Glossar

Begriff Definition / Erläuterung
Produktkonformität

Im Begriff Konformität steckt das Element der Übereinstimmung mit einem Umfeld, Kontext, Rahmen oder übergeordneten Vorgaben. Die Konformität eines Produkts besagt, dass dieses Produkt konform ist mit allen zutreffenden Anforderungen einer übergeordneten Instanz, z. B. der EU. Im nationalen wie europäischen Produktsicherheitsrecht ist die Produktkonformität fokussiert auf Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen, die in europäischen Richtlinien festgelegt und in Normen konkretisiert sind.

Der Hersteller führt für sein Produkt ein Verfahren zur Konformitätsbewertung durch, an dessen Ende eine Konformitätserklärung und eine Konformitätskennzeichnung stehen können. Neben der in der EU sowie den EFTA-Staaten relevanten CE-Kennzeichnung bestehen weltweit weitere Systeme zur Konformitätskennzeichnung.

Synonyme - Konformität, Produktsicherheit, Produkt Compliance, Product Compliance
Produktlebenszyklus
Der Produktlebenszyklus ist ein Modell aus der Betriebswirtschaftslehre. Es beschreibt den Lebenszyklus eines Produkts in 5 Phasen wie folgt:
 
  1. Markteinführung: Das Produkt ist erstmalig für Käufer auf dem Markt erhältlich. Es muss kostenintensiv beworben und erklärt werden, daher ist diese Phase zunächst nicht kostendeckend. Erst mit Erreichen des Break-Even kommt die Markteinführung zum Abschluss.
  2. Wachstum: Idealerweise folgt der Markteinführung eine Wachstumsphase, in der die Käuferanzahl steigt. Gleichzeitig werden Konkurrenten auf das neue Produkt aufmerksam und es entstehen erste Preiskämpfe.
  3. Reife: In der Reifephase muss das Produkt weniger mit Marketingmaßnahmen unterstützt werden, da es bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Das Wachstum an Käufen stagniert.
  4. Sättigung: Auf die Reife folgt die Sättigungsphase, in der die Umsätze zurückgehen. In dieser Phase ist der Kampf um die Kostenführerschaft am stärksten. Als Kostenführer kann ein Unternehmen durch gute Balance zwischen Produktionskosten und Verkaufspreisen noch hohe Gewinne erzielen.
  5. Degeneration: Der Produktionslebenszyklus endet mit der Phase der Degeneration, in der das Interesse am Produkt abnimmt und die Umsätze zurückgehen. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, das Produkt weiterzuentwickeln oder ein Nachfolgeprodukt auf dem Markt zu etablieren.
 
Produktlebenszyklus und Produkt Compliance
 
Aus Sicht der Produkt Compliance ist die Phase der Markteinführung besonders wichtig. Hier gilt es zu prüfen, welche Richtlinien, Vorschriften und Normen für das jeweilige Produkt gelten und inwieweit sich diese in den einzelnen Ländern unterscheiden. Zudem sind i. d. R. zahlreiche Tests und Prüfungen durchzuführen, die belegen, dass das jeweilige Produkt alle gesetzlichen Vorschriften erfüllt und somit als konform gelten kann (EU-Konformitätserklärung).
 
Weder das Produktsicherheitsgesetz noch andere gesetzliche Vorschriften unterscheiden, in welchem Stadium des Produktlebenszyklus sich das Produkt befindet. Daher muss auch in späteren Phasen sichergestellt werden, dass das Produkt allen Anforderungen genügt. Selbst scheinbar unveränderte Produkte werden im Verlauf ihres Lebenszyklus modifiziert, verbessert oder anders verpackt. Sie stimmen somit oft nicht mehr mit dem einstmals konzipierten und geprüften Produkt überein. Da sich zudem rechtliche Vorschriften und Normen regelmäßig verändern, ist ein dauerhaftes Sicherstellen der Produkt Compliance in allen Phasen des Lebenszyklus unverzichtbar
 
Synonyme - Lebenszyklus, PLZ
Produktrückruf

Die Produktverantwortung eines Herstellers endet nicht mit dem Verkauf des Produkts. Stellt sich zu einem späteren Zeitpunkt heraus, dass von einem Produkt eine Gefahr für Gesundheit oder Leben ausgeht, ist der Hersteller verpflichtet, die zuständige Marktüberwachungsbehörde zu informieren. Die weiteren notwendigen Maßnahmen zum Vermeiden von Risiken umfassen auch das Warnen, das Rücknehmen und den Rückruf dieses Produkts. 

