Rapex-Report am Donnerstag: Babyschnuller mit Bisphenol A – auslaufende Wärmflaschen – defekte Wagenheber

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Rapex-Report am Donnerstag: Babyschnuller mit Bisphenol A – auslaufende Wärmflaschen – defekte Wagenheber



In den letzten beiden Wochen wurden wieder über 50 gefährliche Produkte in das Safety Gate der Europäischen Union eingestellt. Das auch unter dem Namen Rapex-System bekannte Safety Gate ist das europäische Informationsaustausch-System, über das sich die Marktaufsichtsbehörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte informieren. Wenn Produkte in einem Mitgliedsstaat als gefährlich oder schädlich eingestuft werden, nehmen die nationalen Marktaufsichtsbehörden dies in der Regel zum Anlass, die Produkte auch in diesen Ländern vom Markt zu nehmen.

Bei zwei verschiedenen Babyschnullern, die die Form einer Ente oder eines Pandabären hatten und online verkauft wurden, entdeckten die französischen Marktaufsichtsbehörden zu hohe Mengen an Bisphenol A (BPA) (gemessene Werte: 0,1 mg/kg bzw. 0,14 mg/kg). BPA kann die Fruchtbarkeit schädigen und wurde als Stoff identifiziert, der die Hormonsysteme von Mensch und Tier beeinflusst. Damit entsprachen die Babyschnuller nicht den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der europäischen Norm EN 1400.

Ebenfalls nicht konform mit der Produktsicherheitsrichtlinie war eine Babywärmflasche, die online in den Niederlanden verkauft wurde. Die Nähte der Wärmflasche aus China konnten bei Gebrauch leicht aufreißen. Heißes Wasser kann daher auslaufen und schwere Verbrennungen beim Kind verursachen. Auch dieses Produkt darf nicht mehr verkauft werden und muss zurückgenommen werden.


Die polnischen Marktaufsichtsbehörden bemängelten einen Wagenheber, der lt. Verpackung auf ein Gewicht von 1,5 t ausgelegt war. Das Gerät war aber nicht ausreichend belastbar. Es konnte brechen und zu kaum prognostizierbaren Verletzungen führen. Das Produkt erfüllte nicht die Anforderungen der Maschinenrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 1494.

Insgesamt kamen fast 50 % der gefährlichen und gemeldeten Produkte aus dem Bereich Spielzeuge. Neben 10 Puppen, die allesamt überhöhte Mengen an Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) enthielten, wurden von den europäischen Marktaufsichtsbehörden Verkaufsverbote und sogar Produktrückrufe für Puppenkinderwagen, Babywalker, Kickboards, Rasseln, Spielzeugpistolen, Pfeil und Bogen, Holz-Puzzle und Batteriespielzeug ausgesprochen. Die meisten dieser Produkte bargen die Gefahr des Erstickens, da sich Kleinteile lösen und von den Kindern verschluckt werden konnten.

Bei einem Spielzeugroller aus China konstatierten die Marktaufsichtsbehörden aus Rumänien, dass das Rohr leicht brechen kann und die Kinder stürzen und schwere Verletzungen erleiden konnten. Der Roller verstieß gegen die Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und die einschlägige europäische Norm EN 71-1 und muss vom Verbraucher zurückgerufen werden. Interessant in diesem Fall ist, dass die Behörden aus Österreich, Polen und der Slowakei direkt reagiert haben und der Roller auch in diesen Ländern zurückgerufen werden muss.

Die deutschen Behörden sprachen einen Produktrückruf gegen ein Kinderkostüm mit dem Namen Dark Lord aus. Das Kostüm aus China war leicht entzündlich und die Flammenausbreitung war zu hoch. Wenn das Kostüm Feuer fängt, könnte das Kind schwere Verbrennungen erleiden. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie und der einschlägigen europäischen Norm EN 71-2.

Auch im elektrischen Bereich kam es zu zahlreichen Verkaufsverboten und Produktrückrufen. Bei einer UV-Leuchte zum Aushärten von Fingernagellack oder -gel
war die elektrische Isolierung des Ladegeräts unzureichend und der Abstand zwischen den primären und zugänglichen Sekundärkreisen reichte nicht aus. Der Benutzer könnte einen elektrischen Schock durch zugängliche, stromführende Teile erhalten. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und den europäischen Normen EN 60335-1 und EN 60335-2-23.

Die Gefahr von elektrischen Schlägen durch unzureichende Konzeption oder Produktionsausführung bestand auch bei einer Leuchte in Form einer kleinen Maus, einer Pendelleuchte, einer LED-Lampe, eines USB-Ladegerätes und eines Mixers. Beim Mixer konnten die Wicklungen des Motors aufgrund eines unzureichenden thermischen Schutzes zu einem Brand führen. Der Importeur muss die Ware auf Weisung der kroatischen Aufsichtsbehörden vom Markt nehmen und darf die Produkte nicht mehr verkaufen.

Bei einem Miniventilator entdeckten die schwedischen Behörden eine übermäßige Bleimenge (gemessener Wert bis zu 51 Gewichtsprozent), was dazu führte, dass das Produkt nicht in Einklang mit der RoHS-Richtlinie war.

Gegen die REACH-Verordnung verstießen zudem ein Ohrring und eine Halskette. Der Ohrring gab gibt eine übermäßige Menge Nickel frei (gemessener Wert 1.384 µg/cm²/Woche), die Halskette enthielt zu viel Blei (gemessene Werte: 0,17 Gewichtsprozent). Nickel ist ein starker Sensibilisator und kann allergische Reaktionen hervorrufen, wenn sie in Artikeln vorhanden sind, die in direkten und längeren Kontakt mit der Haut kommen. Blei ist schädlich für die menschliche Gesundheit, akkumuliert im Körper, kann Entwicklung Neurotoxizität verursachen und kann auch Auswirkungen auf gestillte oder ungeborene Kinder haben.

Der Ohrring wurde an der slowakischen Grenze abgelehnt, die Halskette darf in den Niederlanden nicht mehr verkauft werden und muss aus dem Handel zurückgenommen werden.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten.

Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart. Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management, stichprobenartigen Tests und vor allem einer vollständigen und zuverlässigen Dokumentation einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.



 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.