Gefährliche Kinderschaukel, Sport- und Kinderuhren und unzureichende Schutzausrüstung

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Gefährliche Kinderschaukel, Sport- und Kinderuhren und unzureichende Schutzausrüstung


Auch diese Woche fanden sich wieder 36 Warnmeldungen auf dem Safety Gate, dem Schnellwarnsystem der EU für gefährliche Non-Food-Produkte. Immer mehr dieser ein Risiko für Mensch und Umwelt darstellenden Produkte werden über Online-Marktplätze vertrieben. Es lässt sich sogar sagen, dass der Online-Handel und insbesondere Online-Marktplätze mittlerweile das größte Einfallstor für nicht rechtskonforme Produkte auf dem europäischen Markt sind.

Es ist eine Entwicklung, die sich durch Corona noch mehr beschleunigt hat. Unsichere und nicht-konforme Produkte stellen ein großes Sicherheitsrisiko dar und sind potentiell lebensgefährlich. Auch heute möchten wir Ihnen wieder ein paar Beispiele für solche auf dem europäischen Markt vertriebenen, gefährlichen Verbraucherprodukte nennen:

Für eine in China hergestellte Babyschaukel ordneten die kroatischen Marktaufsichtsbehörden die Rücknahme vom Markt an, da das Produkt ein erhöhtes Verletzungsrisiko barg. Der Verriegelungsmechanismus konnte sich zu leicht lösen. Infolgedessen könnte das Kind aus der Babyschaukel fallen und sich verletzen. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit noch der europäischen Norm EN 16232.

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Abb. 1: Babyschaukel mit Verletzungsrisiko
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005906, Datum: 20.04.2022, Sprache: Englisch

Wegen eines Verbrennungsrisikos zurückgerufen wurde eine Smartwatch der Marke Fitbit von den irischen Behörden. Die GPS-fähige, fitnessorientierte Smartwatch aus Taiwan entsprach weder den Anforderungen der Funkgeräterichtlinie noch der europäischen Norm EN 60950-1. Der Akku könnte sich überhitzen, so dass Verbrennungsgefahr für den Benutzer bestand.

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Abb. 2: Verbrennungsgefahr bei Smartwatch
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005738, Datum: 20.04.2022, Sprache: Englisch
Ebenfalls von den irischen Marktaufsichtsbehörden zurückgerufen wurde eine Kinderuhr, die nicht den Anforderungen der Spielzeugsicherheitsrichtlinie entsprach. Das Knopfbatteriefach des aus China stammenden Produkts war nicht ausreichend gesichert und die Knopfbatterie konnte für Kinder zugänglich sein. Ein Kind könnte sie in den Mund nehmen, was zu einer Schädigung des Magen-Darm-Trakts des Kindes oder zu Erstickungsgefahr führen könnte.

Aus dem Bereich der persönlichen Schutzausrüstung gab es einen aus Portugal stammenden Fahrradhelm, der bei einem Aufprall leicht brechen konnte und den Benutzer daher nicht ausreichend vor Kopfverletzungen schützte. Aufgrund dieses Verletzungsrisikos nahmen die litauischen Marktaufsichtsbehörden das Produkt vom Markt.

Darüber hinaus bargen FFP2-Masken aus der Türkei ein Gesundheitsrisiko, da das Partikel-/Filterrückhaltevermögen des Materials unzureichend war (Messwerte: bis zu 51 %). Folglich erfüllte das Produkt nicht die Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen und könnte, selbst wenn es mit anderen empfohlenen Maßnahmen kombiniert wird, den Benutzer nicht ausreichend schützen. Die deutschen Marktaufsichtsbehörden nahmen das Produkt deshalb vom Markt.

Beide Produkte entsprachen nicht der Verordnung über persönliche Schutzausrüstungen. Darüber hinaus stand der Fahrradhelm nicht im Einklang mit der europäischen Prüfnorm für Fahrradhelme EN 1078 und die FFP2-Maske widersprach der DIN EN 149.
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Abb. 3: Fahrradhelm, der nicht ausreichend schützt
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005943, Datum: 20.04.2022, Sprache: Englisch
Neben den genannten Artikeln gab es zahlreiche weitere gefährliche Produkte, wie z. B. eine Kinderpuppe aus China. Für diese ordnete Polen die Rücknahme vom Markt sowie die Zerstörung des Produkts an, da sie gefährliche Chemikalien enthielt und gegen die REACH-Verordnung verstieß. Auch wurden wieder Verkaufsverbote für mehrere auf dem Online-Markt vertriebene Schmuck-Artikel von den deutschen Behörden verhängt, da sie eine zu große Menge an Cadmium enthielten.

Produkte, die verbotene Stoffe und Chemikalien enthalten, gelangen bei der Entsorgung in den Abfallkreislauf. Da dies nicht mit dem Ziel der EU, eine nachhaltige Gesellschaft zu fördern, übereinstimmt, wird derzeit einiges unternommen. Auf europäischer Ebene werden zwei entscheidende Regulierungsvorhaben verhandelt, bei denen Online-Marktplätze eine wichtige Rolle spielen: der Digital Services Act (DSA) und eine neue Produktsicherheitsverordnung. Der DSA soll als horizontaler Rechtsakt alle Online-Plattformen umspannen. Für Betreiber von Online-Marktplätzen wurden zusätzlich Vorschläge für Sorgfaltspflichten integriert. Über die weiteren Entwicklungen in der Zukunft werden wir Sie selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.