Gefährlicher Online-Handel: Bluetooth-Lautsprecher und LED-Leuchten mit Verstößen gegen RoHs, REACH und POP – Ronaldo-Hoodie von Amazon mit Strangulationsgefahr

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Gefährlicher Online-Handel: Bluetooth-Lautsprecher und LED-Leuchten mit Verstößen gegen RoHs, REACH und POP – Ronaldo-Hoodie von Amazon mit Strangulationsgefahr



In der letzten Woche wurden zwar nur knapp 30 Produkte neu im Safety Gate der europäischen Union gelistet, aber die überwiegende Zahle der Produkte stammte, wieder einmal, aus Online-Verkäufen. Die betroffenen Plattformen waren Amazon, Ebay und Wish und müssen die Produkte von Ihren Marktplätzen entfernen.

Über das Safety Gate informieren sich die europäischen Marktaufsichtsbehörden gegenseitig über gefährliche Produkte. Produkte, die in einem Land mit Verkaufsverboten, Produktrücknahmen oder sogar Produktrückrufen belegt werden, werden in der Regel auch in den anderen Mitgliedsstaaten vom Markt genommen.

Ein Bluetooth-Lautsprecher, der wasserabweisend und in verschiedenen Farben online erhältlich war, verstieß gleich gegen eine Reihe von europäischen Vorschriften. Eine der Lötstellen enthielt eine übermäßige Menge Cadmium und Blei (gemessene Werte bis zu 4 % bzw. 0,06 Gew.-%). Darüber hinaus enthielten das Ladekabel und die Saugkappe kurzkettige Chlorparaffine (SCCP) (gemessene Werte bis zu 6,7 % bzw. 4,8 Gew.-%). Das Ladekabel enthielt zudem auch eine übermäßige Menge an Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) und Dibutylphthalat (DBP) (gemessene Werte 1,17 % bzw. 0,7 Gew.-%).

Blei und Cadmium stellen ein Risiko für die Umwelt dar. Die SCCPs bestehen in der Umwelt, sind giftig für Wasserorganismen in geringen Konzentrationen und bioakkumulieren bei Wildtieren und Menschen, was ein Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellt. Die Phthalate DEHP und DBP können die Gesundheit von Kindern schädigen, was zu möglichen Schäden an ihrem Fortpflanzungssystem führt.

Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS-2-Richtlinie), der Verordnung über persistente organische Schadstoffe (POP) noch der REACH-Verordnung.
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Abb. 1: Verbotener Bluetooth Lautsprecher
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005697, Sprache: Deutsch, Datum: 15.03.2022
Nahezu die gleichen Mängel (Blei, Cadmium, SCCPs, Phtalate) wies auch eine LED-Leuchte auf, die ebenfalls online vertrieben wurde und aus China stammte. Auch dieses Produkt muß vom Online-Marktplatz entfernt werden.

Ein Hoodie mit dem Konterfei von Christiano Ronaldo, das in Frankreich über Amazon vertrieben wurde, verstiess gegen die Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und die Norm EN 14682:2015. Die Kordel des Produktes konnte leicht zu einer Strangulation führen.
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Abb. 2: Ronaldo-Hoodie
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005381, Sprache: Deutsch, Datum: 15.03.2022
Die französischen Behörden bemängelten zudem ein Kinder-Zauberkostüm des China-Markplatzes Wish Das Produkt hatte lange, nicht abnehmbare Funktionsbänder im Nackenbereich, in denen sich ein Kind während verschiedener Aktivitäten strangulieren kann. Darüber hinaus war die Plastiktüte zu dünn, was zu Erstickung führen könnte, wenn ein Kind damit spielt. Das Produkt war nicht im Einklang mit den Anforderungen der Spielzeugrichtlinie noch der europäischen Norm EN 71-1.

