Rapex-Report am Donnerstag: Mit Chrom VI kontaminierte Arbeitshandschuhe, zu Verletzungen führende Etagenbetten und wachsame polnische Marktaufsichtsbehörden

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Rapex-Report am Donnerstag: Mit Chrom VI kontaminierte Arbeitshandschuhe, zu Verletzungen führende Etagenbetten und wachsame polnische Marktaufsichtsbehörden


Vergangene Woche erschienen 27 Warnmeldungen auf dem Safety-Gate (ehemals RAPEX), dem Schnellwarnsystem der Europäischen Kommission. 

In Deutschland wurde für in Österreich hergestellte Arbeitshandschuhe die Einstellung des Verkaufs angeordnet. Der Grund hierfür war, dass das Produkt Chrom VI (Messwert: 5,2 mg/kg) enthielt. Chrom VI ist sensibilisierend und kann allergische Reaktionen auslösen. Das Produkt entsprach demnach nicht der REACH-Verordnung.

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Abb. 1: Chrom VI enthaltende Arbeitshandschuhe
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006250, Datum: 22.06.2022, Sprache: Englisch
Ein Akkuladegerät aus China barg ein Umweltrisiko, wie die polnischen Marktaufsichtsbehörden feststellten. Die Lote des Netzgeräts enthielten eine übermäßige Bleikonzentration (Messwert bis zu 51,6 Gewichtsprozent). Blei stellt eine Gefahr für die Umwelt dar. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS 2-Richtlinie).

Auch wurde in Frankreich für drei verschiedene Etagenbetten wegen eines Verletzungsrisikos die Listung dieser Produkte durch den Online-Marktplatz beendet. Die Öffnung zum Herabsteigen vom oberen Bett war zu breit und ein Kind könnte dadurch aus dem Bett fallen und Verletzungen erleiden. Das Produkt stand nicht im Einklang mit den Anforderungen der allgemeinen Produktsicherheitsrichtlinie und ebenso wenig mit der europäischen Norm EN-747.
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Abb. 2: Etagenbett mit Verletzungsrisiko
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006260, Datum: 22.06.2022, Sprache: Englisch
Es waren ebenfalls die französischen Marktaufsichtsbehörden, die eine im eigenen Land hergestellte Rettungsweste zurückriefen und vom Markt nahmen, da das Risiko, zu ertrinken, mit dem Produkt einherging. Es bestand die Wahrscheinlichkeit, dass die Schwimmweste sich nicht schnell genug aufbläst, wodurch die Gefahr, zu ertrinken, steigt. Das Produkt stand nicht im Einklang mit der PSA-Verordnung.

Besonders sorgfältig in ihrer Prüfung waren in der vergangenen Woche die polnischen Marktaufsichtsbehörden hinsichtlich Spielzeugs:
Eine in China hergestellte Puppe wurde vom Markt genommen, die Verbraucher wurden vor deren Risiken gewarnt und das Produkt wurde zerstört. Grund hierfür war ein chemisches Risiko. Das Kunststoffmaterial, aus dem die Puppe hergestellt war, enthielt eine übermäßige Konzentration an Bis(2-Ethylhexyl)Phthalat (DEHP) (Messwert bis zu 2.16 Gew.-%). Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise zu einer Schädigung des Fortpflanzungssystems führen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der REACH-Verordnung.

Auch ein Badespielzeug, aus China stammend, wurde aufgrund eines chemischen Risikos durch die polnischen Marktüberwachungsbehörden als gefährlich eingestuft. Das Produkt stand nicht im Einklang mit der Spielzeugsicherheitsrichtlinie und wurde demnach vom Markt zurückgenommen, zerstört und die Verbraucher wurden vor den Risiken gewarnt. Der im Produkt enthaltene Schaum enthielt eine übermäßige Menge an Tris(2-chloro-1-methylethyl) Phosphat (TCPP) (Messwert: bis zu 70 mg/kg) und Tris[2-chloro-1-(chloromethyl)ethyl] Phosphat (TDCP) (Messwert: mehr als 100 mg/kg). TCPP und TDCP können Krebs verursachen.
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Abb. 3: Schwimmspielzeug mit gefährlichen Chemikalien
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10006261, Datum: 22.06.2022, Sprache: Englisch
In Polen wurden außerdem für einen aufblasbaren Wasserball die Rücknahme vom Markt, der Rückruf von den Endverbrauchern, die Zerstörung des Produkts und die Warnung der Verbraucher vor den Risiken angeordnet. Das in China hergestellte Produkt enthielt eine übermäßige Konzentration an Diisobutyl Phthalat (DIBP) (Messwert bis zu 25.5 Gew.). Dieses Phthalat kann die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise zu einer Schädigung des Fortpflanzungssystems führen. Das Produkt entsprach nicht den Anforderungen der REACH-Verordnung.

Vom Endkonsumenten zurückgerufen und vom Markt zurückgenommen wurde durch die österreichischen Marktaufsichtsbehörden zudem ein Plastik-Teddybär, der ein Erstickungsrisiko barg. Der aus Italien stammende Spielzeugartikel verfügte über Kleinteile (die Arme und die Schlaufe), die sich leicht vom Spielzeug Produkt ablösen konnten. Ein kleines Kind könnte diese in den Mund nehmen und daran ersticken. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1.

Die von den Behörden erlassenen Maßnahmen sind für die betroffenen Unternehmen nicht nur äußerst kostspielig, sondern haben auch langfristige Imageschäden für Hersteller, Importeure oder Handelsunternehmen zur Folge. Wir sind sicher, dass entsprechende Tests und Prüfungen die Mängel schnell offenbart hätten. Diese Tests sind natürlich mit Kosten verbunden, hätten aber die drastischen negativen Auswirkungen durch Verkaufsverbote und Produktrückrufe bei weitem nicht erreicht.

Daher empfehlen wir unseren Kunden, dem Produkt Compliance Management einen höheren Stellenwert beizumessen und Schäden in beträchtlicher Höhe abzuwenden.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.