilisierte Personen hervorrufen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie.

Weitere Produktrückrufe oder Verkaufsverbote wurden gegen ein Holzspielzeug, zwei Plüschfiguren, einen Puppenkinderwagen, zwei Atemschutzmasken, zwei Thermostate, eine Lichterkette und ein Feuerwerk ausgesprochen. Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen.

Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden. Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.