Ein aufblasbares Schwimmbad fiel den schwedische Marktaufsichtsbehörden auf undmuß vom Ebay-Marktplatz entfern werden. Das Kunststoffmaterial des Produkts enthielt eine übermäßige Menge an Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) (gemessene Werte bis zu 22 Gew.-%) und war damit nicht konform mit der REACH-Verordnung.

Auch eine Öllampe darf in Schweden nicht mehr online verkauft werden. Aus der Lampe konnte Öl auslaufen, wenn sie gekippt war, da sie nicht über einen Dochtschutz verfügte. Daher wurde auch nicht verhindert, dass ein kleines Kind am Docht lutscht und Lampenöl verschluckt. Lampenöle können schädlich sein, wenn sie geschluckt oder eingeatmet werden. Das Produkt entsprach weder der REACH-Verordnung noch der europäischen Norm EN 14059.
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Abb. 3: Gefährliche Öllampe aus dem E-Commerce
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005702, Sprache: Deutsch, Datum: 15.03.2022
Nicht zuletzt bemängelten die irischen Marktüberwachungsbehörden einen Ständer für eine Babybadewanne, der ebenfalls über Amazon verkauft wurde. Aufgrund einer fehlerhaften Konstruktion des Ständers kann das Babybad während des Gebrauchs hinunterfallen, so dass es zu schweren Stürzen und Verletzungen des Babys kommen kann. Das Produkt war nicht im Einklang mit den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit.

Neben diesen online verkauften Produkten wurde auch wieder Spielzeuge, Kinderkleidung, hautaufhellende Lotionen, Lichterketten elektronische Zigaretten, Kunststoffkleber und verschiedene Schmuckstücke mit Verkaufsverboten oder sogar Produktrückrufen belegt.

Die beschriebenen Fälle zeigen, dass Hersteller, Importeure und Handelsunternehmen die einschlägigen Vorschriften und Normen kennen und befolgen sollten, um sich vor immensen finanziellen Schäden zu schützen. Die Einhaltung der europäischen Vorschriften und Normen sollte auch bei den Verhandlungen mit den meist chinesischen Lieferanten eine zentrale Rolle spielen, um die negativen Auswirkungen durch Importverbote, Verkaufsverbote und Produktrückrufe zu vermeiden.

Besonders gilt dies seit dem 16.7.2021 auch für Online-Händler, Marktplätze und Fulfillment-Dienstleister, die bisher oft unter dem Radar der Behörden große Mengen nicht konformer Ware verkaufen konnten. Aufgrund der neuen Marktüberwachungsverordnung und dem parallel verabschiedeten deutschen Marktüberwachungsgesetz ist es seit Juli 2021 verboten, Produkte zu verkaufen, wenn es nicht einen in der EU ansässigen Hersteller, Importeur, Bevollmächtigten oder eben Fulfillment-Dienstleister gibt, der auch die Verantwortung für die Produktsicherheit übernimmt. Er muss sich vergewissern, dass eine EU-Konformitätserklärung erstellt wurde, eine technische Dokumentation vorliegt, die technische Dokumentation bereithalten und für 10 Jahre speichern. Er muss den Behörden Auskünfte in der jeweiligen Landesprache geben, mit diesen zusammenarbeiten und bei gefährlichen Produkten u.U. auch einen Produktrückruf einleiten und organisieren.

Gibt es keinen verantwortlichen Marktakteur in der Europäischen Union und liegen die genannten Unterlagen nicht vor, darf dieses Produkt nicht einmal beworben werden, da lt. der neuen Verordnung die Bereitstellung auf dem Markt bereits mit der Online-Ansprache der Verbraucher beginnt. Ein Online-Marktplatz muss Produkte, die keinen der aufgeführten Marktakteure nachweisen können und nicht den Namen dieses Marktakteurs auf dem Produkt tragen, aus dem Sortiment nehmen.

Wir raten daher unseren Kunden, gerade Online-Händlern, sich diese Verordnung genau anzusehen und dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit in Zukunft eine sehr viel größere Bedeutung beizumessen, um sich vor existenzbedrohenden Bußgeldern und Sanktionen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.