Das ProdSG versteht unter Rückruf alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Rückgabe eines dem Endverbraucher bereitgestellten Produkts zu erwirken. Rücknahme dagegen umfasst die Schritte, die verhindern, dass ein bereits in der Lieferkette befindliches Produkt auf dem Markt bereitgestellt wird. 

Die Marktüberwachungsbehörden sind nach § 26 ProdSG befugt, Rücknahme oder Rückruf eines auf dem Markt bereitgestellten Produkts anzuordnen, wenn ein „ernstes Risiko insbesondere für die Sicherheit und Gesundheit von Personen“ besteht. Rückruf und Rücknahme sind damit wesentliche Komponenten der Produktsicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus.

In Deutschland werden Produktrückrufe von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlicht (www.rueckrufe.de). Eine äußerst aktuelle und sehr umfassende Zusammenstellung von Produktrückrufen und -gefährdungen findet sich zudem auf www.produktrueckrufe.de Eine jährliche Statistik erscheint als Bericht „Gefährliche Produkte - Informationen zur Produktsicherheit“. Auf europäischer Ebene informiert das EU-Schnellwarnsystem Safety Gate (ehemals RAPEX) für Non-Food-Produkte (https://ec.europa.eu/consumers/consumers_safety/safety_products/rapex/alerts/?event=main.search&lng=de). Internationale Produktrückrufe werden von der OECD veröffentlicht (https://globalrecalls.oecd.org/).

Ob Nachbesserung, Rückruf, Rücknahme, Untersagungsverfügung, das eigenständige Warnen betroffener Kunden oder ungewollte negative Aufmerksamkeit in den Medien – für betroffene Unternehmen sind die Folgen zu spät erkannter Produktrisiken in jedem Fall mit Kosten sowie Reputationsverlusten in einem kaum abschätzbaren Umfang verbunden.

Synonyme - Produktrückrufe, Recall, Product Recall
Produktsicherheitsgesetz

Das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) ist in Deutschland die zentrale Rechtsbasis für die Sicherheit von Produkten und die Marktüberwachung. Das ProdSG setzt die europäische Richtlinie 2001/95/EG über die allgemeine Produktsicherheit in nationales Recht um. Es ist am 1.12.2011 in Kraft getreten und hat das zuvor geltende Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) abgelöst.

Das ProdSG regelt, unter welchen Voraussetzungen Produkte auf dem deutschen Markt eingeführt und vertrieben werden dürfen. Zentrale Aussage ist, dass ein Produkt nur auf dem Markt bereitgestellt werden darf, wenn es den vorgesehenen Anforderungen aus Richtlinien und Normen entspricht und – bei bestimmungsgemäßer oder vorhersehbarer Verwendung – keine Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit bestehen. Dieser Grundsatz wird konkretisiert in weiteren Vorgaben, z. B. zur Kennzeichnung und Identifizierung, zur CE-Kennzeichnung, zur Information für den Verwender (Gebrauchsanleitung), zum Prüfen von Beschwerden oder zum Veranlassen von Rückrufen.

Das ProdSG gilt für alle Produkte, die auf dem Markt bereitgestellt, ausgestellt oder erstmals verwendet werden, sofern dies im Rahmen einer Geschäftstätigkeit geschieht. Ausgenommen sind einige wenige Produktkategorien wie Antiquitäten und gebrauchte Produkte, Produkte für militärische Zwecke, Lebensmittel, lebende Pflanzen und Tiere sowie deren Erzeugnisse, Medizinprodukte und Pflanzenschutzmittel.

Synonyme - ProdSG, Produktsicherheit, Produktkonformität, PSG