Feuer durch Heizlüfter und Powerbank – Rückruf für nicht schützenden Ofenhandschuh - Phtalate in Wasserschuhen, Badematten und Duschsets

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Verkaufsverbote und Produktrückrufe für über 30 Elektroartikel, Kosmetika und Spielzeuge


Keine Woche ohne Importstopps, Verkaufsverbote und Produktrückrufe. Auch in der letzten Woche haben die Marktaufsichtsbehörden in der Europäischen Union wieder zahlreiche Produkte beanstandet und in das Safety Gate (früher Rapex-Report) eingestellt. Diese gefährlichen Produkte dürfen nun in den Mitgliedsstaaten nicht mehr verkauft werden und müssen teilweise von den Herstellern, Importeuren oder Handelsunternehmen zurückgerufen werden.

Besonders aktiv waren in der letzten Woche die Marktaufsichtsbehörden aus Zypern und den Niederlanden. Bei einer Gebläseheizung aus China ordneten die zypriotischen Behörden einen Rückruf des Produktes bei den Endverbrauchern an. Der Kunststoff des Produkts konnte leicht schmelzen, so dass stromführende Teile leicht zugänglich waren. Der Benutzer könnte stromführende Teile berühren und einen elektrischen Schlag erhalten.

Zudem könnten Nutzer Verbrennungen durch zu heiß werdende, bewegliche Teile erleiden. Während längeren Gebrauchs konnte das Produkt darüber hinaus überhitzen und einen Brand auslösen. Das Produkt entsprach weder den Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie noch der europäischen Norm EN 60335.

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Abb. 1: Gefährliche Gebläseheizung
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005113, Sprache: Deutsch, Datum: 25.03.2022

Ebenfalls gegen die Anforderungen der Niederspannungsrichtlinie und den europäischen Normen EN 60950-1 und EN 62133 verstieß eine Powerbank aus China. Die niederländischen Marktaufsichtsbehörden stellten fest, dass das Batteriemanagementsystem die Lithium-Ionen-Zelle nicht innerhalb der Parameter für Strom, Spannung und Temperatur hielt und den Zellen ein
thermischer Regelkreis fehlte. Die Batterie konnte Feuer fangen oder explodieren, wenn sie unter zu hoher oder zu niedriger Umgebungstemperatur aufgeladen wird.

Einen Produktrückruf ordneten die niederländischen Behörden zu dem für ein Ofenhandschuh an, der nicht die Verordnung über persönliche Schutzausrüstung und die europäische Norm EN 407 einhielt. Das Material des Produkts war nicht resistent gegen hohe Temperaturen. Beim Berühren einer heißen Oberfläche mit diesem Produkt könnte der Benutzer bzw. die Benutzerin schwere Verbrennungen an den Fingern oder der Hand erleiden.

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Abb. 2: Nicht schützender Ofenhandschuh
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005764, Sprache: Deutsch, Datum: 25.03.2022
Bei verschiedenen Kunststoffprodukten, alle ebenfalls aus China, ermittelten die Marktaufsichtsbehörden aus Zypern übermäßige Mengen an Phtalaten. So enthielten ein Duschset und eine Badematte zu hohe Mengen an Bis-(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) (gemessene Werte bis 17 % bzw. bis zu 27 %).

Wasserschuhe enthielten gleich zwei Phtalate, nämlich Bis-(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) und Dibutylphthalat (DBP) (gemessene Werte bis zu 15 Gewichtsprozent bei beiden Phthalaten), in zu hohen Konzentrationen. Diese Phthalate können die Gesundheit von Kindern schädigen und möglicherweise ihr Fortpflanzungssystem schädigen. Das Produkt entspricht nicht der REACH-Verordnung.
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Abb. 3: Badematte aus China mit schädlichen Phtalaten (DEHP)
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005372 , Sprache: Deutsch, Datum: 25.03.2022
Vom Markt zurückgenommen werden muss auch eine elektrische Schaukel für Babys. Die Behörden in Litauen erkannten, dass die Schaukel aus China nicht stabil genug war. Infolgedessen konnte die gesamte Schaukel umfallen, was zu schweren Verletzungen eines Kindes führen kann. Das Produkt war nicht im Einklang mit den Anforderungen der Richtlinie über die allgemeine Produktsicherheit und der europäischen Norm EN 1273.
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Abb. 4: Instabile elektrische Kinderschaukel
Quelle: Europäische Kommission,
https://ec.europa.eu/safety-gate-alerts/screen/webReport/alertDetail/10005783 , Sprache: Deutsch, Datum: 25.03.2022

Neben diesen Produkten wurden auch wieder zahlreihe Spielzeuge mit mechanischen oder chemischen Mängeln beanstandet und müssen von den Herstellern, Importeuren oder Handelspartnern vom Markt genommen oder sogar zurückgerufen werden. Verkaufsverbote gab es in der letzten Woche darüber hinaus für eine Atemschutzmaske, ein Verlängerungskabel, eine Haarlotion, eine Aufhellungscreme, einen Make-up-Entferner, Dekokerzen und verschiedene Kleidungsstücke für Kinder mit Strangulationsgefahr. 

Nach einer Untersuchung der Allianz können Produktrückrufe von Elektroartikeln oder Spielzeugen Kosten zwischen 650.000 € und 1.000.000 € nach sich ziehen. Auch schlagen Importverbote schon bei mittelgroßen Lieferungen leicht mit 50.000 – 100.000 € zu Buche, ganz abgesehen von zusätzlichen Strafzahlungen an Kunden und Imageverlusten. Die meisten dieser Verkaufsverbote, Importverbote oder sogar Produktrückrufe hätten sich durch eine intensivere Beschäftigung mit den entsprechenden europäischen Vorschriften und Normen sicher vermeiden lassen und den jeweiligen Importeuren, Herstellern und Handelsunternehmen große finanzielle Schäden erspart.  

Wir raten daher unseren Kunden, dem Thema Produkt Compliance und Produktsicherheit eine größere Bedeutung beizumessen, um sich vor derartigen, oft existenzbedrohenden Situationen zu schützen.

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Über den Autor
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss
Dr. Hartmut Voss ist Gründer und Geschäftsführer der trinasco GmbH und Experte für Produkt Compliance Management. Vor seiner Tätigkeit als Berater war Dr. Voss bei führenden internationalen Unternehmen tätig (Pepsi-Cola, Sony, Nokia) und hat dabei sehr erfolgreich diverse Marketing-, Vertriebs- und General Management-Funktionen bekleidet. Unter anderem leitete er eine europäische Business Unit, die eine Vielzahl von Produkten gemeinsam mit asiatischen Lieferanten entwickelte, produzierte und in Europa vermarktete. Durch seine langjährige, europaweite Erfahrung als Produktmanager und Geschäftsführer kann er die Risiken und Herausforderungen im Bereich Produkt Compliance sehr genau einschätzen und die Kunden der trinasco GmbH optimal unterstützen.