Rapex-Report am Donnerstag: Atemschutzmasken mit 11% Filterwirkung – brennende Haartrockner – Pilatesball mit Phtalaten

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Rapex-Report am Donnerstag: Atemschutzmasken mit 11% Filterwirkung – brennende Haartrockner – Pilatesball mit Phtalaten 


Auch in der letzten Woche tauchten wieder 40 gefährliche Non-Food-Konsumgüter im Safety Gate der Europäischen Union auf. Über das Safety Gate (früher Rapex-System) informieren sich die Behörden der Mitgliedsländer gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen in einem Land belegt werden, müssen dann auch in den anderen Ländern vom Markt genommen (oder entsprechend verändert) werden.

Die italienischen, deutschen, rumänischen und niederländischen Behörden fanden bei 8 verschiedenen Atemschutzmasken aus China Verstöße gegen die Verordnung über persönliche Schutzausrüstung (PSA) und die einschlägigen europäischen Norm EN 149.

Drei Produkte bewarben ein Schutzpotenzial gegen Partikel (incl. CE-Zeichen), die Filterkapazitäten wurden jedoch nicht von einer zuständigen europäischen Konformitätsbewertungsstelle geprüft. Folglich ist nicht nachgewiesen, dass die Produkte die Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen erfüllt. So können die Masken, selbst wenn sie mit anderen empfohlenen Maßnahmen kombiniert wird, möglicherweise nicht angemessen schützen.

Dass die Filterwirkung bei vielen Produkten tatsächlich unzureichend ist, wurde bei Messungen festgestellt. Während einige der untersuchten Masken Filterkapazitäten von 83 % bzw. 84 % aufwiesen, schützen die anderen drei Masken den Benutzer nur zu 11 %, 13 % oder 28 %. FFP2-Masken sollen aber lt. der europäischen Norm mindestens 94 % der Testaerosole filtern.

Die ungarischen Marktaufsichtsbehörden bemängelten bei 5 verschiedenen Haartrocknern, dass diese nicht über eine thermische Abschaltvorrichtung verfügten. Zudem waren die Kunststoffmaterialien der Gehäuse brennbar. Die Haartrockner konnten während des Gebrauchs stark erhitzen und Feuer fangen, was zu Verbrennungen für den Benutzer führen kann. Bei einem weiteren Produkt konnte man den Heizdraht versehentlich durch das Sicherheitsgitter berühren, da der Abstand zu gering war. Keines der Produkte, alle aus China, war konform mit den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und den einschlägigen europäischen Normen EN 60335, EN 60335-1 und EN 60335-2-23. Alle Produkte müssen von den jeweiligen Distributoren nicht nur vom Markt genommen, sondern auch bei den Endverbrauchern zurückgerufen werden

Zwei Sportartikel der Marke Schildkröt würden von der Marktaufsichtsbehörde in Luxemburg beanstandet und mit einem Verkaufsverbot belegt. Ein Pilatesball und ein Gymnastikball enthielten übermäßige Mengen an Diisobutylphthalat (DIBP) (gemessene Werte: 45 bzw. 50 Gewichtsprozent). Diisobutylphthalat kann das ungeborene Kind schädigen und wird der schädigenden Fruchtbarkeit verdächtigt. Die beiden Produkte aus China entsprachen nicht der REACH-Verordnung.

Ein Sportkopfhörer entsprach nicht der Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP-Verordnung), da die Kunststoffisolierung des USB-Kabels kurzkette chlorierte Paraffine (SCCPs) (gemessener Wert: 1,2 Gew.-%) enthielt. Das Inverkehrbringen und die Verwendung von Erzeugnissen, die SCCP enthalten, sind verboten. SCCPs bleiben in der Umwelt bestehen, sind giftig für Wasserorganismen in niedrigen Konzentrationen und bioakkumulieren im Wasserleben, was ein Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellt.

Interessant an diesem letzten Beispiel ist, dass der Kopfhörer selbst keine Mängel aufwies, sondern nur das zum Aufladen des Gerätes vorgesehene USB-Kabel. Dies zeigt, dass Hersteller und In-Verkehr-Bringer auch auf die meist zugekauften Zubehörteile achten müssen, die bei Mängeln oder Gefahren zum Verkaufsverbot für das eigentliche Hauptprodukt führen können.


Zu Beginn des Jahres hat die Bundesnetzagentur bekannt gegeben, dass Sie im Jahr 2020 mehr als 21 Millionen Geräte aus über 2.100 Online-Angeboten nach Testkäufen und Prüfungen gesperrt haben. Bei einem Durchschnittspreis von 10 € handelt es sich hierbei um einen Verkaufswert von über 200 Millionen €.

Dies zeigt, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

 

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.